Hennes Hahn hat in seiner Fahrschule seit über einem Jahr einen Elektrogolf. Die Fahrschüler sind begeistert, müssen aber besonders aufmerksam sein.

Hennes Hahn hat in seiner Fahrschule seit über einem Jahr einen Elektrogolf. Die Fahrschüler sind begeistert, müssen aber besonders aufmerksam sein.
Wenn der Golf an Geschäften vorbeirollt, aus denen jederzeit Passanten auf die Straße treten können, müssen Fahrschüler besonders passiv fahren.

Wenn der Golf an Geschäften vorbeirollt, aus denen jederzeit Passanten auf die Straße treten können, müssen Fahrschüler besonders passiv fahren.

Hennes Hahn mit seinem Elektrogolf auf einem Parkplatz in der Hauptstraße.

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Wenn der Golf an Geschäften vorbeirollt, aus denen jederzeit Passanten auf die Straße treten können, müssen Fahrschüler besonders passiv fahren.

Burscheid.„Wenn ich beschleunige, wird Ihnen schwindelig“, sagt Hennes Hahn noch. Dann werde ich auch schon in den Beifahrersitz des elektrobetriebenen Golf gepresst und merke, wie mir flau wird. Die Antriebskraft des Wagens hat schon nach Bruchteilen von Sekunden mein Innenleben durcheinandergewirbelt. Eine Elektroauto mit solch einem Anzug – darauf war ich nicht vorbereitet.

Die Schüler des Besitzers der gleichnamigen Fahrschule schwärmen natürlich von dem Auto. „Damit gewinnen wir jeden Ampelstart“, gibt der 62-jährige Burscheider manche Reaktionen seiner Fahrschüler wieder. Aber er wäre kein guter Fahrlehrer, wenn er ihnen nicht sofort diesen Zahn ziehen würde. Defensives Fahren ist angesagt, das Miteinander im Straßenverkehr, das Beachten von Regeln.

Gerade das lasse sich mit dem Auto hervorragend umsetzen. Schon ein Anwerfen des Motors und die Reaktion eines Fußgängers oder anderer Verkehrsteilnehmer darauf gibt es nicht. Und gerade in kleineren Straßen wie der Hauptstraße rollt der Wagen fast lautlos und damit häufig unbeachtet daher. „Ich muss meinen Schülern anfangs immer sagen: Achtet auf die Leute, die können uns nicht hören.“ Absurd wäre es laut Hahn allerdings, bei jeder möglichen Gefahrenstelle sofort die Hand an der Hupe zu haben. „Dann würden sich die Menschen ja provoziert fühlen, wenn man sie anhupt.“ Vielmehr könne mit einem Elektroauto genau das sofort vermittelt werden, was ein Fahrlehrer einem Schüler grundsätzlich auf den Weg geben muss: Immer bremsbereit zu sein.

Übertrieben panisch müsse man aber nicht mit der „Lautlosigkeit“ des Autos umgehen. „Auch Benzinmotoren sind heute ja schon sehr leise“, sagt Hahn. „Und auf Parkplätzen sollte man sowieso nur mit dem Auto rollen.“ Gleichwohl gebe es Kurse auch für Fahrlehrer, die extra für den Umgang als Schüler mit dem E-Auto angeboten werden. Beispielsweise von der „Academy“, einem Verbund selbstständiger Fahrschulen, dem auch Hahn angeschlossen ist.

„Das Elektroauto ist wie eine stressfreie Komfortzone“

Den größten Vorteil in der Ausbildung eines Schülers auf dem umweltschonenden Golf sieht der 62-Jährige aber darin. „Das Fahren mit dem E-Auto ist viel entspannter. Der Wagen ist wie eine stressfreie Komfortzone. So kann man sich wunderbar auf den Verkehr konzentrieren.“ Ein Beispiel dafür: „Sie gehen vom Gas und der Wagen bremst von selbst.“ Hahn verspricht: „Es ist einfacher und man benötigt weniger Fahrstunden.“ Das allerdings hat nicht in erster Linie etwas mit dem Antrieb zu tun. Wer nur auf dem E-Auto seine Stunden macht, bekommt am Ende wie bei einem Automatikfahrzeug den Hinweis im Führerschein, nur derartige Autos fahren zu dürfen.

Dass die Fahrschüler des Burscheiders von dem Wagen angetan sind, habe aber auch tatsächliche ökologische Gründe. „Sie glauben gar nicht, wie umweltbewusst die jungen Menschen sind.“

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