Das Gutachten zu Sanierung und Neubau des alten Bahnhofs eröffnet der Stadt bisher ungeahnte Handlungsmöglichkeiten. Wegen akuter Einsturzgfahr ist die Güterhalle seit September gesperrt.

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Die ehemalige Güterhalle ist der marodeste Teil des alten Bahnhofs – und akut einsturzgefährdet.

Die ehemalige Güterhalle ist der marodeste Teil des alten Bahnhofs – und akut einsturzgefährdet.

Barbara Sarx

Die ehemalige Güterhalle ist der marodeste Teil des alten Bahnhofs – und akut einsturzgefährdet.

Burscheid. Es war ein denkwürdiger Abend im Haus der Kunst. Denkwürdig, weil man lange suchen muss, wenn man auf eine Informationsveranstaltung stoßen will, die vergleichbar kompakt wie kurzweilig die wichtigsten Ergebnisse eines langen Prozesses zusammengefasst hat.
 
Denkwürdig auch, weil sich mit diesem Abend für die Stadt nebulöse Hoffnungen plötzlich zu ungeahnten Handlungsperspektiven gewandelt haben.
 
Georg Biskup ist mit einer Begabung gesegnet, die seinen Expertenvortrag von vielen anderen unterscheidet: Der Architekt des mit dem Bahnhofsgutachten betrauten Düsseldorfer Büros Miksch + Rücker verbindet Fach- mit Vermittlungskompetenz, kann also ein komplexes Gutachten allgemeinverständlich auf den Punkt bringen, ohne an Substanz zu verlieren.
 
Das hat viel zu der Anerkennung beigetragen, die der Abend von vielen Seiten erhielt.

Unterstützt wurde Biskup durch den Beigeordneten Stefan Caplan, der mit der verblüffendsten Aussage des Abends aufwartete: dass der Ist-Zustand mit einem Jugendzentrum in Sträßchen selbst bei einem Verkauf des 3000 Quadratmeter großen Bahnhofsgeländes den städtischen Haushalt mehr belastet als eine Sanierung des Bahnhofs bzw. der Neubau eines Jugendzentrums nach seinem Abriss.

Voraussetzung für diese wundersame Fügung ist die entsprechende Förderung durch das Land: 1,7 Millionen Euro für eine mögliche Sanierung, eine Million für einen Neubau.
 
Ergebnisoffen sollten die Informationen den Politikern zur weiteren Beratung in den Fraktionen präsentiert werden. Doch Caplan verwies auch auf den nahe liegenden Umstand, dass bei gedeckelten Landesmitteln "ein höherer Betrag natürlich schwieriger zu bekommen ist als ein niedrigerer".

"Die Stadt hat Glück gehabt, dass das Dach der Güterhalle so lange gehalten hat."

Auch Biskup, dessen Büro nach eigenen Angaben bisher schon rund 60 Bahnhöfe in NRW begutachtet und dabei zunächst stets ihren Erhalt verfolgt hat, erklärte, der Burscheider gehöre darunter "zu den schlechtesten".
 
So sei die Fassade des um 1875 gebauten Hauptgebäudes zu etwa 40 Prozent geschädigt, bei der angrenzenden Güterhalle gar zu 80 Prozent. "Die Stadt hat Glück gehabt, dass das Dach der Güterhalle so lange gehalten hat." Wegen akuter Einsturzgefahr ist die Halle seit September gesperrt.
 
Gleichwohl: Der alte Bahnhof gilt als stadtbildprägend; bei einer Sanierung wird seine "Restlebensdauer" mit 40 Jahren veranschlagt. Zum Vergleich: Ein Neubau wird über 70 bis 80 Jahre abgeschrieben.
 
Als Restnutzungsdauer des jetzigen Megaphons gelten etwa 20 Jahre. Für dessen möglichen Verkauf hat die Stadt bei ihren Berechnungen 280 000 Euro angesetzt.

Egal ob Sanierung oder Neubau, beide Lösungen müssten eingebettet sein in die Ausweisung eines Stadterneuerungsgebietes, um förderwürdig zu sein. Dafür allerdings bietet die Montanusstraße auch noch genügend Ansatzmöglichkeiten.

Nach den jetzt folgenden fraktionsinternen Beratungen soll das Thema dann in Fachausschüssen und Rat entschieden werden. Ziel ist es, möglichst noch in diesem Jahr Förderanträge für 2009 stellen zu können - wenn sich die Politik denn für Neubau oder Sanierung entscheidet.

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