Mit dem ersten Johannes-Rau-Kolloquium sorgt die evangelische Kirche für einen prominent besetzten Höhepunkt im Festjahr.

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Im Schatten eines großen Namens diskutierten Innenminister Wolfgang Schäuble, EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Schmude.

Im Schatten eines großen Namens diskutierten Innenminister Wolfgang Schäuble, EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Schmude.

Doro Siewert

Im Schatten eines großen Namens diskutierten Innenminister Wolfgang Schäuble, EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Schmude.

Altenberg. 750 Jahre Altenberger Dom, 20 Jahre deutsche Einheit - und über allem der wuchtige Name Johannes Rau. Dass das erste Johannes-Rau-Kolloquium der rheinischer Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dabei nicht in Ehrfurcht erstarrt, sondern zu einer entspannten Premiere gerät, liegt zum Beispiel an so beiläufigen und nachdenklichen Beiträgen wie denen von Katrin Göring-Eckardt.

"Als die Mauer geöffnet wurde, habe ich mein Kind gestillt", erzählt die einzige Ostdeutsche der Gesprächsrunde am Montagabend im Altenberger Dom unpathetisch.

Mit Wolfgang Schäuble (CDU), damals wie heute (wieder) Bundesinnenminister, ist sich die grüne Bundestagsvizepräsidentin und EKD-Synoden-Präses im Rückblick einig, dass der schnelle Beitritt der DDR zur BRD gegenüber dem längeren Weg über eine neue Verfassung die bessere Entscheidung war. Aber die spätere Amtshilfe aus dem Westen ließ aus ihrer Sicht zu wünschen übrig: "Ihr habt uns nicht die Besten geschickt. Die Besten habt ihr selbst behalten."

Schäuble: Beitritt eine Entscheidung der DDR

Schäuble bekräftigt, dass der Beitritt dem Osten nicht übergestülpt wurde. "Die Entscheidung wurde von den Menschen der DDR getroffen", erinnert er an den Beschluss der einzigen frei gewählten Volkskammer am 18.März 1990.

Nur für einen Bereich lässt der Innenminister den Begriff des Überstülpens gelten - ausgerechnet die Kirchensteuer. Sie wurde trotz des anfänglichen Befremdens der Ostchristen gegenüber dieser Verbindung von Kirche und Staat schon im Einigungsvertrag verankert, obwohl es die dafür zuständigen Bundesländer noch gar nicht gab. "Aber das war sicher zum Wohl der Kirchen in den neuen Bundesländern."

Dass schwächere Regionen Förderung verdienen, unabhängig davon, ob sie in Ost oder West liegen, dafür plädiert ausgerechnet Göring-Eckardt. Wichtiger als der Geldfluss von West nach Ost ist ihr der Menschenstrom. "Wir waren alle schon mal im Westen. Nach 20 Jahren wäre mal ein Gegenbesuch angesagt." Von dieser leisen Kritik nimmt sie Johannes Rau ausdrücklich aus. "Der hat die Leute in der DDR wirklich gekannt und konnte mit großem Respekt von ihnen erzählen."

"Zwei Stunden ohne Klagen", bilanziert Moderator und EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber am Ende der Diskussion zufrieden. Schließlich hatte Schäuble schon zuvor gebeten: "Ich würde mir von den Kirchen mehr Zuversicht wünschen. Zu klagen haben wir genug."

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