Zwei Tage nach dem Mauerfall hielt Beate Paas nichts mehr in ihrer alten Heimat.

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Die passende Frau zum Auto: Heute schmunzelt Beate Paas über die Trabi-Leidenschaft ihres (West-)Mannes.

Die passende Frau zum Auto: Heute schmunzelt Beate Paas über die Trabi-Leidenschaft ihres (West-)Mannes.

Doro Siewert

Die passende Frau zum Auto: Heute schmunzelt Beate Paas über die Trabi-Leidenschaft ihres (West-)Mannes.

Burscheid. Die heutige Burscheiderin Beate Paas lebte mit ihren vier Kindern nicht immer im Rheinland. Aufgewachsen ist sie im Kyffhäusergebirge in Thüringen. Sie besuchte die Schule in der ehemaligen DDR, war Jung-Pionierin und FDJlerin.

"An meine Kindheit erinnere ich mich gern zurück. Man hat viel für die Kinder getan in der ehemaligen DDR", erzählt Beate Paas. "Aber natürlich gab es auch Momente, die man als Jugendlicher überhaupt nicht verstanden hat."

Im Teenager-Alter bekam sie einmal am Ende des Schuljahres eine 5 in Betragen. Ihr Verhalten während des Unterrichts passte wohl nicht zu den sozialistischen Idealen: "Ich hatte eine große Mappe voller Filzstifte von Bekannten aus dem Westen geschenkt bekommen. Diese hatte ich auf meinem Schulpult sorgfältig sortiert hingelegt. Als mein damaliger Mathe-Lehrer das sah, kam er mit strengem Blick auf mich zu und mit einem Mal fegte er meine schönen Filzstifte vom Tisch", erinnert sie sich zurück. Solche kapitalistischen Accessoires waren in der DDR nicht wohlgelitten.

Ein anderes Mal kam die junge Beate aus der Schulpause zurück und in ihrem Federmäppchen fehlte ihr Pelikan-Füller, ein weiteres Geschenk aus dem Westen.

"Ich weiß es noch wie heute: Wir verließen die Klasse und mein roter Füller war noch in meinem Mäppchen. Als ich zur nächsten Unterrichtsstunde in die leere Klasse kam, war er weg", erinnert sich die Wahl-Burscheiderin. "Ich bin davon überzeugt, dass ein Lehrer mir diesen Füller weggenommen hat, weil er kein Produkt der DDR war."

Nicht nur die Erlebnisse in ihrer Kindheit hat die junge Frau an ihrem Heimatland gestört. Auch die eingeschränkte Meinungsfreiheit war ihr zuwider. "Mein Vater sagte immer: Wir leben doch hier am Leben vorbei! Und er hatte ja recht."

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Kritik an der Regierung war verboten. Äußerte man sich dennoch gegen das DDR-Regime, war mit harten Sanktionen zu rechnen. Nicht nur deshalb hatte Beate Paas bereits vor dem Mauerfall daran gedacht, ihr Heimatland hinter sich zu lassen: "Natürlich habe auch ich überlegt, mich auf den Weg zur Prager Botschaft zu machen und mit darauf zu hoffen, dass die Grenzen geöffnet werden. Aber letztendlich fehlte mir wohl das letzte Stückchen Mut, um die DDR hinter mir zu lassen."

Neuer Mut durch die beginnenden Veränderungen

Erst im Juni 1989 war die junge Frau gemeinsam mit ihrem Mann umgezogen und hatte sich auf dem Hof im Kreis Salz-Wedel neu eingerichtet und Nutztiere angeschafft. "Zu dieser Zeit hat man bereits gemerkt, dass sich einiges ändern würde.

Die anhaltenden Demonstrationen, das paneuropäische Picknick in Ungarn und die Besetzung der Prager Botschaft: All das hat uns neuen Mut gegeben und uns hoffen lassen. Aber als im November 1989 die Mauer dann wirklich fiel, war das nahezu unfassbar!"

"Zwei Tage nach dem Mauerfall erhielt ich einen Brief von meiner langjährigen Brieffreundin aus Kerpen", berichtet Beate Paas. ‚Komm doch rüber. Wer weiß, wie lange die Maueröffnung hält", stand in dem Brief.

"Mein Mann und ich ließen uns noch am selben Tag den Stempel geben, um in den Westen reisen zu dürfen. Wir packten unsere sieben Sachen und machten uns noch am 11. November auf in Richtung Westen." Ihr erst kürzlich erworbenes Hab und Gut verschenkten sie an Nachbarn und Freunde.

"Man traute allem noch nicht so richtig. Ein wenig Angst hatten wir immer noch, denn niemand wusste wirklich, ob dies nun das Ende der DDR bedeutete", berichtet Paas. Kurz vor Wolfsburg wurde der Zug ein letztes Mal von DDR-Grenzposten kontrolliert. Die fünfköpfige Familie bangte um ihre Ausreise. "Mir schlug das Herz bis zum Hals. Wir wussten nicht, ob dies das Ende unserer Reise bedeutete." Doch die Familie konnte den wichtigen Stempel zur Ausreise in den Westen vorlegen und durfte weiterreisen.

Am Abend erreichte Beate mit ihrer Familie dann Köln. "Es war so unglaublich: Der Dom, der Bahnhof - wir konnten nicht begreifen, dass wir nun wirklich angekommen waren", sagt sie mit strahlenden Augen. "Ich war so überwältigt, dass ich einen West-Polizisten umarmt und gefragt habe: Sind wir wirklich im Westen?" Die Brieffreundin erwartete sie bereits und so zog die Familie zunächst nach Kerpen.

In Burscheid stand ein Trabbi vor der Tür

Vor sieben Jahren lernte Beate Paas dann ihren heutigen Mann kennen und wechselte nach Burscheid. "Als ich ihn das erste Mal besuchte, stand ein alter Trabbi vor der Tür. Mein Mann erklärte mir, dass es seiner sei und er ihn fit machen wolle. Ich dachte mir nur, das darf doch nicht wahr sein." Heute schmunzelt die 49-Jährige über die Passion ihres Mannes: "Nun hat er auch die passende Frau dazu."

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