Jubiläum: Zur Feier des Doms waren Kardinal, Präses und Ministerpräsident gestern in Altenberg zu Gast.

Altenberg. Wenn eine Kirche 750 Jahre alt wird, dann muss das ordentlich gefeiert werden. In Altenberg wissen sie um die einmalige Chance, dem alten Domgemäuer in diesem Jahr eine besondere Ehre zu erweisen. 2009 wurde zum Festjahr ernannt, die Woche rund um den 750.Jahrestag der Grundsteinlegung am 3. März zur Festwoche. Gestern erfolgte der bisherige Höhepunkt der Feierlichkeiten mit drei Großveranstaltungen - und einer ganzen Reihe prominenter Gratulanten.

"Geistliche und kulturelle Mitte des Bergischen Landes"

Die katholische Gemeinde hatte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Pontifikalamt am Vormittag eingeladen. Er würdigte in seiner Predigt den mit Besuchern überfüllten Altenberger Dom als "unübersehbare geistliche und kulturelle Mitte des Bergischen Landes" und erinnerte an die symbolhafte Funktion des Doms: "Er ist als Pfarrkirche die Visitenkarte für den Glaubensstand in eurer Gemeinde."

Die evangelische Kirche konnte mit Präses Nikolaus Schneider ebenfalls einen hochrangigen Vertreter beim Gottesdienst am Nachmittag präsentieren. Schneider: "Viele Ecksteine wurden seit der Zeit Jesu verbaut. Sie ermöglichten die Errichtung von Gotteshäusern, in denen das Wort Gottes zu den Menschen kommen kann."

Zwischen den beiden Gottesdiensten eröffnete Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Mittag im benachbarten Küchenhof die Ausstellung "Sie haben nicht auf Sand gebaut" über den mittelalterlichen Baubetrieb, die von der NRW-Stiftung mit 23000 Euro gefördert wurde. Das Gemeinschaftsprojekt von Aktionskreis Altenberg und Altenberger-Dom-Verein beschäftigt sich mit der Frage, wie die Großbaustelle vor 750 Jahren ausgesehen haben könnte, und gibt einen Einblick in die mittelalterliche Baukunst.

Für Rüttgers ist das Jubiläum des Altenberger Doms "fast schon ein Wunder", wie er in seinem Grußwort zur Ausstellungs-Eröffnung wissen ließ. Der Dom habe so lange überdauert, "weil er eben viel mehr ist als ein Bauwerk. Weil er nicht um seiner selbst willen gebaut wurde, sondern zur höheren Ehre Gottes."

Am 3. März 1259 legte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für den Bau der neuen Klosterkirche. Die Bauarbeiten gerieten ab 1275 wegen Geldmangel ins Stocken. Vollendet wurde der Dombau Ende des 14. Jahrhunderts.

Die Ausstellung "Sie haben nicht auf Sand gebaut" beschäftigt sich mit Planung, Organisation und Ablauf einer Baustelle im 13. und 14.Jahrhundert. Die Kölner Bauforscher Sabine Lepsky und Norbert Nussbaum haben den Bauablauf und die damaligen Umstände rekonstruiert. Vom Abstecken des Baugrunds über die Verwendung des richtigen Steins bis zum Einbau der Fenster lässt sich der Ablauf der Bauarbeiten nachvollziehen.

Neben diversen Gesteinssorten wie Trachyt oder Grauwacke sind auch verschiedenste Werkzeuge und Hilfsmittel wie Steinzangen oder der "Altenberger Fuß" zu sehen.

Die Ausstellung im Küchenhof hat samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung wird durch eine Vortragsreihe ergänzt. An drei Terminen finden Vorführungen von Steinmetzen und Schmieden statt. Die Ausstellung dauert bis zum 27. September.

Schirmherr Rüttgers bezog auch die aktuelle Wirtschaftskrise in seine Ansprache mit ein. Der Altenberger Dom sei "ein Symbol gegen den Materialismus", der die Einheit der Gesellschaft bedrohe. Deshalb sei es so wichtig, kulturelle Reichtümer wie den Dom zu bewahren.

Historisches Werkzeug und alte Baustoffe zusammengetragen

Um die Ausstellung so anschaulich wie möglich zu gestalten, hat das Initiatoren-Team um Catrin Riquier (Geschäftsführerin des Altenberger Dom-Vereins) und Domführerin Susanne Heydasch-Lehmann so manches historische Werkzeug und etliche schon damals verwendete Baustoffe unter anderem aus umliegenden Museen zusammengetragen. "Es ist ganz erstaunlich zu sehen, wie einfach man es damals geschafft hat, große Lasten zu heben", gab Catrin Riquier einen Vorgeschmack auf die Ausstellung.

"Die Handwerker waren intelligente Menschen, die ihre Arbeitstechniken, Geräte und Materialien perfekt beherrschten", so Domführerin Susanne Heydasch-Lehmann. Besonders spannend in der Vorbereitung der Ausstellung sei die Recherche von historischen Abbildungen gewesen. Fündig wurde das Team bei Buchmalereien, teilweise aus dem 15. Jahrhundert.

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