Land und Bund fordern Ehrenzeichen vom Steuersünder zurück.

Ein Bild aus besseren Tagen: Klaus Zumwinkel erhält den Landesorden von Jürgen Rüttgers.
Ein Bild aus besseren Tagen: Klaus Zumwinkel erhält den Landesorden von Jürgen Rüttgers.

Ein Bild aus besseren Tagen: Klaus Zumwinkel erhält den Landesorden von Jürgen Rüttgers.

NRW-Staatskanzlei

Ein Bild aus besseren Tagen: Klaus Zumwinkel erhält den Landesorden von Jürgen Rüttgers.

Düsseldorf. Hans-Dietrich-Genscher hat ihn, Wim Wenders auch, Klaus Zumwinkel bald nicht mehr: Der Landesorden NRW ist eine Ehrensache und mit gewissen Regeln verbunden. Klaus Zumwinkel, der soeben verurteilte Steuersünder, muss den Verdienstorden des Landes samt Urkunde zurückgeben.

Und er verliert auch die andere große Auszeichnung: das Große Bundesverdienstkreuz. Es hat ein bisschen gedauert: Mittwochmittag hieß es in der NRW-Staatskanzlei, man habe sich mit dem Thema noch nicht befasst, werde das nach Anfrage unserer Zeitung sicher bald tun. Dann ging es ganz schnell: Am Nachmittag hieß es aus Regierungskreisen, die Vorschriften seien eindeutig.

Seit dem Urteil am Montag ist Zumwinkel verurteilter Steuerhinterzieher. Damit greift Paragraf 7 des Gesetzes über den Verdienstorden des Landes NRW: "Erweist sich der Ordensinhaber durch sein Verhalten, insbesondere durch Begehen einer Straftat, der Auszeichnung unwürdig oder wird ein solches Verhalten nachträglich bekannt, so kann der Ministerpräsident die Verleihung widerrufen", heißt es dort.

Die Regeln für das Bundesverdienstkreuz sind ähnlich. Man werde die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und dann darauf warten, dass Zumwinkel die Auszeichnung freiwillig zurückgibt. Geschehe dies nicht, werde sie eingezogen, hieß es in Kreisen der Bundesregierung.

Zumwinkel hatte den Landesorden erst 2007 aus der Hand von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) erhalten. Damals wurde sein "Einsatz für das Allgemeinwohl" und sein Engagement für Deutschland gewürdigt. Was niemand wusste: Damals hatte Zumwinkel Geld illegal in Liechtenstein deponiert.

Bund Das Bundesverdienstkreuz wird für besondere Leistungen auf politischem, kulturellem, geistigem oder gesellschaftlichen Gebiet verliehen. Er wurde 1951 von Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet. Das war damals umstritten, zu nahe war noch das Nazi-Reich und die Ordenflut dort. Mittlerweile gibt es die Auszeichnung in neun Abstufungen. Die höchste, die Sonderstufe des Großkreuzes, ging bisher nur an 40 ausländische Staatsoberhäupter und alle Bundespräsidenten. In den vergangenen Jahren wurde das Verdienstkreuz mehr als 250000 Mal verliehen.

Land Der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (Foto) ist deutlich jünger. Er wurde im Jahr 1986 von Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) ins Leben gerufen. Seine Zahl ist bislang auf 2500 beschränkt, rund 1400 Menschen haben ihn bereits erhalten. Zu den prominenten Preisträgern zählen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Comedian Hape Kerkeling, die Ex-Fußballer Günther Netzer und Rudi Völler sowie der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen.

Zumwinkel war "Manager des Jahres", erhielt 2006 den Zukunftspreis der CDU-nahen Organisation Initiative Forum Zukunft, bei der Rüttgers Mitglied des Kuratoriums ist. Vorgänger Zumwinkels war Franz Beckenbauer, Nachfolger sollte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sein. Der verzichtete nach dem Wirbel um seine Person.

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