Die Szenarien für den Konzern werden düsterer. Es droht Zerschlagung oder Übernahme.

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Das Logo von BP vor der deutschen BP Zentrale in Bochum: Auch die Tochter Aral sieht sich auf eine harte Probe gestellt.

Das Logo von BP vor der deutschen BP Zentrale in Bochum: Auch die Tochter Aral sieht sich auf eine harte Probe gestellt.

dpa

Das Logo von BP vor der deutschen BP Zentrale in Bochum: Auch die Tochter Aral sieht sich auf eine harte Probe gestellt.

London. Die astronomischen Kosten für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko führen zu immer düsteren Zukunftsszenarien: Die britische Regierung bereitet sich nach Informationen der "Times" schon auf ein Auseinanderbrechen des BP-Konzerns vor. Es würden Krisenpläne für den Fall eines Zusammenbruchs oder einer Zerschlagung ausgearbeitet, berichtete am Dienstag die Zeitung.

Britische Regierung entwickelt Krisenpläne

Aus britischen Regierungskreisen hieß es dazu, es werde über solche Pläne gesprochen, allerdings sei dies obligatorisch und habe nicht viel zu bedeuten. Eine Regierung müsse auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Dies bedeute aber nicht, dass die britische Regierung wirklich von einem BP-Kollaps ausgehe. Die Gespräche fänden auch nicht auf hochrangiger Ebene statt.

Zumindest auf den Kurs der BP-Aktie wirkten sich die wilden Gerüchte aber durchaus positiv aus. Am Dienstagvormittag kletterte die Aktie um fast drei Prozent und notierte am Nachmittag immer noch im Plus (Grafik). Seit April hat sich der Aktienkurs des Unternehmens wegen der Ölpest dennoch nahezu halbiert.

In Großbritannien gibt es über 10.000 Mitarbeiter

Falls das Unternehmen die Krise nicht überleben sollte, betrifft dies unmittelbar britische Interessen. So gehört BP der größte Teil der britischen Energie-Infrastruktur. Dazu gehört unter anderem ein Leitungssystem, das über 50 Öl- und Gasfelder in der Nordsee verbindet.

Allein in Großbritannien beschäftigt der Konzern mehr als 10.000 Menschen. Im vergangenen Jahr bescherte BP dem britischen Schatzkanzler Steuereinnahmen von fast sechs Milliarden Pfund (7,25 Milliarden Euro).

Londoner Fonds für die Altersvorsorge sind betroffen

Trotz der ausufernden Ölpest im Golf von Mexiko verdient sich BP an US-Regierungsaufträgen nach wie vor eine goldene Nase. Nachdem der Konzern 2009 dem Militär Treibstoff im Wert von 980 Millionen Dollar verkauft hatte, könnte der Umsatz aus Bestellungen durch das Verteidungsministerium in Washington dieses Jahr erstmals eine Milliarde Dollar übersteigen.

Der britische Konzern bleibt mit einem Marktanteil von fast 12 Prozent vor Exxon Mobil, Shell, Chevron und Sunoco der mit Abstand größte Öllieferant an die US-Streitkräfte.

Kongressabgeordnete reagierten auf die in Washington veröffentlichten Zahlen mit der Drohung scharfer Sanktionen gegen BP. Sie wollen durchsetzen, dass der Konzern von der Teilnahme an staatlichen Ausschreibungsverfahren komplett ausgeschlossen wird und für BP womöglich Tiefseebohrungen vor den US-Küsten untersagt werden.

Von einem etwaigen Zusammenbruch wären auch viele britische Fonds zur Altersvorsorge betroffen, die in BP-Aktien investiert haben. Der britische Premierminister David Cameron wolle die Zukunft von BP deshalb während eines Besuchs in Washington am 20. Juli mit Vertretern der US-Regierung besprechen.

Lybiens Staatschef Gaddafi will BP aus der Patsche helfen

Als potenzielle Übernahme-Interessenten gelten BPs Hauptkonkurrenten, ExxonMobil und Royal Dutch Shell. In Medien wird ferner spekuliert, dass sich BP einen potenten Investor ins Boot holen könnte, und zwar über eine Kapitalerhöhung um bis zu sechs Milliarden Pfund. Damit könnte BP eine feindliche Übernahme verhindern und den Börsenwert steigern.

BP-Berater sollen bereits Kontakte zu arabischen Staatsfonds wie Abu Dhabi, Katar und Kuwait geknüpft haben. Zugleich brachte sich ein prominenter Investor ins Spiel. Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi könnte BP aus der Patsche helfen. "BP ist interessant", wird er in Medien zitiert.

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