EU-Bericht: Pharmaindustrie blockiert Nachahmer-Produkte.

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Generika sind bis zu 40 Prozent billiger als Original-Produkte.

Generika sind bis zu 40 Prozent billiger als Original-Produkte.

dpa

Generika sind bis zu 40 Prozent billiger als Original-Produkte.

Brüssel. Verbraucher zahlen zu viel für Medikamente, weil Pharmakonzerne die Einführung von günstigeren Nachahmer-Produkten blockieren. Zu diesem Ergebnis kommt die EU-Kommission in ihrem Abschlussbericht über den Wettbewerb im Arzneimittelsektor. Auch deutsche Pharmakonzerne seien keine Engel, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Mittwoch in Brüssel.

Sie drohte, notfalls kartellrechtlich gegen Hersteller vorzugehen, sollten es weiter zu künstlichen Verzögerungen kommen. Zwei Jahre nach Markteintritt sind Generika den Kommissions-Angaben zufolge durchschnittlich 40 Prozent billiger als die Originalmedikamente.

Für ihren Bericht hatten die EU-Wettbewerbshüter seit Januar 2008 Pharmaunternehmen in allen 27 EU-Staaten untersucht. Betroffen waren unter anderem Glaxo-Smith-Kline aus Großbritannien, der britisch-schwedische Konzern Astra-Zeneca, Sanofi-Aventis aus Frankreich, die US-Branchengiganten Pfizer und Merck & Co sowie die Generika-Tochter Sandoz des Schweizer Novartis-Konzerns.

Die Prüfer stellten fest, dass sich die Hersteller mit den Unternehmen für Generika absprechen, um die Einführung von billigeren Medikamenten zu verzögern. Es gebe mindestens 200 Abkommen dieser Art. Deshalb will die Behörde nun entsprechende Vereinbarungen stärker unter die Lupe nehmen. Gegen das französische Pharma-Unternehmen Les Laboratoires Servier sowie gegen einige Generika-Hersteller sei bereits ein Verfahren eröffnet worden. Sie sollen durch Absprachen den Marktzutritt eines Herz-Kreislaufmedikaments erschwert haben.

Außerdem forderte Kroes die Mitgliedstaaten auf, die Markteinführung von Generika durch Gesetze zu vereinfachen. Bislang dauere es sieben Monate, bis nach Ablauf des Patentschutzes ein günstiges Nachahmerprodukt erhältlich sei. Damit gaben sie 20 Prozent mehr als nötig aus - das entspricht einer Summe von drei Milliarden Euro.

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