Berlin/New York (dpa) - Der nächste Meilenstein im Wandel der Musikbranche ist erreicht: Die Amerikaner haben 2011 erstmals mehr Alben als Internet-Download statt auf CDs gekauft.

Es war noch eine sehr knappe Angelegenheit; die heruntergeladenen Alben kamen gerade eben über den Anteil von 50 Prozent, wie aus Zahlen des Marktforschers Nielsen und des Musikmagazins «Billboard» hervorgeht. Der weltgrößte US-Markt spielt damit aber international eine Vorreiterrolle.

Die von Geschäftsrückgängen gebeutelte Branche kann sich auch erstmals seit Jahren wieder insgesamt über ein Wachstum freuen. Meistverkauftes Album des Jahres war mit über 5,8 Millionen Exemplaren «21» der britischen Sängerin Adele. Sie überholte damit deutlich die Spitzenreiter der vergangenen Jahre.

Auf Platz zwei kam weit abgeschlagen der Kanadier Michael Bublé, der sein Weihnachtsalbum «Christmas» 2,45 Millionen Mal verkaufen konnte. Lady Gaga erreichte mit «Born This Way» den dritten Rang. Von dem Album wurden 2,1 Millionen Stück verkauft - der Online-Einzelhändler Amazon hatte es in den USA zeitweise für nur knapp einen Dollar zum Herunterladen angeboten.

Insgesamt wurden der Auswertung zufolge 457,7 Millionen Alben verkauft, ein Plus von 3,2 Prozent. Diese Zahl kam allerdings auch erst durch einen statistischen Trick zustande, der den Gepflogenheiten in der neuen Musikwelt geschuldet ist. Mitgezählt wurde auch der Kauf einzelner Titel, sofern sie zusammen ein bestimmtes Album ergeben hätten. Von «echten» Alben wurden 330,6 Millionen Stück verkauft. Davon waren gut 103 Millionen Internet-Downloads - knapp ein Fünftel mehr als 2010.

Mit dem Vormarsch von Download-Plattformen kaufen immer mehr Menschen für rund einen Dollar oder Euro einzelne Songs, die ihnen gefallen, statt gleich komplette Alben. Neben dem breiten Gratis-Angebot an kopierter Musik im Internet gilt das als ein zentraler Grund für den massiven Umsatzrückgang in der Industrie in den vergangenen Jahren. Insgesamt luden die Amerikaner im vergangenen Jahr 1,27 Milliarden Einzeltitel herunter, ein Plus von 8,5 Prozent.

Obwohl alle von der Krise der Musikbranche sprechen, erschienen in den USA auch 2011 wieder mehr neue Alben - 76 875 nach 75 159 im Jahr davor. Auch der Schallplatte geht es in ihrer Nische erstaunlich gut: Der Absatz stieg um 36,3 Prozent auf 3,9 Millionen Vinyl-Scheiben.

Der Branchenführer Universal Music konnte seine Spitzenposition verteidigen. Bei Alben etwa lag der Marktanteil bei 29,85 Prozent, auch wenn Sony Music auf 29,29 Prozent aufholte.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer