Seit Dezember ist auch der Stellenmarkt von der Flaute betroffen.

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, sieht harten Zeiten entgegen.
Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, sieht harten Zeiten entgegen.

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, sieht harten Zeiten entgegen.

dpa

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, sieht harten Zeiten entgegen.

Nürnberg. Monatelang hatte sich der deutsche Arbeitsmarkt als krisenresistent erwiesen und mit immer neuen Tiefständen geglänzt - seit Dezember aber bleibt auch Optimisten nur das Eingeständnis: Die Wirtschaftskrise hat auch den Stellenmarkt erreicht. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) richtet sich auf härtere Zeiten ein.

Denn die von den örtlichen Arbeitsagenturen aufgefangenen Unternehmens-Signale sind eindeutig: Leere Auftragsbücher werden die Firmen über kurz oder lang zum Job-Abbau zwingen. Derzeit versuchen noch viele Firmenchefs, die sich abzeichnende Krise mit bordeigenen Mitteln aufzufangen.

Kurzarbeit kostet die Bundesagentur Milliarden

Vor allem mit ihrer Strategie, mittels Kurzarbeit gute Mitarbeiter bis zum Wiederanspringen des Konjunkturmotors im Jahr 2010 im Betrieb zu halten, liegen Firmen ganz auf der Linie der Bundesregierung. Mit der Verlängerung der Kurzarbeit-Regelung auf eine Dauer von 18 Monaten hat sie dieses Instrument in nie dagewesener Weise ausgedehnt - allerdings mit unabsehbaren finanziellen Folgen für die Bundesagentur.

Die in 2009 für Kurzarbeiter eingeplanten 300Millionen Euro dürften nach einer ersten Schätzung von BA-Chef Frank-Jürgen Weise wohl kaum ausreichen. Einen Bedarf von einer Milliarde Euro hält der Behördenchef für möglich.

Noch ist die Bundesagentur für solche Sonderbelastungen gewappnet. Hat die Behörde doch in den vergangenen vier Jahren des Job-Booms eingesparte Milliarden-Beträge in die Rücklagen verfrachtet. Inzwischen stehen 17 Milliarden Euro für Notzeiten bereit. Die könnten allerdings nach Befürchtungen von Konjunkturforschern rasch aufgebraucht sein.

NRW Allein im November und Dezember haben in NRW 3920 Firmen für 111 300 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Hier die Zahlen aus unserer Region:

DüsseldorfDie Arbeitsagentur kann die Zahl der Kurzarbeiter nur schätzen. Denn die Unternehmen haben drei Monate Zeit, die Lohnabrechnungen einzureichen. Geschätzt wird, dass im Bezirk Düsseldorf (mit Ratingen, Mettmann, Erkrath, Hilden, Haan, Langenfeld und Monheim) zurzeit mehr als 50 Unternehmen mit rund 2500 Arbeitnehmern kurzarbeiten.

Solingen In Solingen arbeiten 53 Betriebe weniger als üblich. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Jahresmittel: 2008 hatten im Schnitt 12 bis 14 Firmen Kurzarbeit angemeldet. Weitere 45 Firmen wollen nach Auskunft der Arbeitsagentur noch im Januar ebenfalls kurzarbeiten.

Remscheid40 Betriebe haben Ende 2008 Kurzarbeit angemeldet. 35 weitere könnten im Verlauf des Januars dazukommen.

KrefeldZurzeit haben 90 Betriebe in Krefeld und dem Kreis Viersen Kurzarbeit angemeldet. Betroffen sind 2500 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Ende 2007 waren es nur 80 Mitarbeiter, für die Kurzarbeit galt.

Mönchengladbach Im Dezember 2008 waren im Bezirk Mönchengladbach, zu dem auch der Rhein-Kreis Neuss zählt, 924 Kurzarbeiter gemeldet.

Wuppertal Im Bezirk Wuppertal (mit Wülfrath, Heiligenhaus und Velbert) machen 5800 Menschen Kurzarbeit. Für 1500 davon begann die Kurzarbeit im laufenden Monat. Zum Vergleich: Im Vorjahresmonat machten nicht einmal 240 Menschen Kurzarbeit.

Burscheid Beim Kolbenringhersteller Federal-Mogul, dem größten Arbeitgeber der Stadt, geht die Kurzarbeit auch im neuen Jahr weiter. An zehn Tagen ruht die Produktion weitgehend.

Denn schon für 2009 kalkuliert die BA-Führung mit einem Defizit von mehr als fünf Milliarden Euro. Je nachdem, wie sehr die Arbeitslosenzahlen im Jahr 2010 in die Höhe schnellen, könnten weitere fünf bis zehn Milliarden Euro Verluste auflaufen. Damit wäre die BA-Reserve binnen zwei Jahren nahezu aufgezehrt - eine Erhöhung der Arbeitslosenbeiträge damit unabdingbar.

Aber genau das möchte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) offensichtlich verhindern. Für ihn dürfe der erst zum Jahreswechsel von 3,3 auf 2,8 Prozent gesenkte Beitragssatz trotz Konjunk-turkrise nicht wieder steigen, betonte er. Dies müsse Unternehmen und Beschäftigten garantiert werden.

Die erheblichen finanziellen Reserven der Bundesagentur für Arbeit sollten "mit aller Wucht" genutzt werden, um die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu entspannen, sagte Scholz.

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