Untersuchung: Betrug, Untreue, Diebstahl, Fälschung, Korruption - Mittelständische Unternehmen werden häufig zu Opfern.

Düsseldorf. Die Schäden erreichen inzwischen fast schon astronomische Höhen: Auf bis zu 20 Milliarden Euro schätzt die internationale Beratungsfirma KPMG den Gesamtschaden durch Wirtschaftskriminalität im vergangenen Jahr in Deutschland. Zum Vergleich: Der Gesamthaushalt 2009 des bevölkerungsreichsten Bundeslandes NRW beträgt 52,7 Milliarden.

Nach einer bei Emnid in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung von 300 großen und mittelständischen Firmen wurde im vergangenen Jahr mehr als jedes dritte Unternehmen (37Prozent) Opfer von Kriminellen. Vor drei Jahren war es nur jede vierte Firma (26 Prozent). Betrug von Mitarbeitern sei mit 61 Prozent das größte Problem, 57 Prozent der Betriebe beklagten Diebstahl oder Unterschlagung, rund 45 Prozent Untreue.

Frank M. Hülsberg, Leiter des Bereichs Forensik bei KPMG,: "Trotz dieser alarmierenden Ergebnisse unterschätzen vor allem mittelständische Unternehmen noch immer die Gefahr, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden." So wurden laut Umfrage bei jedem dritten mittelständischen Unternehmen Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse verraten oder Schutz- und Urheberrechte verletzt.

Nicht selten etwa gäben verärgerte oder korrupte Mitarbeiter Kalkulationsdaten weiter - und die Firma muss anschließend feststellen, dass sie bei ihren bisherigen Stammkunden stets knapp unterboten wird. Oder ein in der höheren Firmenhierarchie angesiedelter Mitarbeiter reicht komplette Konstruktionspläne an die direkte Konkurrenz oder auch an fernöstliche Plagiatoren weiter.

Auch große Konstruktionspläne passen auf einen USB-Stick

Betroffen sind auch hier vor allem Mittelständler. Dort seien Mitarbeiter in zwei von drei Fällen an den Taten beteiligt, bei Großkonzernen dagegen nur in 40 Prozent, sagt Hülsberg. "Wir stellen immer wieder fest, dass Mittelständler sich in einer trügerischen Sicherheit wiegen." Sie setzten zu sehr auf das Prinzip des gegenseitigen Vertrauens und vernachlässigten häufig einfachste Grundsätze wie Funktionstrennung und Vieraugenprinzip. Hülsberg: "Viele Unternehmen verzichten selbst auf die banalste Sicherung ihres geistigen Eigentums. Dabei kann man heute die komplexesten Konstruktionspläne auf einem kleinen USB-Stick aus dem Betrieb tragen."

Hinzu kommt: Laut Studie wächst in der Wirtschaftskrise zudem die Neigung, über die Fälschung von Bilanzen und Finanzdaten die Lage des Unternehmens zu schönen, oder beim Vertrieb Bestechung einzusetzen. So habe die Commerzbank ihren Schaden durch gefälschte Finanzdaten von Kreditnehmern unlängst auf rund 60 MillionenEuro beziffert, erklärt Hülsberg.

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