Industrie, Handel und Handwerk warnen vor zunehmender Akademisierung.

Angehende Metallbauer bei der Arbeit: Das Handwerk wirbt um Lehrlinge.
Angehende Metallbauer bei der Arbeit: Das Handwerk wirbt um Lehrlinge.

Angehende Metallbauer bei der Arbeit: Das Handwerk wirbt um Lehrlinge.

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dpa, Bild 1 von 2

Angehende Metallbauer bei der Arbeit: Das Handwerk wirbt um Lehrlinge.

Düsseldorf. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, warnt vor einer „Akademisierung“ der Gesellschaft. Jahrelange Forderungen nach einer Erhöhung der Studierendenquote hätten dazu geführt, „dass Hörsäle aus allen Nähten platzen, während Unternehmen händeringend Azubis suchen“, sagte er den „Ruhr Nachrichten“. Dem Wirtschaftsstandort Deutschland drohe dadurch Schaden.

Bei den in den Industrie- und Handelskammern zusammengeschlossenen Unternehmen wurden 2013 Schweitzers Angaben zufolge 4,5 Prozent weniger Verträge als im Vorjahr abgeschlossen. Wolfgang Schulhoff, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, bestätigt diesen Trend. Den Vorstoß Schweitzers hält er deshalb für „herausragend wichtig“: „Wir brauchen ermunternde Signale für die duale Berufsausbildung.“

DIHK-Präsident warnt vor höherer Arbeitslosigkeit

Eine weitere ungebremste Akademisierung könne sogar zu höherer Arbeitslosigkeit führen, wenn bestimmte Qualifizierungsprofile am Arbeitsmarkt nicht gefragt seien, warnt DIHK-Chef Eric Schweitzer.

„Wir dürfen Lehre und Studium nicht gegeneinander ausspielen. Jeder, der studieren kann und will, soll auch die Chance dazu haben“, reagierte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) gegenüber unserer Zeitung.

Das Statistische Bundesamt verzeichnete im vergangenen Jahr eine Zunahme der Studienanfänger um zwei Prozent auf 506 600 – nur 2011 gab es mehr. Gleichzeitig ist die Zahl der Abbrecher hoch: Die Quote liegt in den Bachelor-Studiengängen bei 28 Prozent, an den Maschinenbau-Fakultäten wirft jeder Zweite hin. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will Studienabbrechern künftig mit einem bundesweiten Konzept Berufschancen im Handwerk eröffnen. Am Rhein kann sie sich der Unterstützung sicher sein: „Abbrecher sind bei uns willkommen“, betont Schulhoff.

Deutschlands „Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit“ hänge in hohem Maße von der Facharbeiter- und Meisterausbildung ab, mahnt Schweitzer. Er fordert „Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften“ auf, betriebliche Karrierewege attraktiver zu gestalten und junge Leute davon zu überzeugen, dass sich die duale Ausbildung lohne.

DGB-Vizechefin Elke Hannack kritisiert indes, nur sieben Prozent der Betriebe bildeten überhaupt noch Hauptschüler aus. Fast die Hälfte der Ausbildungsberufe bleibe ihnen mittlerweile faktisch verschlossen. „Wenn sich die Zahl der Ausbildungsplätze im Sinkflug befindet, liegt das nicht am vermeintlichen Akademisierungswahn, sondern an den Betrieben, die sich an eine Bestenauslese gewöhnt haben.“

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