Fast 1,4 Milliarden Euro hat der Windanlagenfinanzierer über Genuss-Scheine eingesammelt. Druck auf Investoren.

Prokon investiert in Windenergie.
Prokon investiert in Windenergie.

Prokon investiert in Windenergie.

dpa

Prokon investiert in Windenergie.

Itzehoe. Zehntausende Kleinanleger müssen um ihr Geld bangen: Der Windanlagenfinanzierer Prokon droht mit der Insolvenz noch in diesem Monat, falls weiteres Kapital aus dem Unternehmen abgezogen wird.

Sollte es „nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten“, schreibt die Geschäftsführung auf der Internetseite des Unternehmens.

Nach Angaben des Unternehmens mit Sitz in Itzehoe (Schleswig-Holstein) gibt es mehr als 75 000 Anleger, die Prokon fast 1,4 Milliarden Euro über Genuss-Scheine anvertraut haben.

Investoren sollen ihr Geld bis Ende Oktober nicht zurückfordern

Prokon hatte seine Geldgeber bereits im Dezember aufgefordert, die Zinsen für das zweite Halbjahr 2013 zur Entspannung der Liquiditätslage im Unternehmen zu belassen. „Mit großem Bedauern stellen wir fest, dass aufgrund der seit Monaten andauernden Medienkampagne gegen Prokon nach wie vor zahlreiche Anleger aus Angst vor einem Verlust ihres angelegten Geldes ihre Genuss-Rechte kündigen“, hieß es nun.

Daher sei diese Maßnahme nicht ausreichend. „Somit stehen wir vor einem ernsten Problem.“ Das Unternehmen veröffentlichte auf seiner Internetseite vorformulierte Rückantworten, in denen sich Anleger verpflichten sollen, ihr Geld bis mindestens zum 31. Oktober 2014 nicht zurückzufordern, und auch auf die direkte Auszahlung von Zinsen zu verzichten.

Durch Ausgabe von Genuss-Scheinen kommen Unternehmen an Kapital, der Käufer der Genuss-Rechte erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Im Unterschied zu Anleihen können diese Zahlungen aber auch gestrichen oder verschoben werden, wenn kein Gewinn anfällt. Anders als Aktienbesitzer haben Inhaber von Genuss-Scheinen kein Mitspracherecht im Unternehmen. Geht dieses pleite und wird abgewickelt, so werden Genuss-Scheine erst nach den Forderungen anderer Gläubiger bedient. Es besteht für sie also die Gefahr des Totalverlusts.

Die im Fall Prokon mögliche Planinsolvenz ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Anders als beim Insolvenzverfahren bleibt die Geschäftsführung im Amt, der Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf. Über den beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden die Gläubiger.

Auch danach sollen sie ihre Anlage nur in Raten über zwölf Monate ausbezahlt bekommen. Wer seine Genuss-Rechte zeitnah kündigt, unterschreibt mit dem Formular den Satz: „Eine Insolvenz von Prokon nehme ich bewusst in Kauf.“

Anlegerschützer kritisieren das Vorgehen von Prokon

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert: „Auf die Anleger wirken die aktuellen Verlautbarungen schlichtweg wie eine klassische Erpressung“, sagte Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Ein Insolvenzrechtsexperte warnt: „Anlegern, die nicht rechtzeitig ihre Rechte sichern, steht in einem Insolvenzverfahren aufgrund des Nachrangs der Genuss-Rechte nicht einmal eine Insolvenzforderung zur Verfügung“, sagte der Berliner Anwalt Christoph Kaltmeyer.

Das Unternehmen finanziert Windparks. In einer Werbekampagne acht Prozent zugesagt. 2012 hat Prokon nach eigenen Angaben rund 330 Millionen Euro Zinsen ausgeschüttet, gleichzeitig lief ein Verlust von knapp 210 Millionen Euro auf.

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