Rösler
Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat die neue Konjunkturprognose der Bundesregierung vorgelegt. Foto: Wolfgang Kumm

Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat die neue Konjunkturprognose der Bundesregierung vorgelegt. Foto: Wolfgang Kumm

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Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat die neue Konjunkturprognose der Bundesregierung vorgelegt. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin/Washington/Peking (dpa) - Düstere Aussichten für die weltweite Konjunktur - doch die deutsche Wirtschaft steht aus Sicht der Bundesregierung trotz einer Wachstumsdelle robust da.

Während die Weltbank ihre globale Konjunkturprognose für das Jahr 2012 wegen der Euro-Schuldenkrise kräftig zurechtstutzte und vor einer Rezession in der Eurozone und einem Absturz der gesamten Weltwirtschaft warnte, sieht die Bundesregierung Deutschland als Stabilitätsanker.

Nach zwei Boomjahren wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Bundesregierung 2012 zwar nur leicht zulegen. Nach einem Konjunkturplus von 0,7 Prozent in diesem Jahr könnte die deutsche Wirtschaft 2013 nach der Prognose der Bundesregierung aber wieder um 1,6 Prozent anziehen.

«Deutschland steht gut da. Unsere Wirtschaft ist robust», sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Mittwoch bei der Vorlage des Jahreswirtschaftsberichtes in Berlin. «Von Rezession kann überhaupt nicht die Rede sein.» Im Gegenteil: Deutschland habe die Krise weit schneller hinter sich gelassen als andere Industrieländer.

Steigende Beschäftigung, wachsende Einkommen und stabile Preise sind aus Sicht der Bundesregierung maßgeblich dafür verantwortlich, dass die deutsche Wirtschaft auf moderatem Wachstumskurs bleibt und der Euro-Schuldenkrise weiter trotzt.

Im vergangenen Herbst hatte die Bundesregierung für 2012 noch ein Wachstumsplus von einem Prozent erwartet. Die Regierung bleibt mit der jetzt erfolgten leichten Korrektur nach unten dennoch etwas optimistischer als viele Ökonomen.

Trotz der erwarteten Konjunkturabkühlung rechnet die schwarz-gelbe Koalition 2012 mit einem Beschäftigungsrekord. Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr um 220 000 auf 41,3 Millionen Personen steigen. Die Arbeitslosenquote werde von 7,1 auf 6,8 Prozent sinken. Dies sei der niedrigste Wert seit 20 Jahren. 2013 werde mit einem weiteren leichten Rückgang auf 6,7 Prozent gerechnet.

Die Entwicklung wird sich nach Einschätzung der Regierung auch im Geldbeutel der Verbraucher auszahlen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften in diesem Jahr um drei Prozent zulegen, sagte Rösler. Zugleich werde die Preissteigerung mit 1,8 Prozent moderat ausfallen. «Unterm Strich bleibt ein deutliches Plus an Kaufkraft.»

Unterstellt wird bei der Konjunkturprognose allerdings, dass sich die Euro-Staatsschuldenkrise nicht weiter zuspitzt und die Beschlüsse des EU-Dezembergipfels auch umgesetzt werden. «Das größte Risiko (...) ist die Entwicklung auf den Finanzmärkten, insbesondere in der Eurozone», sagte Rösler. Europa müsse zu einer Stabilitätsunion mit klaren und durchsetzbaren Regeln weiter entwickelt werden.

Für die Weltwirtschaft malte die Weltbank ein in ihrem jüngsten Wachstumsausblick ein düsteres Bild. Ein «schwieriges Jahr» habe begonnen, sagte der Chefautor des Berichts, Andrew Burns. «Die Weltwirtschaft ist in eine gefährliche Phase eingetreten.» Sollte sich die Krise verschlimmern, würde sie keine Weltregion verschonen. «Das Wachstum in Industrieländern wie auch aufstrebenden Staaten könnte noch weit stärker abstürzen als während der Krise 2008/09.»

Die Wirtschaft der Eurozone wird der Weltbank-Prognose zufolge in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und dann 2013 wieder leicht um 1,1 Prozent wachsen. Im Juni war noch von einem Eurozonen-Plus von 1,8 Prozent für 2012 die Rede gewesen. Das erwartete globale Wachstum wurde um mehr als einen Prozentpunkt für dieses Jahr gestutzt.

Auch Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien - sonst Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft - müssen satte Abstriche hinnehmen: Für diese Staaten erwartet die Weltbank für 2012 im Schnitt nur noch ein Plus 5,4 Prozent und nächstes Jahr 6 Prozent. Im Juni wurde noch mit jeweils 6,2 und 6,3 Prozent gerechnet.

Zwar seien die unmittelbaren Gefahren durch die Maßnahmen in der Eurozone - etwa durch den Rettungsschirm EFSF und die Interventionen der Europäischen Zentralbank - zunächst gebannt. «Das Risiko eines weit umfangreicheren Einfrierens der Kapitalmärkte und eine globale Krise vom Ausmaß der Lehman-Krise bleibt aber bestehen.»

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