Obdachlose in Hamburg
Das Gespenst der Finanzkrise geht weiter um. Sie ist längst nicht die einzige Gefahr für die Weltwirtschaft. Auf der Risiko-Skala stehen auch die Jugendarbeitslosigkeit und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich weit oben. Foto: Maja Hitij

Das Gespenst der Finanzkrise geht weiter um. Sie ist längst nicht die einzige Gefahr für die Weltwirtschaft. Auf der Risiko-Skala stehen auch die Jugendarbeitslosigkeit und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich weit oben. Foto: Maja Hitij

dpa

Das Gespenst der Finanzkrise geht weiter um. Sie ist längst nicht die einzige Gefahr für die Weltwirtschaft. Auf der Risiko-Skala stehen auch die Jugendarbeitslosigkeit und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich weit oben. Foto: Maja Hitij

London/Washington (dpa) - Die Finanzkrise ist nach Überzeugung führender Wirtschaftsexperten längst nicht überwunden und kann erneut zuschlagen. Dies sei in den nächsten Jahren die größte Gefahr für die Weltwirtschaft, warnt der Welt-Risiko-Bericht 2014.

«Entwickelte Volkswirtschaften sind weiterhin von der Finanzkrise bedroht», heißt es in der Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF), die am Donnerstag in London vorgestellt wurde. Als Gefahren mit potenziell verheerenden Folgen sehen die Experten auch die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern - besonders unter Jugendlichen -, die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie den Klimawandel und den Missbrauch des Internets durch Verbrecher und Spione gesehen.

Von allen Risikoszenarien sei das weitere Anwachsen des Wohlstandsgefälles als unmittelbare Folge der Finanzkrise jene Gefahr, die am wahrscheinlichsten eintreten werde, heißt es in der Studie, zu der mehr als 700 Manager und Wirtschaftswissenschaftler befragt wurden.

Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte vor den Folgen einer zunehmend ungerechteren Verteilung des Wohlstands. Zwar seien die Aussichten für die globale Wirtschaft gut, doch komme die positive Entwicklung meist nur den Reichen zugute. Lagarde beklagte, dass zu wenige neue Arbeitsplätze geschaffen würden und dass Einkommenszuwächse seit 2009 meist nur auf das Konto der Wohlhabenden gegangen seien.

Politiker und Wirtschaftsführer müssten den absehbaren Risiken entschlossener und konzertierter entgegenwirken als bisher, forderte WEF-Präsident Klaus Schwab. Der Bericht soll in der kommenden Woche beim Jahrestreffen des WEF in Davos (22. bis 25. Januar) erörtert werden. Daran nehmen mehr 2500 Persönlichkeiten aus fast 100 Ländern teil - unter ihnen mehr als 40 Staats- und Regierungschefs.

«Wenn die Lenker der Welt die erkennbaren Risiken nicht konsequent angehen, werden diese sich weiter verstärken und zu Konsequenzen führen, die wir kaum noch kontrollieren können», sagte die an der Studie beteiligte WEF-Direktorin Margareta Drzeniek der Nachrichtenagentur dpa. Dabei habe die Privatwirtschaft eine sehr große Verantwortung zu tragen, wozu sie allerdings auch bereit sei.

Besonders schwerwiegend sei das Problem der Jugendarbeitslosigkeit mit mehr als 50 Prozent in Ländern wie Spanien oder Griechenland. «Jugendarbeitslosigkeit in einem solchen Ausmaß ist nicht allein eine Vergeudung menschlichen Kapitals, sondern droht auch, den gesamten wirtschaftlichen Fortschritt zu bremsen», heißt es in der WEF-Studie.

Als «Teufelskreis» bezeichnen die Verfasser den Umgang vieler Staaten mit der Finanzkrise. Nach wie vor würden Regierungen mehr ausgeben, als sie einnehmen. Die Differenz werde durch Staatsanleihen ausgeglichen, also durch das Borgen von immer mehr Geld bei privaten Investoren. «Die Angst, dass ein Land nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu begleichen, kann rasch in eine fatale Spirale führen.»

Als besonders gefährlich werden Staatsschulden der USA in Höhe von mehr als 100 Prozent des Bruttosozialprodukts sowie Japans mit sogar mehr als 230 Prozent bezeichnet. In der Eurozone seien zwar die Staatsschulden weniger hoch. Die Krisengefahr sei aber trotzdem enorm, weil einzelne Euro-Länder bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten «nicht mehr die Option haben, durch eine Abwertung ihrer Währung die notwendigen fiskalen Anpassungen vorzunehmen».

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