Behandlungen durch den Arzt sind jetzt ohne persönlichen Kontakt möglich. Trotzdem bleiben einige rechtliche Hindernisse.

Behandlungen durch den Arzt sind jetzt ohne persönlichen Kontakt möglich. Trotzdem bleiben einige rechtliche Hindernisse.
Telemedizin: Hauterkrankungen werden am Universitätsklinikum in Tübingen per Ferndiagnose bewertet. Auf dieser Basis wird über die weitere Therapie entschieden.

Telemedizin: Hauterkrankungen werden am Universitätsklinikum in Tübingen per Ferndiagnose bewertet. Auf dieser Basis wird über die weitere Therapie entschieden.

dpa

Telemedizin: Hauterkrankungen werden am Universitätsklinikum in Tübingen per Ferndiagnose bewertet. Auf dieser Basis wird über die weitere Therapie entschieden.

Düsseldorf. Ärzte in Deutschland dürfen Patienten jetzt auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt in der Praxis ausschließlich per Telefon, SMS, E-Mail oder Online-Chat behandeln. Der Ärztetag in Erfurt hat den Weg für die Telemedizin geöffnet. Aber was genau bedeutet das? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist Telemedizin?

Bei der Telemedizin beurteilt der Arzt medizinische Befunde, Daten oder Bilder eines Patienten mit Hilfe digitaler Kommunikationswege. Patient und Arzt halten sich an unterschiedlichen Ort auf.

Welchen Nutzen bringt das den Patienten?

In vielen Fällen lassen sich für Patienten Wege und Wartezeiten sparen. Bei einfachen Krankheitsfällen ist eine Behandlung über Bildschirm und Telefon möglich. Auch bei der Nachsorge nach Operationen oder der Überwachung von chronisch Kranken etwa mit Herzschwäche ist die Telemedizin hilfreich.

Was ist jetzt erlaubt?

Bislang waren Fernbehandlungen nur nach einer persönlichen Untersuchung erlaubt. Das gilt nicht mehr. Allerdings muss jeder Mediziner die ärztliche Sorgfalt bei Diagnostik, Beratung, Therapie und Dokumentation auch bei der Telemedizin gewährleisten. Die Landesärztekammern müssen ihre Berufsordnungen entsprechend anpassen. Bis das in ganz Deutschland der Fall ist, können laut Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, bis zu zwei Jahre vergehen.

Öffnet die Telemedizin alle Türen für den Versandhandel?

Nein. Die neue Bundesregierung möchte den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten generell verbieten, weil sie der Meinung ist, nur so ließe sich das Geschäftsmodell klassischer Apotheken wirksam schützen. Dies wäre eine Bremse für die Telemedizin, weil viele Landbewohner, Ältere und Pflegebedürftige den Gang zur Apotheke ebenso mühsam finden wie den zum Arzt.

Sind in der Telemedizin Krankschreibungen möglich?

Zusammen mit dem Briten Amit Khutti hat der Deutsche David Meinertz die Online-Arztpraxis Doktor Ed (DrEd) 2010 gegründet. Sitz der Firma ist London. Seit 2014 arbeitet das Unternehmen profitabel, weil jeder Patient für die Behandlung neun bis 29 Euro überweist. Nach eigenen Angaben hat DrEd inzwischen in Europa zwei Millionen Beratungen und Behandlungen durchgeführt und sieht sich damit als Marktführer. Mehr als 400 000 Patienten kommen aus Deutschland. kostenübernahme Bislang übernehmen die gesetzlichen Kassen in Deutschland die Leistungen von Online-Praxen wie DrEd nicht. „Wir begrüßen die Entscheidung der Bundesärztekammer, den deutschen Gesundheitsmarkt für die telemedizinische Erstbehandlung zu öffnen“, so Meinertz. Es wäre der nächste logische Schritt, wenn die gesetzlichen Kassen die Leistungen erstattten würden. Laut Meinertz ist die Telemedizin in der Lage, ein Drittel aller Arzttermine aufzufangen. Das entlaste die Praxen und helfe gegen überfüllte Wartezimmer.

D.Meinertz: "Der Weg ist frei für mehr Telemedizin"

David Meinertz ist Gründer und Chef von DrEd. Foto: Oliver Hess

Die Ärzte bei DrEd behandeln etwa 30 verschiedene Krankheiten. Das Spektrum reicht von Hauterkrankungen über Erektionsstörungen bis hin zu Haarausfall. Verschrieben werden Medikamente wie Viagra, die Pille oder ein Antibiotikum. Die Arzneien kommen per Versandapotheke, weil europäisches Recht das zulässt.

Nein. Nach erfolgreicher Ferndiagnose können Ärzte den Patienten nicht einfach krankschreiben. Die Arbeitsunfähigkeit kann wie bisher nur nach persönlicher Untersuchung attestiert werden. Alles andere hält die Bundesärztekammer für rechtlich problematisch.

Wie gut ist die Vergütung für die Ärzte?

Aus Sicht der Ärzteschaft leidet die Ausbreitung der Telemedizin an der mageren Vergütung. Die längst gültigen Sätze für Videosprechstunden mit Patienten, die schon länger in Therapie sind, gelten als kaum kostendeckend. Video-Sprechstunden für Kassenpatienten werden deshalb kaum angeboten. Die Ärzte werden nur dann in neue Technik investieren, wenn sich diese Investition auch rechnet.

Wie stehen die gesetzlichen Krankenkassen zur Telemedizin?

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sagte, die Möglichkeiten der Telemedizin müssten so genutzt werden, „dass die Patienten auch wirklich etwas davon haben“. Konkrete Festlegungen, unter welchen Bedingungen Arzthonorare erhöht werden können, gibt es von dem Verband aber noch nicht.

Welche Rolle spielen ausländische Online-Arztportale?

Die Ärztekammer räumt ein, dass kommerzielle Telemedizin-Portale wie Doktor Ed (siehe Kasten) Druck ausüben. Die Bereitschaft der Patienten, bei Bagatellerkrankungen die Hilfe solcher Internet-Ärzte in Anspruch zu nehmen, nimmt zu, obwohl die Leistungen privat bezahlt werden müssen. Mit Doctor on demand (Google) und MDLive (Microsoft) gibt es in den USA erfolgreiche Online-Arztpraxen, die finanzstarke IT-Konzerne im Rücken haben und auch in Europa Geld verdienen möchten. Dem stehen auf dem deutschen Gesundheitsmarkt allerdings zahlreiche Regulierungen entgegen, insbesondere bei der Abrechnung von Leistungen.

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