SinnLeffers und Wehmeyer haben die Wende geschafft. Bei Hertie gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Ausverkauf bei Hertie: Kann die Kette gerettet werden?
Ausverkauf bei Hertie: Kann die Kette gerettet werden?

Ausverkauf bei Hertie: Kann die Kette gerettet werden?

dpa

Ausverkauf bei Hertie: Kann die Kette gerettet werden?

London/Essen. Einst waren sie die Kundenmagneten in den Innenstädten. Doch längst sind die Warenhäuser zu den Sorgenkindern des Einzelhandels geworden: Wehmeyer, SinnLeffers, Hertie - die drei früheren Karstadt-Töchter meldeten im vergangenen Jahr Schlag auf Schlag Insolvenz an.

Bei den schwächelnden Ketten Karstadt und Strauss Innovation haben die Eigner unlängst harte Sanierungspakete geschnürt. Einzig Kaufhof stemmt sich derzeit recht beherzt gegen die Krise. Ein Überblick:

Ein Investor für Hertie?

Ein Investor aus der Schweiz hat Interesse an der insolventen Warenhauskette Hertie und will etwa 40 bis 45 Filialen weiterführen. Das hat sich bei den Gesprächen über die Zukunft von Hertie am Freitag in London ergeben, teilte ein Vertreter des niederländischen Hertie-Haupteigentümers Mercatoria Acquisitions BV (MABV) mit.

Allerdings wolle der Investor nur einsteigen, wenn sich die Einnahmen in den Läden erhöhen ließen und er Unterstützung aus Steuermitteln bekomme. Insolvenzverwalter Biner Bähr habe den Schweizer Investor ins Gespräch gebracht, ohne ihn beim Namen zu nennen. Bei den Gesprächen geht es um 58 Immobilien, die MABV besitzt und an Hertie verpachtet.

In der vergangenen Woche hatte der Insolvenzverwalter bereits die Schließung von 19 Hertie-Häusern angekündigt, darunter die in Erkrath und Mettmann. Sollte bis Ende Februar keine Lösung gefunden werden, sollen auch die restlichen 54 Filialen geschlossen werden. Bei Hertie arbeiten 3400 Mitarbeiter.

SinnLeffers auf gutem Weg

Deutschland gilt als raues Pflaster für Mode und Einzelhandel. Das mussten auch schon diverse ausländische Ketten schmerzvoll erfahren. Die in den USA erfolgreiche Modekette Gap etwa verließ 2004 wegen mangelnden Erfolgs sang- und klanglos den deutschen Markt.

Auch die britische Kette Marks&Spencer hat Deutschland angesichts sinkender Umsätze bereits 2001 fluchtartig wieder verlassen. Betroffen waren damals 271 Mitarbeiter. Marks&Spencer hatte zeitweise auch eine Filiale in Wuppertal.

Die insolvente Textilkette SinnLeffers sieht sich nach den radikalen Einschnitten auf einem guten Weg. Das Unternehmen, das die Insolvenz in Eigenverwaltung führt, hat fast jede zweite ihrer 47 Filialen geschlossen, darunter auch das Haus in Wuppertal. 900 von 2200 Vollzeitstellen wurden gestrichen. Inzwischen sind fast alle verbliebenen Häuser auf ein neues Konzept umgestellt worden, das sich an jüngere, zahlungskräftigere Kunden richtet.

Bei Umsatz und Ergebnis liegt SinnLeffers derzeit nach Aussage eines Sprechers fünf Prozent über Plan. "Wir rechnen in diesem Jahr mit positiven Ergebnissen." Im März werden die Gläubiger endgültig über den Fortbestand des Unternehmens entscheiden. Dann müssen sie über die Insolvenzquoten abstimmen.

Neues Konzept bei Wehmeyer

Im November hat der indische Textilunternehmer Rajive Ranjan (45) 23 Häuser und 500 Mitarbeiter der insolventen früheren Karstadt-Tochter übernommen. Insolvenzverwalter Frank Kebekus hatte zuvor 16 Filialen geschlossen. Sukzessive werden die Häuser für einen zweistelligen Millionenbetrag auf ein neues Konzept umgestellt. Die Kinderabteilungen wurden bereits geschlossen, der Anteil der Eigenmarken soll von 50 auf 60 Prozent erhöht werden. Die restlichen 40 Prozent des Angebots machen Marken wie Gerry Weber, Esprit und Street One aus.

Bis Ende April soll an allen Filialen zudem das neue orange-farbene Wehmeyer-Logo prangen, kündigte Geschäftsführer Serge Brugger, früher Einkaufschef bei C&A, an. Der Plan, vor allem in kleineren Städten der "Platzhirsch" zu sein, gehe auf, sagte der Geschäftsführer.

Sanierung bei Strauss Innovation

Das Langenfelder Unternehmen kündigte in dieser Woche die Streichung von 235 der 1400 Vollzeitstellen an und schloss dabei betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Die Umsatz- und Ertragslage sei "schwierig", hieß es. Von den knapp 100 Filialen sollen bis zu fünf geschlossen werden.

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