Einer Studie zufolge haben die Deutschen den Volkssport wieder neu entdeckt.

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Die Natur genießen und sich dabei bewegen: Zwei Wanderer in ihrem Element.

Die Natur genießen und sich dabei bewegen: Zwei Wanderer in ihrem Element.

dpa

Die Natur genießen und sich dabei bewegen: Zwei Wanderer in ihrem Element.

Berlin. Bommelmütze, Butterbrote, Blasen an den Füßen - gestern war Wandern piefig, heute ist es schick. Nicht nur im Sauerland zeigt sich der Wandel: Unterwegs sein wollen heute fast alle - die Jungen und die Alten, die Traditionalisten mit den Wanderstöcken und die Trendjäger mit den GPS-Geräten.

Wandern ist der stille Riese des Freizeitmarkts: Rund 40 Millionen Deutsche machen sich mindestens einmal im Jahr auf Wanderschaft. und geben dabei 11,2 Milliarden Euro aus (7,5 Milliarden Euro für das Wandern, 3,5 Milliarden für Kleidung). Allein in den Regionen schafft dies 144 000 Arbeitsplätze. Durchschnittlich zweieinhalb Stunden sind die meisten unterwegs. Was früher als längerer Spaziergang galt, ist damit heute schon eine "Tour" - und nur Wanderpuristen rümpfen deswegen die Nase.

Erstmals liegen umfassende Daten zum Wandern vor

"Das Wandern ist szeniger geworden", sagt auch Thomas Weber, Chef-Touristiker des Sauerlands. Sich im Gelände zu bewegen ist heute Ausdruck eines individualistischen Lebensstils, heftig befeuert durch die boomende Outdoor-Branche.

Zum ersten Mal liegen jetzt umfassende Daten zum Deutschen Wandermarkt vor. Touristiker der Uni Trier haben im Auftrag des Deutschen Wanderverbandes die Bundesbürger nach ihren Verhaltensweisen, Erfahrungen und Vorlieben gefragt. Am Freitag wurden die ersten Ergebnisse auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) vorgestellt. Das wichtigste: Wandern macht glücklich. 90 Prozent der Wanderer fühlen sich nach der Wanderung "insgesamt besser". Drei von vier beschreiben sich als "seelisch ausgeglichener", fast jeder zweite fühlt sich "geistig fitter".

Tagestouren in der Nähe des Wohnortes sind beliebt

Dabei sind die wenigsten Menschen länger als zwei, drei Stunden unterwegs: Spazieren gehen und Wandern unterscheiden sich im Alltag weniger durch die Länge des Weges als durch Vorbereitung und innere Einstellung. Kurz: Auf einen Spaziergang nimmt man keine Butterbrote mit. Dabei entscheidet sich die Mehrheit für Tagestouren in der Nähe ihres Wohnortes.

Wanderer orientieren sich lieber per Karte als per GPS. Solche modernen Hilfsmittel spielen noch kaum eine Rolle, zeigt eine repräsentative Studie des Deutschen Wanderverbands. Danach nutzt rund ein Drittel (32 Prozent) der Wanderer eine Karte, jeder Zehnte setzt auf Wander- oder Reiseführer. Dagegen gaben nur drei Prozent an, ein GPS-Gerät zu benutzen, zwei Prozent einen Tourenplaner aus dem Internet, jeweils ein Prozent eine elektronische Karte oder Google Earth,

Insgesamt machen die Deutschen laut Studie rund 370 Millionen Tageswanderungen pro Jahr. Aber es gibt regionale Unterschiede: Thüringer und Sachsen wandern viel, in Schleswig-Holstein wird eher wenig gewandert, die Menschen an Rhein und Ruhr liegen wie so oft im Mittelfeld. Bei Wanderzielen für Tagesausflügler liegt Nordrhein-Westfalen allerdings nach Bayern und Baden-Württemberg bereits an dritter Stelle.

Wichtig für die Touristiker: Jeder zweite macht sich ohne Karte, Kompass oder GPS-Gerät auf den Weg. Die Mehrheit der Deutschen sucht nicht den nächsten Kick, sondern den freien Blick, sie will sich beim Wandern nicht künstlich anstrengen, sondern ausruhen.

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