Wolfsburger wollen Andreas Renschler zum Nutzfahrzeug-Chef machen. Stuttgarter verweisen auf Sperrklausel.

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Nutzfahrzeug-Experte Andreas Renschler wird umworben.

Nutzfahrzeug-Experte Andreas Renschler wird umworben.

dpa

Nutzfahrzeug-Experte Andreas Renschler wird umworben.

Wolfsburg. Es wäre ein Coup für Volkswagen – und einer der spektakulärsten Wechsel in der deutschen Autobranche. Der Wolfsburger Konzern will offenbar den scheidenden Daimler-Manager Andreas Renschler so schnell wie möglich zum Nutzfahrzeug-Vorstand machen. Auf diesem Gebiet gilt der Daimler-Mann als Kompetenz. Daimler und VW kommentieren den Wechsel nicht.

Renschler solle sich um die Verzahnung des konzernweiten Nutzfahrzeuggeschäfts kümmern, das seit Herbst 2012 in den Händen des früheren Chefs der schwedischen VW-Tochter Scania, Leif Östling, liegt, hieß es aus informierten Kreisen. Östling ist 68 Jahre alt, Renschler 55.

Vor allem Volkswagen hat sich in der Vergangenheit mit solchen Wechseln hervorgetan. 1993 lockten die Wolfsburger den GM-Manager José Ignacio López, 2000 kam Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder und 2005 Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard, der allerdings längst wieder in Stuttgart weilt.

Bernd Pischetsrieder schaffte einen ähnlichen Sprung von BMW zu VW

Dennoch: „Auf der Topebene sind solche Wechsel in der Autobranche eher ungewöhnlich“, sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Während bei Volkswagen in den vergangenen Jahren immer wieder Spitzenkräfte von außen geholt werden, bemühte man sich bei Daimler und BMW eher um Nachwuchs aus den eigenen Reihen.

In anderen Branchen sind Wechsel zur Konkurrenz üblicher. Vor allem die Tech-Welt ist durchlässiger. So konnte die Google-Managerin Marissa Mayer 2012 ohne Probleme Yahoo-Chefin werden. Mark Hurd wurde 2010 beim Softwarekonzern Oracle für einen Spitzenposten angeheuert, nur einen Monat, nachdem er beim IT-Konzern Hewlett-Packard über eine Liaison gestolpert war. Und der geschasste SAP-Chef Léo Apotheker bekam 2010 eine zweite Chance bei Hewlett-Packard.

Einen ähnlichen Sprung schaffte in der deutschen Autobranche nur Bernd Pischetsrieder, der 1999 bei BMW wegen des Debakels um die kostspielige Rover-Übernahme in Ungnade fiel, zu Volkswagen geholt wurde und 2002 den Chefsessel von VW-Patriarch Ferdinand Piëch übernahm. Im Laufe der Zeit verlor Pischetsrieder jedoch Piëchs Rückendeckung. 2006 musste er bei VW seinen Hut nehmen.

Der Wechsel Renschlers dürfte allerdings noch nicht in trockenen Tüchern sein. Ein Daimler-Sprecher bestätigte, dass es in Renschlers Vertrag eine Wettbewerbsklausel gebe, die ihm einen Wechsel für eine bestimmte Zeit verbiete. Daimler ist Weltmarktführer bei den schweren und mittelschweren Lastern, doch auch VW mischt auf diesem Gebiet mit seinen Marken MAN und Scania mit.

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