Fluglinien: Die Sperrung der Lufträume in Europa verursacht Milliardenkosten. Allein die Lufthansa verliert täglich 25 Millionen Euro.

wza_1500x927_661723.jpeg
Verwaist ist ein Fernrohr auf der Besucherterrasse am Sonntag nachmittag am Flughafen Düsseldorf. Es gibt weder Starts noch Landungen zu sehen.

Verwaist ist ein Fernrohr auf der Besucherterrasse am Sonntag nachmittag am Flughafen Düsseldorf. Es gibt weder Starts noch Landungen zu sehen.

dpa

Verwaist ist ein Fernrohr auf der Besucherterrasse am Sonntag nachmittag am Flughafen Düsseldorf. Es gibt weder Starts noch Landungen zu sehen.

Oslo/Düsseldorf. Die Fluggesellschaft SAS will von Montag an 2500 Beschäftigte in Norwegen ohne Lohn freistellen. Der Flugverkehr über Skandinavien ist wegen der Vulkanasche aus Island seit Donnerstag komplett eingestellt.

Wie die finanziell angeschlagene SAS am Samstag mitteilte, sind entsprechende Ankündigungen an die Betroffenen des Bodenpersonals in Norwegen übermittelt worden. Weiter hieß es, auch das Konkurrenzunternehmen Norwegian bereite ähnliche Maßnahmen vor.

Freistellungen sind bei Lufthansa und Air Berlin kein Thema

Ein Air-Berlin-Sprecher sagte dagegen, es gebe keine derartigen Pläne. "Das ist kein Beispiel für uns", sagte er. Air Berlin habe in den vergangenen Monaten auch keine Kurzarbeit beantragt. Kein Thema sind Freistellungen auch bei der Deutschen Lufthansa, Germanwings oder Tuifly.

Die genauen Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf Island auf die Wirtschaft und die Kosten sind noch nicht bekannt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet aber, dass die mit der Aschewolke verbundenen Ausfälle und Verzögerungen der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung einen Dämpfer verpassen. Die Luftverkehrsbranche habe durch den monatelang schwelenden Tarifkonflikt bei den Piloten ohnehin keinen guten Start in das neue Jahr gehabt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Rheinpfalz am Sonntag". Hinzu komme die zeitweilige Schließung der Flughäfen.

Flughafen Düsseldorf verliert täglich eine runde Million Euro

Besonders betroffen vom Flugverbot ist der Flughafen Frankfurt, mit normalerweise 160000 Reisenden täglich größter Airport in Deutschland und drittgrößter in Europa. "Die Flugausfälle kosten uns zwei bis drei Millionen Euro am Tag", sagte Flughafen-Chef Stefan Schulte der "Bild"-Zeitung. Aber auch Düsseldorf kommen die Einschränkungen teuer zu stehen, mit bis zu 70000 Passagieren pro Tag die Nummer drei in Deutschland. Bei knapp 400 Millionen Euro Jahresumsatz dürfte täglich rund eine Million Euro verloren gehen. Die etwa 17500 Menschen, die der Flughafen beschäftigt, müssen eine Zwangspause einlegen.

Die Wolke aus Vulkanasche über Europa trifft auch die Organisatoren der Hannover Messe. Mitarbeiter der ausstellenden Firmen sind wegen des Flugverbots bei der Anreise auf Autos, Busse und Züge ausgewichen. Besucher der Industrieschau müssen sich in den kommenden Tagen auf volle Züge einstellen. Trotz der Widrigkeiten soll nach Angaben der Deutschen Messe AG aber der größte Teil der Stände pünktlich aufgebaut sein.

Mitarbeiter der Messe kümmerten sich darum, die letzten Aussteller mit mehr als einem Dutzend Bussen nach Hannover zu holen. So waren u.a. drei Busse mit 150 Menschen aus der Türkei auf dem Weg nach Hannover. Zwei weitere Busse wurden nach Mailand geschickt, wo sich die italienischen Aussteller sammelten. Aussteller aus Spanien waren in einem Autokorso unterwegs nach Niedersachsen. Aus Skandinavien reisten die Aussteller ebenfalls mit dem Auto an, französische Firmenvertreter fuhren mit dem Zug. Von der Messe AG engagiertes Personal soll einen Teil der Stände besetzen, deren Mitarbeiter nicht rechtzeitig eintreffen.

Auch bei der Anreise der Messebesucher sorgt das Flugverbot für Schwierigkeiten. Reisende müssen sich nach Angaben eines Bahn- Sprechers auf volle Züge einstellen. Das Unternehmen setzt bundesweit jeden verfügbaren Zug ein. Nach Angaben der Messe kamen in den vergangenen Jahren 15 Prozent der Besucher per Flugzeug zur Messe.

Teuer wird es auch für die Fluggesellschaften. Die Sperrung der Lufträume in Europa sorgt für Milliardenverluste. Allein die Lufthansa verliert täglich 25 Millionen Euro, British Airways 25 Millionen Pfund.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer