Mehrbelastung wird nach der Steuererklärung zurückerstattet.

Düsseldorf/Berlin. Das deutsche Steuersystem hat schon viele Menschen überfordert: Bürger bei der Steuererklärung und Politiker bei Reformen. Am Montag verstanden auch die Experten vom Bund der Steuerzahler die Welt nicht mehr. Nach langem Gerede über Steuerentlastungen sollen viele Arbeitnehmer im kommenden Jahr nun zunächst mehr Lohnsteuer zahlen.

Am heftigsten trifft es laut Bund der Steuerzahler (BdSt) verheiratete Arbeitnehmer ohne Kind in der Steuerklasse III. Bei einem Bruttoeinkommen von 2000 Euro im Monat müssen sie knapp 110 Euro mehr Lohnsteuer im Jahr zahlen. Aber auch andere Steuerklassen sind betroffen.

"Im Endeffekt profitiert niemand von der Änderung."

Reiner Holznagel, Geschäftsführer Bund der Steuerzahler

Reiner Holznagel, Geschäftsführer des BdSt, erklärt die Hintergründe: "In der Formel für die Lohnsteuerberechnung hat das Bundesfinanzministerium eine von mehreren sogenannten Günstigerprüfungen gestrichen." Mit dieser konnte man sich seit 2005 nach den günstigeren Konditionen von 2004 besteuern lassen.

Doch niemand muss wirklich mehr Steuern zahlen: Wer 2010 mehr Lohnsteuer bezahlt, erhält die Differenz nach der Einkommenssteuererklärung zurückerstattet. Denn die Finanzämter berücksichtigen die Günstigerprüfung noch. Warum also überhaupt die Änderung?

"Um die Formel zu vereinfachen", sagt Holznagel. "Aber im Endeffekt profitiert niemand davon. Wer eine Steuererklärung macht, bekommt sein Geld zurück und die Finanzämter haben noch mehr Aufwand."

Der Bund der Steuerzahler kritisiert auch, dass hunderttausende Bürger nun gezwungen sind, eine Steuererklärung zu machen. "Obwohl sie das vielleicht gar nicht müssten", sagt BdSt-Expertin Isabelle Klocke. "Es muss doch möglich sein, die Günstigerprüfung in die Steuerberechnung einzuspeisen."

Nach Aussagen der Steuerzahlervereinigung sind die technischen Möglichkeiten durchaus vorhanden. "Wir haben von Computerexperten den Hinweis bekommen, dass es möglich ist, das System zu ändern", sagt Klocke. Der steuerpolitische Sprecher des Bundesfinanzministeriums Oliver Heyder-Rentsch dagegen sagt: "Das war eine verfahrenstechnische Konsequenz und leider nicht anders möglich." Man habe versucht, die Zahl der Betroffenen gering zu halten.

Etliche Arbeitnehmer werden also 2010 erst mehr bezahlen, um den Betrag danach zurückzubekommen. "Für Jemanden, der nur 800 Euro im Monat hat, sind die vier Euro, die er zunächst drauflegt, viel. Und dann muss er monatelang auf die Rückzahlung warten", sagt Klocke.

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