DGB-Studie sieht keinen Azubi-Mangel / Betriebe sollen Förderung stärker nutzen.

Werkbank mit Werkzeugen
Dem vermeintlichen Azubi-Mangel stehen laut DGB-Studie im letzten Jahr knapp 300.000 Jugendliche gegenüber, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. (Symbolbild)

Dem vermeintlichen Azubi-Mangel stehen laut DGB-Studie im letzten Jahr knapp 300.000 Jugendliche gegenüber, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. (Symbolbild)

dpa

Dem vermeintlichen Azubi-Mangel stehen laut DGB-Studie im letzten Jahr knapp 300.000 Jugendliche gegenüber, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. (Symbolbild)

Berlin. Vielerorts suchen Betriebe händeringend nach Lehrlingen. Einer aktuellen DGB-Studie zufolge, die unserer Redaktion vorliegt, fanden 2016 aber nur knapp zwei Drittel der ernsthaften Bewerber einen Ausbildungsplatz. Was läuft da schief?

Der Untersuchung zufolge gingen im vergangenen Jahr insgesamt 283.281 junge Bewerber bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. Gleichzeitig gab es 520.332 abgeschlossene Lehrverträge. 2016 haben demnach 64,7 Prozent aller Interessenten eine Lehrstelle gefunden. Damit ist diese Quote seit 2013 nahezu unverändert geblieben. "Wenn nur 64,7 Prozent aller interessierten und als 'ausbildungsreif' eingestuften Bewerber einen Ausbildungsplatz finden, kann von einem Azubi-Mangel nicht gesprochen werden", heißt es in der Studie.

Auch viele Jugendliche, die als "versorgt" gelten, würden in Ersatzmaßnahmen wie Praktika, Einstiegsqualifizierungen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen "geparkt". Fast 48 Prozent der rund 270.000 Jugendlichen, die in Maßnahmen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung stecken, haben laut DGB-Studie nur einen Hauptschulabschluss. Rund 27 Prozent verfügen über einen mittleren Abschluss.

Unternehmen und Wirtschaftsverbände machen in erster Linie ein unzureichendes Bildungsniveau der Bewerber für die Vielzahl unbesetzter Lehrstellen verantwortlich. Zugleich gibt es Berufszweige, die Jugendlichen offenbar wenig attraktiv erscheinen. Das betrifft zum Beispiel das Bäckerhandwerk und die Hotellerie. "Frühes Aufstehen, Schichtdienst oder harte Arbeit schrecken ab", heißt es etwa bei der Berliner Industrie- und Handelskammer.

Dagegen argumentierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack: "Nach wie vor gilt: Wer schlechte Ausbildungsbedingungen bietet, darf sich über ausbleibende Bewerbungen nicht wundern". Bewerber fehlten gerade dort, wo die Ausbildungsvergütung mies sei, so Hannack im Gespräch mit unserer Redaktion.

Als Beispiele nannte sie das Lebensmittelhandwerk sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Zugleich verlangte Hannack, dass auch wieder junge Menschen mit Hauptschulabschluss eine Ausbildungschance bekommen müssten. Untersuchungen der IHK-Lehrstellenbörsen zeigten, dass fast zwei von drei der dort angebotenen Ausbildungsplätze den mittleren Schulabschluss als Mindestvoraussetzung hätten, bemängelte Hannack.

Im Rahmen der so genannten Allianz für Aus- und Weiterbildung hatten sich Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften darauf verständigt, die "Assistierte Ausbildung" deutliche zu erweitern. Dabei bekommen Lehrlinge mit zusätzlichem Förderbedarf einen Ausbildungsbegleiter an die Seite gestellt, der von der Bundesagentur für Arbeit (BA) finanziert wird. Zwischen Januar und September 2016 haben aber nur 9.900 Jugendliche davon profitiert.

Von den 145 Millionen Euro, die die BA dafür im gesamten Vorjahr veranschlagt hatte, flossen bis September daher auch nur 35 Millionen ab. "Offenbar ist dieses Förderinstrument in den Unternehmen noch nicht so bekannt", erklärte ein BA-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

DGB-Vize Hannack appellierte an die Unternehmen, diese neue Hilfe besser zu nutzen. Auch sei es ein unhaltbarer Zustand, dass überhaupt nur noch jedes fünfte Unternehmen ausbilde. Um die Ausbildungschancen Jugendlicher deutlich zu verbessern, müsse der Anteil der abgeschlossen Lehrverträge gemessen an den Interessenten bei 75 statt wie zuletzt bei 64,7 Prozent liegen. Rein rechnerisch wären dafür im vergangenen Jahr gut 602.000 Ausbildungsverträge notwendig gewesen - fast 83.000 mehr, als tatsächlich abgeschlossen wurden.

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