Chemieparkbetreiber legt Bericht zur Akzeptanz vor. Wirtschaftsminister Duin gefällt das.

Chemieparkbetreiber legt Bericht zur Akzeptanz vor. Wirtschaftsminister Duin gefällt das.
Etwa 40 Betriebe sind auf dem Gelände des Chemieparks in Uerdingen angesiedelt. Rund 7000 Menschen haben dort ihren Arbeitsplatz.

Etwa 40 Betriebe sind auf dem Gelände des Chemieparks in Uerdingen angesiedelt. Rund 7000 Menschen haben dort ihren Arbeitsplatz.

Currenta

Etwa 40 Betriebe sind auf dem Gelände des Chemieparks in Uerdingen angesiedelt. Rund 7000 Menschen haben dort ihren Arbeitsplatz.

Düsseldorf. Garrelt Duin sparte nicht mit Lob. „Currenta setzt Maßstäbe auf dem Weg zu mehr Industrieakzeptanz“, sagte der NRW-Wirtschaftsminister und SPD-Mann am Montag in Düsseldorf.

Anlass für die wohlwollende Beurteilung bot eine Befragung, die der Chemieparkbetreiber Currenta beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben hatte. Das Ziel: Herausfinden, welche Einstellung Nachbarn sowie politische und gesellschaftliche Vertreter gegenüber Currenta und den Chemie-Standorten haben. Ergebnis: Das Unternehmen macht fast alles richtig.

CO-Pipeline als Beispiel für „misslungene Kommunikation“

Auf Nachfrage räumte Duin ein, dass das nicht immer so war. Beispiel: Die seit Jahren höchst umstrittene Kohlenstoffmonoxid-Leitung (CO-Pipeline) zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen (siehe Info-Kasten). Betreiber war der Bayer-Konzern, der mit 60 Prozent bei Currenta die Mehrheit hält. Nachdem Bayer die Kunststoffsparte inzwischen ausgelagert hat, liegt das Projekt in der Hand von Covestro.

„Die CO-Pipeline ist sicher ein Beispiel für misslungene Kommunikation“, sagte Duin. Es habe an Transparenz gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit gefehlt. „Da würden die Beteiligten heute vieles anders machen“, so der Minister.

Für die Umfrage und den daraus folgenden Akzeptanzbericht hatte Currenta im Sommer 2015 an seinen drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Uerdingen rund 900 Bürger telefonisch befragen lassen. Zusätzlich nahmen knapp 300 Meinungsmacher auf Standort- und Landesebene an einer Online-Befragung teil. Die fünf wichtigsten Akzeptanz fördernden Faktoren sind demnach Verantwortung für die Umwelt, Gewährleistung der Sicherheit, Ausbildungsmöglichkeiten, attraktive Arbeitsplätze sowie Transparenz und Offenheit.

CO-PIPELINE Seit Dezember 2009 ruht sie im Boden zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen: die CO-Pipeline der ehemaligen Kunststoff-Sparte von Bayer, die jetzt Covestro heißt. Ob das 2006 vom Landtag NRW verabschiedete Rohrleitungesetz rechtswidrig ist, muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Wann dies geschieht, ist unklar.

ENTEIGNUNGEN Mit dem Gesetz wurden Privatenteignungen entlang der Trasse möglich gemacht. Sollte das Verfassungsgericht dafür grünes Licht geben, geht der Fall zurück zum Oberverwaltungsgericht Münster. Dort geht es dann wieder um Klagen, die die Sicherheit und Trassenführung betreffen.

CHEMIEPARK UERDINGEN Etwa 40 Betriebe sind im Chemiepark-Uerdingen zu Hause. Sie beschäftigen zusammen rund 7000 Mitarbeiter. Zu den Firmen gehört auch Covestro. Das Unternehmen braucht das Kohlenstoffmonoxid aus Dormagen, weil die CO-Herstellung in Uerdingen angeblich zu teuer ist.

KRAFTWERK
Um die Firmen im Chemiepark langfristig mit Strom und Dampf zu versorgen, wird seit Jahren ein Gaskraftwerk geplant. Weil sich das aber wegen niedriger Strompreise nicht mehr rechnet, steht das Projekt auf der Kippe. Currenta modernisiert deshalb die eigenen Kesselanlagen. Dieser Weg gilt aber nur als zweitbeste Lösung.

Insbesondere seine Rolle als Arbeitgeber und Ausbilder erfüllt der Chemiepark nach Meinung der Befragten in besonderem Maße. Jeweils mehr als 80 Prozent erteilen Currenta beste Noten. Deutlich geringer fällt die vorbehaltlose Zustimmung bei den Themen Umwelt und Sicherheit aus. „Hier gibt es einen Nachholbedarf“, sagte Currenta-Chef Günter Hilken. „Der Dialog auf Augenhöhe mit den Bürgern und mit Entscheidern im Umfeld unserer Standorte ist uns wichtig“, so Hilken. „Wir wollen mehr als nur geduldet werden. Wir wollen auch gewollt sein.“

Laut Duin hat Currenta mit dem Akzeptanzbericht Neuland betreten. Er hoffe, dass andere Unternehmen diesem Beispiel folgen. Gesetzliche Vorgaben dafür werde es aber nicht geben. „Politik, Verwaltung und Unternehmen haben verstanden, dass sie den Menschen ihr Tun verständlich erklären müssen“, so Duin.

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