Der britische Investmentfonds Centaurus unterstützt den spanischen Angreifer ACS.

wza_1500x758_755224.jpeg
Hochtief ist auf verschiedenen Gebieten tätig: Der Konzern baute etwa die Ostbrücke über den Großen Belt...

Hochtief ist auf verschiedenen Gebieten tätig: Der Konzern baute etwa die Ostbrücke über den Großen Belt...

Hochtief ist auf verschiedenen Gebieten tätig: Der Konzern baute etwa die Ostbrücke über den Großen Belt...

Essen. Nächster Schachzug im erbitterten Kampf um den Baukonzern Hochtief: Der spanische Angreifer ACS hat überraschend Unterstützung von einem Hochtief-Aktionär erhalten.

In einem Interview in der "Financial Times" rief der Manager des britischen Investmentfonds Centaurus Capital, Patrick Bierbaum, die Hochtief-Führung auf, die Waffen zu strecken.

Aktionär wirft Hochtief-Führung die niedrige Bewertung vor

"Versucht die Hochtief-Führung, durch weitere Giftpillen Wert zu vernichten, treibt sie dadurch nur noch mehr Aktionäre in die Arme von ACS", wurde Centaurus-Manager Bierbaum zitiert. Er warf dem Baukonzern vor, an der Börse unter Wert gehandelt zu werden.

Der Hochtief-Führung sei es nicht gelungen, "diese Lücke in der Bewertung zu schließen", kritisierte Bierbaum. Wie viele Anteile Centaurus Capital an dem Baukonzern hält, wollte er nicht sagen. Nach Angaben von Hochtief liegt der Anteil des Hedgefonds bei weniger als drei Prozent.

Der Konzern kritisierte den Vorstoß. Eine Hochtief-Sprecherin verwies auf "sehr positive" Reaktionen aus dem übrigen Aktionärskreis auf die bisherige Strategie des Unternehmens. Auf die Übernahme-Ankündigung von ACS hatte Hochtief mit heftigem Widerstand reagiert, die Belegschaft fürchtet einen massiven Personalabbau.

Im Poker um Hochtief ist auch die australische Börsenaufsicht Asic am Zug. Hochtief hofft, dass Asic den Angreifer ACS zum Übernahmeangebot für die wertvolle Hochtief-Tochter Leighton zwingt - dies hatten die Essener beantragt. "Giftpille" heißt der Schachzug im Börsianer-Deutsch.

Ein Angebot für Leighton könnte die verschuldeten Spanier in die Knie zwingen. Leighton ist nämlich ein Schwergewicht: Es ist mit einem Börsenwert von 10,5 Milliarden Australischen Dollar (7,4 Milliarden Euro) etwa doppelt so viel wert wie Hochtief. Die Essener halten 54,5 Prozent an Leighton.

Die Asic-Regeln besagen, dass ein Investor, der durch Kauf des Mutterkonzerns mehr als 20 Prozent an einer australischen Tochter erlangt, ein volles Übernahmeangebot vorlegen muss. Dies gilt auch, wenn der Investor mit mindestens 20 Prozent am Mutterkonzern beteiligt ist. ACS hält 29,98 Prozent an Hochtief.

Der spanische Baukonzern ACS ist mit einem Anteil von 29,98 Prozent größter Hochtief-Aktionär. Im Streubesitz sind 65,08 Prozent. ACS hatte vor gut drei Wochen angekündigt, seinen Anteil zunächst auf über 30 Prozent auszubauen, um die Beteiligung dann über Zukäufe an der Börse auf mehr als 50 Prozent aufzustocken.

Hegdefonds spekulieren auf Zerschlagung des Konzerns

Unter Berufung auf Banker berichtete die Zeitung, dass sich die Aktionärsstruktur bei Hochtief verändert habe: Bis zu 20 Prozent der Aktien würden nun von Hedgefonds gehalten. Sie spekulierten offensichtlich auf eine Ausgliederung der australischen Hochtief-Tochter Leighton, das Filetstück des Konzerns.

Bei deutschen Aktionärsschützern stieß die Haltung des britischen Investmentfonds auf Unverständnis. Es sei nicht auszuschließen, dass spanische Interessen hinter diesen Äußerungen stünden, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Eine ACS-Sprecherin widersprach den Spekulationen.

Das Land NRW plant keine Hilfen für den Bau-Riesen

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) appellierte im Ringen um eine Übernahme des Baukonzerns an den Bund, die Löcher im deutschen Übernahmerecht schnellstmöglich zu schließen. Man müsse über kreative Lösungen nachdenken, die trotz der bisherigen, ungenügenden Schutzvorschriften Hochtief bereits heute den Schutz böten, den andere Länder ihren Unternehmen schon seit langem gewährten, sagte der Minister.

Zuvor hatte sich Voigtsberger von Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter in Düsseldorf über die Lage informieren lassen. Eigenen Hilfsbemühungen aus NRW erteilte der Minister jedoch eine Absage.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer