Tognum
Mitarbeiter des Tognum-Tochterunternehmens MTU am Firmenstandort in Friedrichshafen am Bodensee montieren einen Motor.

Mitarbeiter des Tognum-Tochterunternehmens MTU am Firmenstandort in Friedrichshafen am Bodensee montieren einen Motor.

dpa

Mitarbeiter des Tognum-Tochterunternehmens MTU am Firmenstandort in Friedrichshafen am Bodensee montieren einen Motor.

Friedrichshafen/Stuttgart (dpa) - Der Weg zur Übernahme des Motorenbauers Tognum ist für Daimler und Rolls-Royce praktisch frei. Eine am Dienstag offiziell auf 26 Euro je Aktie aufgestockte Offerte bewog Vorstand und Aufsichtsrat des Friedrichshafener Unternehmens dazu, ihren Widerstand aufzugeben.

Die Spitzenmanager signalisierten am Montagabend, ihren eigenen Anteil von rund fünf Prozent in den Deal einbringen zu wollen. Gemeinsam mit dem Anteil von 28,43 Prozent, den Daimler mitbringt, kämen die Bieter so deutlich über die erforderliche Schwelle von 30 Prozent. Damit dürfte dem Deal nichts mehr im Weg stehen.

Tognum werde das von 24 auf 26 Euro je Aktie verbesserte Angebot prüfen und in Kürze eine ausführlichere Stellungnahme abgeben, sagte ein Sprecher. In Branchenkreisen wird damit gerechnet, dass dies frühestens an diesem Mittwoch der Fall sein wird. Erst dann wollen die Mitglieder der Gremien auch endgültig entscheiden, ob sie ihre eigenen Aktien einbringen. «Mit der Anhebung des Preises haben wir dem Management und allen anderen Aktionären die Hand ausgestreckt», hatte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber am Montagabend gesagt.

Der scheidende Tognum-Vorstandschef Volker Heuer hat gut drei Millionen Papiere und profitiert von der Aufstockung mit gut sechs Millionen Euro. Insgesamt würde er rund 79 Millionen Euro bekommen. Der jetzige Finanzvorstand und künftige Tognum-Chef Joachim Coers hat rund 2,3 Millionen Papiere und würde knapp 60 Millionen Euro dafür bekommen. Seit die Übernahmepläne Anfang März bekanntwurden, notieren die Tognum-Papiere über dem alten Angebotspreis von 24 Euro - am Dienstag knapp unter dem neuen Preis von 26 Euro.

Ursprünglich wollten der britische Turbinenbauer und die Schwaben das Angebot nur durchziehen, wenn sie mehr als 50 Prozent der Aktien bekommen. Das Absenken der Schwelle solle das Bekenntnis zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit Tognum unterstreichen, teilten beide Unternehmen mit. Gleichzeitig entziehen sie damit aber auch Spekulanten die Grundlage, die versuchen könnten, den Preis weiter in die Höhe zu treiben.

Die nachgebesserte Offerte, über die die Bieter und Tognum bereits am Wochenende unter Hochdruck verhandelt hatten, bewertet das Friedrichshafener Unternehmen mit gut 3,4 statt bisher 3,2 Milliarden Euro. Daimler und Rolls-Royce bekräftigten, die Standorte und die Mitarbeiter von Tognum halten zu wollen. Ende März arbeiteten 9260 Menschen bei dem Dieselmotorenspezialisten, rund zwei Drittel davon in Deutschland.

Vorstand und Aufsichtsrat des Friedrichshafener Unternehmens hatten die Übernahme zwar von Anfang an grundsätzlich begrüßt, den Preis aber als zu niedrig abgelehnt. Auch bei den übrigen Aktionären war die ursprüngliche Offerte auf wenig Gegenliebe gestoßen. Daimler und Rolls-Royce waren nur wenige Papiere angedient worden. Nun haben die Aktionäre noch bis zum 1. Juni Zeit. Die ursprüngliche Angebotsfrist wäre an diesem Mittwoch um Mitternacht ausgelaufen.

Daimler und Rolls-Royce wollen Tognum zu einem weltweiten Marktführer für Industriemotoren machen. Das Unternehmen war bis Ende 2005 unter dem Namen MTU Friedrichshafen eine Daimler-Tochter. Dann wurde der Spezialist für Motoren etwa für Frachtschiffe, Yachten, Züge und Panzer an den schwedischen Finanzinvestor EQT verkauft. Nach dem Börsengang 2007 stieg Daimler ein Jahr später wieder bei Tognum ein.

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