Der Essener Baukonzern berät am Montag über Abwehrmaßnahmen. Er fordert auch Hilfe der Bundesregierung.

Herbert Lütkestratkötter hat den Fehdehandschuh der Spanier aufgehoben und wehrt sich mit allen Mitteln.
Herbert Lütkestratkötter hat den Fehdehandschuh der Spanier aufgehoben und wehrt sich mit allen Mitteln.

Herbert Lütkestratkötter hat den Fehdehandschuh der Spanier aufgehoben und wehrt sich mit allen Mitteln.

dpa

Herbert Lütkestratkötter hat den Fehdehandschuh der Spanier aufgehoben und wehrt sich mit allen Mitteln.

Essen. Der Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter (60), von seinen Mitarbeitern "Dr. Lü" genannt, gibt sich als westfälischer Dickkopf noch nicht geschlagen und fordert im Kampf gegen die Übernahme durch die spanische ACS jetzt auch Unterstützung durch die Bundesregierung.

berät der Aufsichtsrat des größten deutschen Baukonzern in Essen in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung über Abwehrmaßnahmen gegen den spanischen Baukonzern ACS, der seinen Anteil von 29,98 Prozent auf über 30 Prozent aufstocken und nach und nach die Mehrheit übernehmen will.

Hochtief sieht sich als internationalen Player

"Wir gehen davon aus, dass Berlin ein Interesse daran hat, dass die deutsche Bauindustrie international wettbewerbsfähig bleibt. Hochtief ist der internationale Player in Deutschland", sagte Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter der "Wirtschaftswoche". Außerdem sei der spanische Markt selbst für Bauunternehmen wie Hochtief aus dem Ausland "regelrecht abgeschottet".

"Es wäre schon grotesk, wenn Hochtief von einem spanischen Konzern übernommen würde, der seine Größe unter anderem EU-Steuermitteln - auch aus Deutschland - verdankt", sagte Lütkestratkötter. Der massiv über EU-Mittel finanzierte Infrastrukturausbau in Spanien habe dort "in geschütztem Umfeld" einige Großkonzerne entstehen lassen, die enorme Gewinne erwirtschaftet hätten.

Lütkestratkötter traut den Spaniern nicht über den Weg

Der Hochtief-Chef steht steht der Behauptung des spanischen Baukonzerns ACS, Hochtief zwar mehrheitlich übernehmen zu wollen, aber keinen Beherrschungsvertrag anzustreben, sehr skeptisch gegenüber. Auf die Frage, ob er ACS glaube, antwortete der Manager: "Glauben ist in der Kirche." Es gebe "viele Anfragen von Kunden - geprägt von der Sorge, dass Hochtief eines Tages nicht mehr als zuverlässiger Partner zur Verfügung steht"

Bis zu 20 Prozent neue Aktien kann Hochtief ausgeben, wenn zum Beispiel ein Investor einen Unternehmensteil einbringt und dafür ein Aktienpaket erhält. Auf einem Schlag könnte so ein neuer Investor ein Fünftel an dem Essener Unternehmen erwerben.

Zusammen mit den rund fünf Prozent Aktien, die Hochtief selbst hält, könnte damit sogar die Sperrminorität geknackt werden. Sobald ein Aktionär mehr als 25 Prozent an einem Unternehmen hält, kann er wichtige Strukturmaßnahmen blockieren.

Weitere "Giftpillen" für ACS könnten gezielte Zukäufe etwa in dessen spanischem Mutterland sein, die für ACS zu kartellrechtlichen Problemen führen könnten.

Denkbar sei auch die Herauslösung von "Kronjuwelen" - besonders attraktiven Unternehmensteilen - aus dem Konzern.

Ein Gegenangebot zur Abwehr dürfte für Hochtief nicht besonders attraktiv sein. ACS ist auf dem krisengeschüttelten spanischen Baumarkt tätig und mit gut neun Milliarden Euro verschuldet.

Auch die operativen Kooperationsmöglichkeiten, die ACS als Grund für die Übernahme nennt, sieht Lütkestratkötter nicht. Diese Möglichkeit habe ACS seit drei Jahren fast ungenutzt verstreichen lassen: "Wenn ACS und Hochtief bei Auftragsvergaben hätten kooperieren wollen, wäre das ja leicht möglich gewesen. Es gab aber nur ein einziges gemeinsames Projekt, den Bau einer Mautstraße in Chile aus der Zeit vor 2007, als ACS mit rund 25 Prozent bei Hochtief eingestiegen ist. Danach haben wir kein einziges weiteres Projekt mehr gemeinsam gemacht."

Trotz der Kosten, die Hochtief durch die Abwehr gegen eine ACS-Übernahme entstehen, bestätigte Lütkestratkötter die guten Hochtief-Prognosen für 2010 mit leichten Zunahmen.

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