Lange haben die Börsen dem Sog der Schuldenkrisen widerstanden – doch jetzt gehen die Aktien auf Talfahrt.

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Der deutsche Aktienmarkt stand auch am Mittwoch unter dem Eindruck der Schuldenkrise in den USA – und gab deutlich nach.

Der deutsche Aktienmarkt stand auch am Mittwoch unter dem Eindruck der Schuldenkrise in den USA – und gab deutlich nach.

dpa

Der deutsche Aktienmarkt stand auch am Mittwoch unter dem Eindruck der Schuldenkrise in den USA – und gab deutlich nach.

Frankfurt. An den Finanzmärkten geht die Nervosität um. Der Dax hat den sechsten Handelstag in Folge seine Talfahrt fortgesetzt. Er verlor 2,3 Prozent auf 6640,59 Punkte.

Warum geht es an den Börsen abwärts?

Die Aktienmärkte stehen von zwei Seiten unter Druck: Die Angst vor einer Wirtschaftskrise geht um, und die Schuldenprobleme im Euro-Raum und in den USA sind noch nicht endgültig gelöst. Nur zwei Wochen nach dem Euro-Gipfel zur Rettung Griechenlands rücken die Sorgenkinder Italien und Spanien erneut in den Fokus. „Man versucht, Feuerwehr zu spielen, aber verschiebt die Lösung der Probleme auf später“, sagt André Köttner von der Fondsgesellschaft Union Investment. Das verunsichere die Anleger. „Alles, was riskant erscheint, wird verkauft – dazu zählen auch Aktien.“

Was ist noch Auslöser für die schlechte Stimmung?

Sorgen bereitet den Anlegern die Entwicklung der Weltkonjunktur. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist nach wie vor hoch. Zudem haben die USA drastische Ausgabenkürzungen beschlossen, um den gigantischen Schuldenberg abzubauen. Investiert der Staat weniger in den Bau von Straßen, kann dies das Wirtschaftswachstum dämpfen. Auch aus Deutschland kommen inzwischen Signale, dass die Konjunktur an Schwung verlieren könnte. So blicken die Unternehmen mittlerweile skeptischer in die Zukunft.

Wieso geraten auch erfolgreiche Firmen unter Druck?

Zuletzt sorgten skeptischere Ausblicke von Schwergewichten wie Siemens & Co. für Skepsis an den ohnehin schon sensiblen Börsen. Zudem verlor die deutsche Vorzeigebranche – der Maschinenbau – im Juni deutlich an Schwung. „Vieles wird nun über einen Kamm geschoren und verkauft“, sagt Köttner.

Wieso steigt der Goldpreis?

Gold gilt als sicheres Investment in Krisenzeiten. Anleger flüchten regelrecht in das Edelmetall. „Andere ,sichere Häfen’ haben gelitten, etwa US-Staatsanleihen wegen der Debatte um die Anhebung der Schuldenobergrenze“, sagt Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Euro und Dollar hätten ebenfalls ihren Status als absolut sichere Anlagen eingebüßt. „Gold ist das einzige, was bleibt“, sagt Fritsch.

Warum ist der Schweizer Franken so stark?

Auch der Franken gilt als „sicherer Hafen“ – entsprechend stark ist die Nachfrage. Am Mittwoch kündigte die Schweizerische Nationalbank Maßnahmen gegen den starken Franken (0,92 Euro) an, die einer Zinssenkung gleichkommen. Die Währung sei „massiv überbewertet“, hieß es.

Was bedeuten die Turbulenzen für die Privatanleger?

„Aus Sicht der Privatanleger muss die Situation wirken wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Sowohl Aktien als auch Staatsanleihen gelten nicht mehr als sicher“, sagt Köttner. Anleger sollten dennoch für eine „gesunde Mischung“ im Depot aus Aktien, Immobilien, festverzinslichen Wertpapieren und Rohstoffen sorgen.

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