Im kommenden Herbst wird der Stahlriese nur noch 167 000 Mitarbeiter haben. Geschäftsfelder werden verkauft.

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Ekkehard Schulz rechnet erst im Jahr 2012 wieder mit den gewohnten Milliarden gewinnen.

Ekkehard Schulz rechnet erst im Jahr 2012 wieder mit den gewohnten Milliarden gewinnen.

dpa

Ekkehard Schulz rechnet erst im Jahr 2012 wieder mit den gewohnten Milliarden gewinnen.

Düsseldorf. Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz hat es bereits genau ausgerechnet: "Am Ende des laufenden Geschäftsjahres werden wir voraussichtlich noch 167000 Mitarbeiter beschäftigen", sagte er auf der Bilanzpressekonferenz.

Das wären 20000 Menschen weltweit weniger, als Ende September 2009. Im Geschäftsjahr 2008/2009 hatte Thyssen 12 000 Arbeitsplätze abgebaut.

Der Großteil des Rückgangs bei den Arbeitsplätzen geht laut Schulz allerdings auf Verkäufe von Geschäftsfeldern wie Industrieservice und Werften zurück. Auf der Verkaufsliste steht derzeit noch der US-Gerüstbauer Safway, der an die Odyssey Investment veräußert werden soll. Das Closing für den Verkaufsprozess soll laut Schulz noch 2009 erfolgen.

Durch Restrukturierungen und den Abbau von Verwaltungsfunktionen sollen im laufenden Jahr bei Thyssen-Krupp 5000 Mitarbeiter eingespart werden, kündigte Schulz an. Dem stehen allerdings Personalaufstockungen von rund 3000 Beschäftigten in der Stahlsparte in Amerika sowie bei den gut laufenden Aufzügen gegenüber.

Mit der zum 1. Oktober eingeführten neuen Konzernstruktur, bei der eine ganze Managementebene entfiel und die Arbeitsgebiete stärker gebündelt wurden, sollen die Verwaltungskosten von jährlich 2,5 Milliarden Euro weltweit um 20 Prozent sinken.

Der Großaktionär Krupp Stiftung unter Berthold Beitz, der von Dividendenzahlungen abhängig ist, kann ohne eine Ausschüttung nicht agieren. Daher werden auch im Schicksalsjahr des Stahlkochers noch 0,30 Cent je Aktie Dividende verteilt, obwohl dies bei anderen Konzernen bei Milliardenverlusten nicht üblich ist. Insgesamt sind es 139 Millionen Euro, die aus der Substanz stammen.

Schulz: "Erste Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Konzernteilen sind positiv und sprechen klar für die Neuordnung." Allein durch den geringeren Verwaltungsaufwand sollen 2000 bis 2500 Stellen eingespart werden.

Nach Milliardenverlusten sind schwarze Zahlen geplant

Nach einem Milliardenverlust, der mit einem Ergebnis von minus 2,36 Milliarden Euro vor Steuern für 2008/2009 wegen der Börsen-Relevanz bereits vor zwei Wochen mitgeteilt wurde, will Thyssen-Krupp noch im laufenden Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Schulz erwartet ein um Sondereinflüsse bereinigtes Ergebnis in "niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe".

Mit einer raschen Rückkehr zu Milliarden-Gewinnen sei aber nicht zu rechnen. "Das Niveau von 2008 wird frühestens im Jahr 2012 wieder erreicht", kündigte der Thyssen-Krupp-Chef an. Damals waren Ergebnisse von über drei Milliarden Euro an der Tagesordnung.

Auch wenn sich die Schockstarre in der Wirtschaft wieder entspannt hat und auch im Stahlgeschäft wieder mehr Aufträge winken nimmt Thyssen-Krupp noch nicht den Fuß von der Investitionsbremse. Die bereits im Vorjahr auf 4,2 Milliarden Euro abgesenkten Investitionen sollen im laufenden Geschäftsjahr weiter auf 3,5 Milliarden Euro verringert werden. Schwerpunkt bildet mit zwei Milliarden Euro das Stahlgeschäft in den USA.

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