Ein Beispiel für schwierige Tarifverhandlungen 2017: Lokführer-Gewerkschaft GDL und Bahn befinden sich gerade in der Schlichtung.
Ein Beispiel für schwierige Tarifverhandlungen 2017: Lokführer-Gewerkschaft GDL und Bahn befinden sich gerade in der Schlichtung.

Ein Beispiel für schwierige Tarifverhandlungen 2017: Lokführer-Gewerkschaft GDL und Bahn befinden sich gerade in der Schlichtung.

dpa

Ein Beispiel für schwierige Tarifverhandlungen 2017: Lokführer-Gewerkschaft GDL und Bahn befinden sich gerade in der Schlichtung.

Berlin. Über ein Gehaltsplus von durchschnittlich 2,4 Prozent konnten sich die Tarifbeschäftigten im vergangenen Jahr freuen. Nach Einschätzung des Tarifexperten Reinhard Bispinck ist für 2017 mit einem ähnlichen Zuwachs zu rechnen. Wegen der anziehenden Inflation bleibt davon allerdings weniger im Portemonnaie übrig als im Vorjahr.

Die ganz großen Tarifauseinandersetzungen wird es 2017 nicht geben. Für die beiden "Flaggschiffe" der Industrie, also die Metall- und Elektroindustrie sowie die Chemiebranche nämlich laufen die 2016 ausgehandelten Abschlüsse weiter. Die aktuellen Vereinbarungen in der Metall- und Elektroindustrie gelten bis Dezember, in der chemische Industrie noch einige Monate darüber hinaus, also bis ins Jahr 2018.

Nach Angaben des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung müssen 2017 für rund 11,4 Millionen Beschäftigte neue Einkommensverträge ausgehandelt werden. Den Anfang macht der Öffentliche Dienst in den Ländern mit Ausnahme Hessens. Die erste Verhandlungsrunde ist für den kommenden Mittwoch angesetzt. Die Gewerkschaft Verdi geht mit einer Forderung im Gesamtvolumen von sechs Prozent an den Start. In aller Regel wird das Ergebnis für die Angestellten dann auf die Landesbeamten übertragen.

Am 23. Januar beginnen die Gespräche für die Beschäftigten der Energie- und Versorgungswirtschaft Ost. Hier verlangt Verdi einen Entgeltzuwachs von fünf Prozent. Darüber hinaus stehen in diesem Jahr Lohnverhandlungen in der Lebensmittelindustrie sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe an. Dabei liegen die Forderungen der Gewerkschaft NGG zwischen 4,5 und 5,5 Prozent. Für den Steinkohlebergbau schließlich liegt noch keine Lohnforderung vor. Die dafür zuständige IG BCE will aber einen "deutlichen realen Einkommenszuwachs" sicherstellen. Auch hier starten demnächst die Verhandlungen.

Mittendrin im Gehaltspoker steckt man bereits bei der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie. Hier hatte die IG Metall schon im vergangenen November eine Anhebung der Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent geltend gemacht. Die erste Runde am 6. Dezember war ergebnislos geblieben. Das nächste Treffen mit der Arbeitgeberseite ist für den kommenden Dienstag geplant.

Weiter in der Schwebe sind die Lohnabschlüsse auch noch bei den Piloten der Lufthansa sowie bei den Lokführern und Zugbegleitern der Bahn. Dabei lassen sich auch Streiks nicht ausschließen. Das gilt vor allem für die Piloten, die davon schon 2016 rege Gebrauch gemacht hatten. Für beide Berufssparten laufen derzeit Schlichtungsverfahren.

Die aktuellen Lohnforderungen sind nach Angaben des Leiters des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck, nahezu deckungsgleich mit denen des Vorjahres. Auch damals lag die Spannbreite zwischen 4,5 und sechs Prozent. Tatsächlich durchgesetzt wurde am Ende ein Gehaltsplus von durchschnittlich 2,4 Prozent. Gegenzurechnen ist dabei die Inflationsrate. Sie lag 2016 nur bei 0,5 Prozent, so dass die Beschäftigten real 1,9 Prozent mehr Geld in der Tasche hatten.

Mit der Tarifrunde 2017 dürfte der Reallohnzuwachs geringer ausfallen. So erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr mit 1,4 Prozent eine deutlich höhere Preissteigerung. In dieser Größenordnung müssten die Löhne mindestens zulegen, soll die Kaufkraft nicht schwinden.

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