IG Metall will deutlich höhere Löhne in der Stahlbranche durchsetzen.

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Die Stahlkocher sollen nach dem Willen der Gewerkschaft als erste vom Aufschwung profitieren.

Die Stahlkocher sollen nach dem Willen der Gewerkschaft als erste vom Aufschwung profitieren.

dpa

Die Stahlkocher sollen nach dem Willen der Gewerkschaft als erste vom Aufschwung profitieren.

Düsseldorf. Vor dem Hintergrund des Wirtschaftsbooms will die IG Metall in der bevorstehenden Stahl-Tarifrunde ein Ende der Bescheidenheit einläuten.

"Wir halten das für die erste Tarifrunde der Nachkrisenzeit", sagte der zuständige NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft, Oliver Burkhard, in Düsseldorf. Im Unterschied zu den Tarifrunden der vergangenen Monate werde nun die Forderung nach höheren Löhnen im Vordergrund stehen.

Die Gewerkschaft rechne mit einer Ausstrahlung der Ergebnisse der Tarifrunde auch auf andere Branchen. "Das wird eine gewisse Bedeutung haben für die nächsten Monate", sagte Burkhard.

Die Forderung soll zwischen 4,5 und acht Prozent liegen

Ihr Forderungspaket will die Tarifkommission am 27. August in Sprockhövel beschließen. Der Start der Tarifrunde für die 85000 Beschäftigten der Stahlindustrie in NRW, Niedersachsen und Bremen ist für den 6.September in Gelsenkirchen geplant.

Man werde wohl mit einer Forderung nach Lohnerhöhungen zwischen 4,5 und acht Prozent in die Verhandlungen gehen, sagte Burkhard. Zweiter Schwerpunkt werde die Forderung nach einer Angleichung der Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbelegschaften in der Stahlindustrie werden. Ziel sei es, den Grundsatz "gleiches Geld für gleiche Arbeit" erstmals in einem Flächentarifvertrag zu verankern.

Nach den Tarifverhandlungen der Stahlkocher stehen in der Ernährungsindustrie in den kommenden Monaten Entgeltverhandlungen für die rund 520000 Beschäftigten an. "Abschlüsse in Richtung drei Prozent" hat sich bereits der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg, gewünscht.

Die IG Bau sieht keinen Grund, "defensiv" an die im März 2011 startende Tarifrunde heranzugehen.

Verdi-Chef Frank Bsirske rief die Arbeitgeber auf, "die Löhne hierzulande nicht länger als reine Kostenfaktoren" zu sehen. Sie seien ein Instrument, um die Nachfrage anzukurbeln. "Das werden wir in den nächsten Tarifrunden deutlich machen."

Die wirtschaftlichen Rahmendaten der Branche zeigten nach oben, die Auftragsbücher seien gut gefüllt: "Die Krise hat die Stahlunternehmen verlassen", sagte Burkhard.

Mit einer Auslastung der Kapazitäten von 84,6 Prozent habe die Stahlindustrie nahezu das Vorkrisen-Niveau von 2008 erreicht, rechnet die Gewerkschaft vor. Während Anfang 2009 noch fast jeder zweite der 85 000 Stahlkocher in Kurzarbeit gewesen sei, sei das nun kein Thema mehr.

IG Metall bringt vorgezogene Lohnerhöhung ins Spiel

Länger auf den erhofften Nachschlag warten müssen wohl die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, für die die IG Metall im Februar unter dem Eindruck der Krise einen Tarifvertrag bis Ende März 2012 abgeschlossen hatte.

Nach einer für 2010 vereinbarten Einmalzahlung von 320 Euro sollen die Entgelte zum 1.April kommenden Jahres um 2,7 Prozent steigen. Eine Klausel im Tarifvertrag ermögliche jedoch ein Vorziehen der Erhöhung um zwei Monate - je nach wirtschaftlicher Lage, so die Gewerkschaft.

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