Hakan Samuelsson
Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN AG, Hakan Samuelsson: Die Anwälte des Schweden halten die Schadenersatzforderung für «absurd».

Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN AG, Hakan Samuelsson: Die Anwälte des Schweden halten die Schadenersatzforderung für «absurd».

dpa

Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN AG, Hakan Samuelsson: Die Anwälte des Schweden halten die Schadenersatzforderung für «absurd».

München (dpa) - Der Lastwagen- und Motorenhersteller MAN verlangt von seinem Ende 2009 wegen einer Schmiergeldaffäre zurückgetretenen Ex-Chef Schadenersatz in Millionenhöhe.

Der frühere Vorstandsvorsitzende Håkan Samuelsson soll einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Montag) zufolge rund 237 Millionen Euro an das Unternehmen zahlen. Das habe der Aufsichtsrat unter Vorsitz von VW-Patriarch Ferdinand Piëch schon im Sommer eingefordert, betroffen seien auch weitere Ex- Manager des Dax-Konzerns, berichtete die Zeitung.

MAN teilte mit, der Aufsichtsrat habe eine Anwaltskanzlei mit der Prüfung von Ansprüchen gegen Ex-Vorstände beauftragt, machte zum Inhalt des Berichts aber keine Angaben. «Aufsichtsrat und Vorstand sind gesetzlich verpflichtet, die Interessen von MAN zu wahren und Schaden vom Unternehmen abzuwenden», heißt es in der Stellungnahme.

«Soweit es Schadensersatzforderungen gegen ehemalige Vorstände gibt, wird das Unternehmen diese auch umfassend geltend machen.» Sollte es eine Einigung geben, müsse die Hauptversammlung im kommenden Jahr darüber entscheiden.

Samuelssons Anwalt wies in der «SZ» die Forderungen zurück. «Der Anspruch ist nicht begründet», zitiert das Blatt den Juristen. MAN war im Mai 2009 ins Visier der Münchner Korruptionsermittler geraten. Am Jahresende zwang der Skandal fast die gesamte Führungsriege zur Aufgabe, der Dax-Konzern akzeptierte ein Bußgeld von rund 150 Millionen Euro. Etwa im Lastwagengeschäft sollen Verkäufer Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden gezahlt haben, um den Verkauf anzukurbeln. Nach einem ersten Prozess im Sommer 2010 ermittelt die Staatsanwaltschaft München weiter gegen ehemalige Top- Manager wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

MAN hatte sich stets Schadenersatzforderungen offen gehalten und auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr auch die Entlastung der früheren Vorstände vertagt. Betroffen sind davon neben Samuelsson auch Ex-Finanzvorstand Karlheinz Hornung und der ehemalige Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann. Alle drei Manager hatten im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre im November binnen einer Woche den Konzern verlassen. Auch Hornung und Weinmann sollen der «SZ» zufolge Schadenersatzforderungen von MAN erhalten haben, ebenfalls über große Summen von 100 oder gar 200 Millionen Euro.

In der Höhe sind diese Forderungen bisher beispiellos. Ob das Geld am Ende fließen wird, ist offen. Die Anwälte des Schweden halten die Forderung für «absurd». Offen ist auch, inwieweit die von MAN für die Vorstände abgeschlossene Haftpflichtversicherung die Forderungen abdeckt. Laut «SZ» soll die Police eine Summe von 200 Millionen Euro beinhalten. MAN macht zu den Einzelheiten der sogenannten D&O- Versicherung («Directors-and-Officers-Versicherung», zu deutsch Organ- oder Manager-Haftpflichtversicherung) keine Angaben.

Laut «SZ» gehen die Anwälte Samuelssons davon aus, dass die Forderungen Gespräche über eine gütliche Einigung erschweren werden. Im Fall Siemens beispielsweise einigten sich der frühere Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und der Konzern auf die Zahlung von fünf Millionen Euro, wobei von Pierer eine persönliche Schuld nie eingeräumt hat.

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