Nach Pilotprojekt im Bergischen Land: 150 kleinere Städte an Online-City interessiert

73% der deutschen Konsumenten kaufen bereits online ein, und es werden nicht weniger.

Wuppertal. Erst waren es Hamburg und Salzburg, jetzt Attendorn, Göppingen und Wolfenbüttel. Und dazwischen war Wuppertal. Das Start-Up Atalanda aus Bad Reichenhall hat sein Konzept von lokalem Online-Handel komplett überdacht – und zwar nach dem Start der Online-City Wuppertal.

„Wir haben erst hier verstanden, was wir tun“, sagte Roman Heimbold, Geschäftsführer von Atalanda am Dienstag bei einem Kongress. Die Erkenntnis nannte ein Journalist den „Wuppertal-Effekt“.

Am Dienstag kamen in der Glashalle der Stadtsparkasse Wuppertal rund 200 Interessierte aus Politik, Wirtschaft und Marketing zusammen, um sich über das ausgezeichnete Pilotprojekt im Bergischen Land zu informieren. Die Teilnehmer kamen aus Troisdorf, Oberursel oder gar aus Italien.

Atalanda wurde 2012 gegründet. Die Idee hinter dem Unternehmen ist, lokale Händler auf einer gemeinsamen Plattform, einem Marktplatz, zu präsentieren. So soll Online-Shoppen auch lokal möglich sein. Was sich in den Metropolen nicht verfing, klappte dafür in Wuppertal. Denn statt das bestehende Konzept über eine weitere Stadt zu stülpen, haben die lokalen Initiatoren Atalanda kontaktiert und gemeinsam mit ihnen die jetzige Online-City entwickelt. Dabei stehen die Händler im Vordergrund. Die Güter können online bestellt werden und entweder im Laden oder an einem Schalter abgeholt werden oder sie werden noch am selben Tag geliefert.

Beim Start vor einem Jahr waren 20 Händler dabei, heute sind es über 60. Markus Kuhnke vom Süßwarenladen Naschkatzenparadies sagt zwar, der Online-Shop sei wie ein zweites Geschäft, was die Arbeitszeit angeht, aber dafür mache er etwa zehn Prozent mehr Umsatz. Andere Händler nennen ähnliche Zahlen. Das käme vor allem über zusätzliche Ladenbesucher und nicht über Online-Verkäufe. Andreas Haderlein, der Initiator des Projekts, beziffert die Bestellungen innerhalb des vergangenen Jahres auf etwa 110. Und da liegt der große Kritikpunkt. Kai Hudetz, Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung Köln, sagt, die Bestellungen seien auf homöopathischem Level.

Trotzdem, sagt Hudetz, sei die Idee absolut richtig. Denn laut einer Studie des IFH shoppen schon heute 73 Prozent der Konsumenten online. Tendenz steigend. Und gerade in kleineren Städten habe das Konzept eine Chance. Dort sei der Leidensdruck durch das veränderte Kaufverhalten besonders groß. In solchen Städten findet Heimbold von Atalanda jetzt sein Zielpublikum. Mit 150 Kommunen in Deutschland seien sie aktuell in Kontakt. Drei starten dieser Tage eine eigene Version der Online City – mit Einwohnerzahlen um die 50 000.

Weitere sollen im kommenden Jahr folgen. Warum so wenige wirklich starten erklärt Heimbold mit den zwei Leitlinien, die die Firma durch die Erfahrungen mit Wuppertal hat: 1. Die Händler müssen sich engagieren. 2. Es muss einen lokalen, vollzeitangestellten Kümmerer geben, ein Bindeglied zwischen Händlern und Atalanda. „Wenn das nicht vorhanden ist, fangen wir gar nicht erst an.“

Dass auch die kleinen Städte mit innovativen Konzepten bedient werden müssen, sagt auch Christine Volkmann, Professorin für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung an der Bergischen Universität Wuppertal. Sie glaubt, dass Atalanda eine Chance auf dem Markt hat. Gerade wegen der Lieferung am gleichen Tag. Das sei ein Trend in der Branche, den das Start-Up frühzeitig besetzt habe.

Und von den Händlern sei es nur klug, sich auf die Entwicklungen einzustellen, sagt Volkmann. Für die Inhaber ist es aber weit mehr. Es ist überlebenswichtig. Süßwarenhändler Kühnke: „Ohne dem würde der Laden langsam sterben.“

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