Renault
Mit 7,28 Millionen abgesetzten Neuwagen steigt die Renault-Nissan-Allianz zum weltweit drittgrößten Autokonzern hinter Toyota und General Motors (GM) auf.

Mit 7,28 Millionen abgesetzten Neuwagen steigt die Renault-Nissan-Allianz zum weltweit drittgrößten Autokonzern hinter Toyota und General Motors (GM) auf.

dpa

Mit 7,28 Millionen abgesetzten Neuwagen steigt die Renault-Nissan-Allianz zum weltweit drittgrößten Autokonzern hinter Toyota und General Motors (GM) auf.

Paris (dpa) - Der Autobauer Renault wird von einer brisanten Spionage-Affäre erschüttert. Hochrangige Mitarbeiter des Unternehmens sollen geheime Informationen über das Elektroauto-Programm weitergegeben haben. Der Schaden ist noch nicht absehbar.

Mehrere Monate lang hatten konzerneigene Fahnder des Autobauers Renault ermittelt. In einer bisher einzigartigen Aktion setzte der zweitgrößte französische Hersteller mit sofortiger Wirkung drei ranghohe Führungskräfte vor die Tür. Die Männer werden der schweren Industriespionage verdächtigt. Ausgerecht sensible Informationen über das Elektroauto-Programm sollen in fremde Hände gelangt sein.

«Die Mitarbeiter haben bewusst und absichtlich das Unternehmen in Gefahr gebracht», teilte Konzernjurist Christian Husson am Donnerstag in einer knappen Erklärung mit. Erst am Vortag war die brisante Affäre ans Tageslicht gekommen.

Für den Autobauer ist der Fall ein äußerst unangenehmer Schlag mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen. Renault setzt große Hoffnungen in das Elektrofahrzeug-Geschäft und hat zusammen mit seinem Allianzpartner Nissan bereits rund vier Milliarden Euro in die Zukunftstechnologie investiert. Gemeinsam wollen sie Weltmarktführer im Bereich der batteriebetriebenen Fahrzeuge werden. «Wir haben das Gefühl, uns in einem Alptraum zu befinden», zitierte die Tageszeitung «Le Figaro» am Donnerstag einen Renault-Mitarbeiter.

Details zur Affäre hält die Führung des Unternehmens bislang streng unter Verschluss. Weder zur Identität der betroffenen Führungskräfte, noch zu den genauen Vorwürfen will man sich äußern. Nach französischen Medienberichten soll unter den drei Spionen jedoch sogar ein Mitglied des knapp 30-köpfigen Direktoriums unter Konzernchef Carlos Ghosn sein. Besonders bitter: Der 56 Jahre Ingenieur arbeitete bereits seit 1980 im Unternehmen. Zuletzt war er für strategische Zukunftsprojekte verantwortlich.

Über den oder die Abnehmer der geheimen Informationen gab es zunächst nur Spekulationen. Branchenkenner vermuten, dass sensible Daten zu einem Konkurrenten oder einem Zulieferer geflossen sein könnten, der an Entwicklungsplänen für Batterien interessiert ist.

Möglicherweise sei auch ein neuer Renault-Elektromotor Hintergrund der Spionage-Aktivitäten gewesen. Industrieminister Eric Besson nannte den Fall «ernst». «Hier ist der Ausdruck Wirtschaftskrieg angemessen», sagte er. Zugleich forderte er strengere Sicherheitsvorkehrungen von Unternehmen, die wie Renault vom Staat Entwicklungszuschüsse erhalten.

Industriespionage kostet Unternehmen nach Einschätzung der deutschen Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft jährlich Milliardensummen. Nur selten gehen Konzerne freiwillig an die Öffentlichkeit, wenn eigene Leute zu Verrätern werden. Den aktuellen Fall können Renault-Mitarbeiter allerdings auch als Kompliment sehen: «Diese Affäre ist ein Beweis dafür, dass wir in Sachen Elektroauto besonders interessante Geheimnisse haben», scherzte ein Mitarbeiter mit Galgenhumor.

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