In Köln muss erneut ein Spitzenpolitiker abtreten. In Düsseldorf wird Ex-Sparkassenchef Humme verklagt.

Köln/Düsseldorf. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist ein Kölner CDU-Politiker über einen umstrittenen Beratervertrag gestolpert. Bürgermeister Josef Müller, der altgedienteste Kölner Kommunalpolitiker, erklärte am Sonntag seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern.

Zwischen 2001 und 2003 habe er einen Beratervertrag mit einer Tochtergesellschaft der Düsseldorfer Sparkasse geschlossen. Am Wochenende habe er dann erfahren, dass sein Honorar "im Ergebnis von der Sparkasse Köln-Bonn getragen wurde", teilte er mit.

In Düsseldorf schwankten am Montag die Angaben zum "sechsstelligen Betrag": Mal war von 200 000 Euro die Rede, dann von 600 000 Euro, die Müller in mehreren Tranchen erhalten habe. Das Geld sei zunächst gezahlt und dann von Köln zurück überwiesen worden.

Die Stadtsparkasse Düsseldorf schaltete Montagfrüh die hausinterne Revision ein. Sofort kam ein Verdacht auf: Im Zeitraum, als Müller die Zuwendungen erhielt, gab es Fusionsverhandlungen zwischen den Sparkassen Köln und Düsseldorf. Diese platzten Ende 2003, Köln fusionierte mit der Bonner Kasse.

Mauschelei ohne Folgen: Die Taten waren verjährt

Bislang ist nicht bekannt, ob Müller (70) irgendeine Leistung für das Honorar erbracht hat. Die Unterlagen liegen der Kölner Staatsanwaltschaft zur Prüfung vor. Er selbst spricht von einem Fehler.

Müller erklärte: "Nach Beendigung meiner Tätigkeit als Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Köln zum 31.12.2000 habe ich eine neue berufliche Aufgabe gesucht." Daraufhin habe er auf Anraten des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Köln-Bonn, Gustav Adolf Schröder, Kontakt mit der Düsseldorfer Kapitalbeteiligungsgesellschaft aufgenommen. Daraus sei ein Beratungsvertrag entstanden. Er habe aber nicht gewusst, dass sein Honorar in Wirklichkeit von der Köln-Bonner Sparkasse stammte.

Stadtsparkasse Düsseldorf verklagt zwei ehemalige Vorstände

Weder Schröder (wegen Untreue) noch Müller (wegen Beihilfe zur Untreue) haben Ermittlungen zu fürchten: Seit 31. Dezember 2008 waren die Taten verjährt. Der Fall Müller folgt auf den Skandal um den CDU-Politiker Rolf Bietmann. Er war vergangene Woche von seiner Bundestagskandidatur und von seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke zurückgetreten. Der Rechtsanwalt soll von der Sparkasse Köln-Bonn 900 000 Euro als Berater erhalten haben.

Für die Sparkasse Düsseldorf ist die Verbindung zum Kölner Klüngel ein weiterer Schlag. Das Institut hat den Skandal um den Niedergang von Franjo Pooths Firma Maxfield noch nicht verdaut - die 27-Millionen-Pleite kostete 9,5Milllionen Euro. Pooth ist zunächst auf eine Million Euro verklagt worden. Am Montag beschloss der Verwaltungsrat, nun auch die Ex-Vorstände Heinz-Martin Humme und Karl-Heinz Stiegemann auf Schadenersatz zu verklagen. Es geht um 9,3 Millionen Euro.

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