Das Internet und die dauerhaft niedrigen Zinsen setzen viele Geldhäuser unter Druck. Sie müssen verstärkt sparen.

Beratung in der Bank: Wenn es optimal läuft, kennt der Kunde hinterher alle Chancen und Risiken, die mit seinem Anlage- oder Kreditwunsch zusammenhängen.
Beratung in der Bank: Wenn es optimal läuft, kennt der Kunde hinterher alle Chancen und Risiken, die mit seinem Anlage- oder Kreditwunsch zusammenhängen.

Beratung in der Bank: Wenn es optimal läuft, kennt der Kunde hinterher alle Chancen und Risiken, die mit seinem Anlage- oder Kreditwunsch zusammenhängen.

dpa

Beratung in der Bank: Wenn es optimal läuft, kennt der Kunde hinterher alle Chancen und Risiken, die mit seinem Anlage- oder Kreditwunsch zusammenhängen.

Düsseldorf. Der Alltag in den Zweigstellen heimischer Banken und Sparkassen hat sich verändert. Wo vor Jahren noch reger Andrang herrschte, dominiert inzwischen die Langeweile. „Unsere Kunden kommen einmal im Jahr zu einem Beratungsgespräch in die Filiale“, berichtet Helmut Schiffer, Geschäftsführer des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes. „Die Sparkassen-App wird von ihren Nutzern dagegen im Schnitt fast 200 Mal und das Online-Banking gut 100 Mal pro Jahr aufgerufen,“ beschreibt Schiffer den grundlegenden Wandel des Bankgeschäftes.

„Die Politik der EZB sorgt für erodierende Zinsmargen und dramatische Ertragseinbrüche.“

Joachim Bonn, Vorstandschef der Sparkasse Duisburg

Seit Jahren rechnen Analysten vor, dass sich das deutsche Geldgewerbe zu viele Filialen leistet. Die Niederlassungen kosten viel mehr, als sie einbringen, so der Vorwurf. Und: Sie blockieren Investitionen in die Digitalisierung.

Die Zahl der Standorte nimmt zwar stetig ab. Aber dieser Prozess vollzieht sich bislang behutsam und geräuschlos. Das könnte sich nun ändern. Laut einer Studie der Beratungsfirma Bain & Company wird die Branche in den nächsten Jahren jede dritte Filiale schließen müssen. Dabei geht es um 11 000 Zweigstellen und 125 000 Arbeitsplätze.

Wer denkt, ein derart radikaler Schnitt sei unrealistisch, wird zum Beispiel in Duisburg eines Besseren belehrt. Die dortige Sparkasse will bis 2022 von 42 Zweigstellen 21 schließen. Jede zweite Filiale fällt also weg. Zur Begründung verweist Vorstandschef Joachim Bonn auf „die extreme und voraussichtlich noch lang anhaltende Tiefstzinspolitik der Europäischen Zentralbank“. Sie sorge in den nächsten Jahren für „erodierende Zinsmargen und dramatische Ertragseinbrüche“. Andere Sparkassen in der Region sind bei dem Thema zurückhaltender – Zahlen werden nicht genannt.

Sparkassen-Manager Bonn möchte aber nicht nur sparen, sondern auch investieren. 30 Millionen Euro will er in die Modernisierung der verbleibenden Standorte stecken. Und er will die Mitarbeiter besser schulen. Ziel ist es, ab dem Jahr 2022 pro Jahr elf Millionen Euro weniger Kosten zu haben. 90 von 1250 Stellen sollen dann weggefallen sein. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Bonn in seiner Strategie aus.

Bei komplexen Themen bleibt der persönliche Kontakt wichtig

Von den 26 Geldhäusern, die Stiftung Warentest in 160 Beratungsgesprächen geprüft hat, schnitten drei mit „gut“ ab: Frankfurter Volksbank, Sparda-Bank Berlin und die Nassauische Sparkasse. Zwei bekamen ein „mangelhaft“: Hypovereinsbank und die Hannoversche Volksbank. Aus der Region wurde die Sparda-Bank West getestet. Sie erhielt die Note befriedigend.

Schwachstellen gab es laut Stiftung Warentest vor allem bei der Anlageempfehlung, die nicht dem Wunsch des Kunden entsprach. Viele Produkte waren zu riskant, oft war das Geld nicht rechtzeitig verfügbar. Zudem wurden unpassende Produkte wie Bausparverträge oder Rentenversicherungen empfohlen.

Vor wenigen Wochen hatten die Verbraucherzentralen kritisiert, viele Vertragsangebote für Anlageprodukte seien „nicht im besten Kundeninteresse“. Grund: Die Beratung der Banken und Sparkassen finanziere sich über Provisionen, die für Kunden meist unsichtbar in den Produkten einkalkuliert seien. Die Verbraucherzentralen fordern eine Offenlegung der Provisionen.

Kunden sollten sich auf ein Beratungsgespräch vorbereiten und entscheiden, wie viel Risiko sie einzugehen bereit sind. Sie sollten eine genaue Kostenübersicht einfordern. Bei Wertpapieranlagen muss der Berater ein Protokoll mit allen wesentlichen Angaben anfertigen und unterschreiben. Der Kunde sollte das Papier, das ihm ausgehändigt werden muss, gut prüfen. Man sollte nicht unter Zeitdruck entscheiden. Oft lohnt es, eine zweite Meinung einzuholen.

Der Strukturwandel betrifft vor allem die Sparkassen und Volksbanken. Sie verfügen traditionell über ein dichtes Zweigestellennetz, das hohe Kosten verursacht. Viele Kunden ärgern sich, wenn ihnen ihr Institut nur noch 0,1 Prozent aufs Tagesgeld gutschreibt. Wenige Klicks im Internet reichen, um auf deutlich höhere Zinsen der Direktbanken zu stoßen. Die Folge: Die Einlagen fließen ab. Bei Krediten folgen Angebot und Nachfrage ebenfalls diesem Muster. Die Direktbanken sind konkurrenzfähiger, weil sie keine Niederlassungen unterhalten und weit weniger Berater als das konventionelle Geldgewerbe beschäftigen.

Trotzdem ist der absehbare Kahlschlag bei den Filialen eine gefährliche Gratwanderung. Zwar nimmt die Zahl der Überweisungen oder Kontoabfragen per Internet rasant zu. Dennoch sind deutsche Bankkunden bei neuen Techniken skeptisch. Nur 19 Prozent erledigen Bankgeschäfte mobil. In kaum einem anderen Land sind es weniger. Bei komplexen Themen bleibt der persönliche Kontakt unverzichtbar.

Für den Duisburger Sparkassenchef Bonn liegt der Schlüssel des Erfolgs deshalb in der Qualifizierung der Mitarbeiter. In seiner Werbesprache heißt das dann: „Nähe bleibt ein fester Element unseres Markenkerns. Sie wird in Zukunft aber nicht mehr nur in Metern zu messen sein.“

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