Die Firmen suchen dringend Personal. 2011 gab es in Deutschland erstmals mehr als 41 Millionen Erwerbstätige.

Freie Jobs - zum Beispiel in der Gesundheitsbranche.
Freie Jobs - zum Beispiel in der Gesundheitsbranche.

Freie Jobs - zum Beispiel in der Gesundheitsbranche.

Jens Büttner

Freie Jobs - zum Beispiel in der Gesundheitsbranche.

Frankfurt. Der Optimismus der Deutschen ist ungebremst: Trotz Schuldenkrise und trüber Konjunkturaussichten machen sich die meisten kaum Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Denn zum Jahreswechsel gab es so viele freie Stellen wie noch nie seit dem Wiedervereinigungsboom. Im vergangenen Jahr übersprang die Zahl der Erwerbstätigen erstmals die 41-Millionen-Marke, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Den größten Arbeitskräftebedarf meldet die Zeitarbeitsbranche

Im Dezember übertraf die unverändert starke Nachfrage nach Arbeitskräften der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge nochmals das Rekordniveau vom November. Das ergab der monatlich veröffentlichte Stellenindex BA-X, den die BA gestern vor der Bekanntgabe der Dezember-Arbeitslosenzahlen heute präsentierte. Die gut gefüllten Auftragsbücher zwängen viele Unternehmen dazu, ihre Belegschaften aufzustocken.

Den größten Arbeitskräftebedarf meldete die Zeitarbeit; inzwischen stamme jede dritte Stelle aus dieser Branche. Darüber hinaus suchen nach BA-Erkenntnissen auch Unternehmen des Groß- und Einzelhandels, Baufirmen und die Gastronomie neue Mitarbeiter. Eine größere Arbeitskräftenachfrage gebe es darüber hinaus im Gesundheits- und Sozialwesen.

Im abgelaufenen Jahr hatte der Konjunkturaufschwung den deutschen Arbeitsmarkt kräftig beflügelt und die Erwerbstätigkeit auf einen Höchststand katapultiert: Im Jahresdurchschnitt 2011 waren laut Statistik 41,04 Millionen Menschen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig. Damit wurde der bisherige Höchststand des Vorjahres nach den vorläufigen Berechnungen nochmals deutlich um 535 000 Erwerbstätige oder 1,3 Prozent übertroffen.

Mehr Beschäftigte in Industrie, Baugewerbe und Forstwirtschaft

Vom Boom profitierten alle Branchen. Selbst in der Industrie stieg die Beschäftigung nach zwei Jahren mit Arbeitsplatzverlusten wieder an: 131 000 Jobs wurden dort geschaffen (plus 1,7 Prozent). Im Baugewerbe fanden im Schnitt 38 000 Menschen mehr eine Beschäftigung als im Vorjahr (plus 1,6 Prozent), in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei lag die Zahl der Erwerbstätigen um 15 000 (plus 2,3 Prozent) über dem Vorjahr.

Fast 90 Prozent der Befragten halten ihren Job für sicher

Die deutschen Verbraucher haben 2011 laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) trotz Euro-Schuldenkrise so tief in die Tasche gegriffen wie „seit zehn Jahren“ nicht mehr. „Der private Verbrauch ist um mindestens 1,2 Prozent gestiegen“, hieß es in einem gestern veröffentlichten Konjunkturbulletin des DIHK. Vor allem die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt habe den privaten Verbrauch gestützt. Zudem habe sich der Anstieg der Verbraucherpreise im späteren Verlauf des Jahres 2011 wieder verlangsamt.

 

Auch für die kommenden Monate erwartet der DIHK eine positive Entwicklung an den Ladentheken. Bei den Einzelhändlern überwiegen demnach nach wie vor die optimistischen Geschäftserwartungen. Allerdings habe sich die Stimmung aufgrund der zu erwartenden Abkühlung der konjunkturellen Entwicklung zuletzt etwas eingetrübt. So erwartet etwa die deutsche Tourismuswirtschaft nach einem „Top-Sommer“ nur noch leichte Zuwächse in der Wintersaison. Zudem gebe es für das Gastgewerbe laut der Umfrage große Konjunkturrisiken durch die hohen Energie- und Rohstoffpreise und den Fachkräftemangel.

Von einer Krise spüren die Menschen im Alltag nichts, wie eine Umfrage der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst&Young ergab, die der „Welt“ vorlag. Fast 90 Prozent der 2000 befragten Verbraucher halten den eigenen Arbeitsplatz für sicher. 2008 und 2009 hatte dagegen noch jeweils jeder fünfte Bundesbürger Angst um seinen Job. „Die Verbraucher stemmen sich tapfer gegen den Schwall düsterer Konjunkturprognosen“, sagte Umfrageleiter Thomas Harms.

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