Geht es nach der Kauflaune der Bundesbürger, ist die globale Finanzkrise, deren Folgen viele Länder noch massiv verspüren, hierzulande längst Geschichte. Das gute wirtschaftliche Klima bringt aber auch große Gefahren mit sich. Denn die meisten Verbraucher geben nicht das Geld, das sie bereits erwirtschaftet haben, für den Konsum aus. Wie die französische Großbank Crédite Agricole ergeben hat, stehen die Bundesbürger im Durchschnitt mit fast 3.000 Euro in der Kreide. Kaum in einem anderen Land werden laut dieser Studie so viele und so hohe Privatkredite aufgenommen wie in Deutschland.

Und die Versuchungen sind allgegenwärtig: Nahezu jeder Online-Shop bietet seinen Kunden die bequeme Möglichkeit der Ratenzahlung. Und auch ein Urlaub auf Kredit ist in der Regel kein Problem, zumindest wenn die Reisenden ein festes Einkommen nachweisen können. Doch diese Möglichkeiten bergen auch immense Gefahren für die Verbraucher. So hat der Verband der Vereine Creditreform e.V., der alljährlich einen Schuldneratlas herausgibt, festgestellt: 2016 ist die Zahl der überschuldeten Personen auf über zehn Prozent der Bundesbürger angestiegen. Das heißt im Klartext: In Deutschland sind mehr als 6,8 Millionen Bürger überschuldet, wobei es durchaus regionale Unterschiede gibt. So ist die Zahl der überschuldeten Haushalte in Bremen, im Saarland und in Berlin gesunken, während sie im Rest der Republik angestiegen ist. Der größte Anstieg wurde übrigens in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern festgestellt. Die überschuldeten Personen haben dabei im Durchschnitt einen Schuldenberg von mehr als 33.500 Euro angesammelt.

Alarmierend: Die Zahl der Schuldner unter 20

Erschreckend ist vor allem die Zahl der verschuldeten Personen unter 20 Jahren. Während 2004 lediglich 53.000 junge Menschen verschuldet waren, ist diese Zahl bis 2013 auf 213.000 Personen angestiegen - das bedeutet eine Steigerung von 302 Prozent. Doch auch Senioren bleiben nicht von finanziellen Problemen verschont: Die Zahl der verschuldeten Personen mit einem Alter jenseits von 70 Lebensjahren ist im Vergleich zu 2004 um 42,3 Prozent angestiegen.

Diese Gründe führen zur Verschuldung

Die Gefahrenquelle Nummer eins, um in die Schuldenfalle zu geraten, ist verschwenderisches Konsumverhalten. Vor allem junge Menschen neigen eher dazu, einen Ratenkredit für Konsumgüter, Elektrogeräte oder Möbel aufzunehmen. Ein Vertreter der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sagt dazu: „Die Inanspruchnahme des Privatkonsums zur Konjunkturunterstützung und Wirtschaftsbelebung zeigt zeitversetzt Folgewirkung.“

Die negativen Folgen dieses Konsumrauschs treffen vor allem die Verbraucher aus der Unterschicht sowie der unteren Mittelschicht. Der Grund: Diese sind langfristig oft nicht mehr in der Lage, die finanziellen Lasten aus der Vergangenheit zu stemmen.

Eine wesentliche Ursache für die Überschuldung besteht darin, wenn sich die Lebensumstände auf ungeplante Weise ändern. So war 2015 für 19 Prozent der Personen, die eine der deutschlandweit 1.400 Schuldnerberatungsstellen aufgesucht haben, der Verlust des Arbeitsplatzes der Grund dafür, dass sie ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten. Aber auch gesundheitliche Probleme oder Krankheiten können die finanzielle Situation verschärfen. Das war bei 15 Prozent der betroffenen Personen der Fall, wie aus den im Juli 2016 veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Trennungen oder der Tod des Partners sind mit 14 Prozent der dritthäufigste Grund, warum Betroffene die Hilfe der Schuldnerberatung in Anspruch nehmen müssen.

Damit die Schulden nicht zur Krise werden

In jedem Fall sollten Verbraucher ihre Finanzen stets im Überblick haben, damit finanzielle Engpässe erst gar nicht zum Problem werden. Ein frühzeitiges Gespräch mit den Gläubigern im Vorfeld kann die Situation schon erheblich entschärfen. Denn wenn die Schuldner die neu vereinbarten Zahlungsziele einhalten, verzichten viele Gläubiger in diesem Fall auf rechtliche Schritte und geben sich damit zufrieden, wenn der Schuldner Zinsen oder Bearbeitungsgebühren für das längerfristige Zahlungsziel bezahlt.

Eine denkbar schlechte Idee ist es hingegen, Schulden beim Telefonanbieter zu machen. Hier werden neben den Verzugszinsen unter Umständen auch Anwalts- sowie Gerichtskosten fällig. Und diese unnötigen Nebenkosten können gewaltig ins Gewicht fallen, machen sie im Durchschnitt doch 43 Prozent der ursprünglichen Schulden aus. Hat der Gläubiger die Angelegenheit bereits an einen Rechtsanwalt oder ein Inkassobüro weitergereicht, werden 38 Prozent Gebühren aufgeschlagen, im Versandhandel 33 Prozent.

Günstiger ist es hingegen, wenn Verbindlichkeiten bei Banken, beim Staat oder bei privaten Gläubigern nicht fristgerecht bezahlt werden. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich hier im Schnitt auf 13 beziehungsweise 12 Prozent, so die Ergebnisse des Überschuldungsreports 2013, den das Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) mit Sitz in Hamburg herausgegeben hat. Hier wurden erstmals die Hauptforderungen sowie die Nebenkosten gegenübergestellt. So erhöhten sich die Schulden der Gläubiger wegen der anfallenden Verzugszinsen um 3.650 Euro oder um zehn Prozent sowie um 1.600 Euro, also etwa acht Prozent, um die Kosten für das Eintreiben der Schulden abzudecken. Die Nebenkosten können für so manchen Verbraucher also verhängnisvoll sein. Denn selbst wenn sie einen Teil ihrer Verbindlichkeiten bezahlen können, werden damit zunächst nur die Verzugszinsen sowie die Kosten für den Anwalt bezahlt, erst dann die ursprünglichen Forderungen. Es können also weitere Nebenkosten folgen, wenn die Hauptschuld nicht oder nur teilweise getilgt werden konnte.

Andere Regeln gelten hingegen bei Bankschulden. Hier werden zunächst eventuelle Anwalts- und Gerichtskosten beglichen, dann die Hauptschuld und die Zinsen erst zum Schluss. Dadurch reduziert sich die Zinslast insgesamt erheblich.

Ein Weg aus der Schuldenfalle: Die Umschuldung

Vor allem für Verbraucher, die bei mehreren Gläubigern in der Kreide stehen, gibt es eine einfache Möglichkeit, um die Verbindlichkeiten in den Griff zu bekommen. Sie können die Verbindlichkeiten mit Hilfe eines Finanzdienstleisters wie Smava umschulden. Sie erhalten hier üblicherweise eine kostenlose Kreditberatung. Der größte Vorteil besteht jedoch darin, dass sie einmal monatlich nur noch einen Gläubiger bedienen müssen, statt mehrere mit unterschiedlichen Zahlungszielen. Und auch der Zinssatz ist wesentlich niedriger als bei Verzugszinsen.

Bildrechte: Flickr Debt Hamza Butt CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten