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Mit dem Umbau will Siemens-Chef Löscher das Geschäftsvolumen in den kommenden Jahren über die Marke von 100 Milliarden Euro treiben.

Mit dem Umbau will Siemens-Chef Löscher das Geschäftsvolumen in den kommenden Jahren über die Marke von 100 Milliarden Euro treiben.

dpa

Mit dem Umbau will Siemens-Chef Löscher das Geschäftsvolumen in den kommenden Jahren über die Marke von 100 Milliarden Euro treiben.

München (dpa) - Siemens-Chef Peter Löscher verordnet dem Konzern nach nur vier Jahren erneut einen Radikalumbau: Die traditionsreiche Lichttochter Osram wird an die Börse verabschiedet, eine neue Technologie-Sparte für rasch wachsende Mega-Städte an den Start gebracht.

Mit dem Umbau und Zukäufen will Löscher in den kommenden Jahren die Umsatzgrenze von 100 Milliarden Euro knacken. IG Metall und Betriebsrat warnten vor weiteren Personal-Einschnitten nach den gravierenden Umstrukturierungen der vergangenen Jahre.

Noch im Herbst will Siemens die Mehrheit an Osram abgeben - es wird einer der größten Börsengänge seit Jahren. Die Lichttochter kam zuletzt mit ihren 40 000 Mitarbeitern auf 4,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und steht vor großen Herausforderungen. So sind hohe Investitionen etwa in die Leuchtdioden-Technik (LED) notwendig, damit Rivalen wie Philips oder General Electric nicht davonziehen.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser ließ am Dienstag bei einer Telefonkonferenz durchblicken, der Gesamtwert von Osram an der Börse könnte in der Größenordnung von bis zu 8 Milliarden Euro liegen. Allerdings schränkte er ein, dass es bei einem Börsengang dieser Größe wohl Abschläge geben dürfte. Analysten kommen so bei ihrer Bewertung auf 5 bis 6 Milliarden Euro.

Der Umbau dürfe keinesfalls zu Lasten der Beschäftigten und Standorte gehen, forderte Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. «Osram darf nicht zum Spielball kurzlebiger Profitinteressen an den Finanzmärkten werden», betonte der bayerische Bezirksleiter der IG Metall, Jürgen Wechsler, in einer Stellungnahme auf den am späten Montagabend angekündigten Konzernumbau.

Der Abschied von der Lichttochter ist ein tiefgreifender Einschnitt für Siemens, wenngleich Osram bereits seit Jahrzehnten als eigenständige GmbH innerhalb des Konzerns firmierte. Michael Knuth, Sprecher der IG Metall Bayern und Mitglied des Osram-Aufsichtsrats, sagte: «Bei Osram bedarf es in den nächsten Jahren enormer Investitionen. Insofern ist der Börsengang eine Chance. Wir hoffen nur, dass alles, was da passiert, nicht nur in Asien stattfindet. Wir erwarten und fordern auch was für die traditionellen Standorte.» Die größten deutschen Osram-Werke sind in Regensburg und Berlin.

Wechsler betonte, eine verbesserte Ausrichtung des Industriegeschäfts auf künftige Anforderungen liege auch im Interesse der Beschäftigten. «Wir werden allerdings sehr sorgfältig darauf achten, dass sie in diesem Prozess weder unmittelbar noch mittelbar Nachteile erleiden.»

Siemens will in dem neuen Sektor namens «Infrastructure & Cities» für Infrastrukturlösungen in den weltweit stark wachsenden Städten mit künftig 81 000 Mitarbeiter einen Umsatz von 16,5 Milliarden Euro erreichen. Der Konzern will insbesondere Lösungen für effiziente Stromnetze, Transportmöglichkeiten, Gebäudetechnik, Wasserversorgung und Abfallentsorgung anbieten.

Der Siemens-Chef will bei der Neuordnung Stellenabbau vermeiden. «Eher das Umgekehrte wird der Fall sein», sagte Löscher. Es werde allerdings für «einzelne Mitarbeiter» zu Veränderungen innerhalb des Konzerns kommen. Wie viele Stellen von dem Umbau genau betroffen sein werden, sagte Löscher nicht.

Siemens betonte, dass das Unternehmen auch nach dem Börsengang von Osram vorerst als «Ankeraktionär» weiter einen Minderheitsanteil halten werde - allerdings blieb unklar, mit welchem Anteil und für wie lange. Auch über die finanzielle Ausstattung des Unternehmens gab es nur vage Angaben: «Wir werden Osram grundsolide ausstatten.»

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