Kampf gegen Schwarzarbeit
Auf einer Baustelle überprüft ein Zollbeamter Arbeiter auf Schwarzarbeit. (Archiv- und Symbolbild)

Auf einer Baustelle überprüft ein Zollbeamter Arbeiter auf Schwarzarbeit. (Archiv- und Symbolbild)

dpa

Auf einer Baustelle überprüft ein Zollbeamter Arbeiter auf Schwarzarbeit. (Archiv- und Symbolbild)

Tübingen (dpa) - In Deutschland ist im vergangenen Jahr so wenig schwarz gearbeitet worden wie seit 15 Jahren nicht mehr. Durch den Wirtschaftsaufschwung hätten viele Menschen wieder einen regulären Job gefunden - für Schwarzarbeit fehlten dann die Zeit und die Motivation.

Das berichtete das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) am Montag. Trotzdem gehen die Experten davon aus, dass fast jeder siebte Euro am Fiskus vorbeigeschleust wird. Damit ist die Schattenwirtschaft in Deutschland größer als in den meisten anderen OECD-Ländern.

Unter Schattenwirtschaft verstehen die Experten vor allem Schwarzarbeit, aber auch alle kriminellen Aktivitäten. Für 2010 haben die Fachleute errechnet, das 347,6 Milliarden Euro in der Schattenwirtschaft umgesetzt wurden - das waren 13,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. So niedrig war der Anteil der Schattenwirtschaft zuletzt 1995. Dabei hatten Massenentlassungen und Kurzarbeit die Schwarzarbeit in den vergangenen Jahren spürbar ansteigen lassen.

Am häufigsten wird laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bei Handwerkerarbeiten rund um das Haus schwarz gearbeitet. Direkt dahinter folgen Arbeiten im Haushalt, etwa als Putz- und Bügelhilfe. Auch bei Auto-Reparaturen, in der Gastronomie oder beim Friseur werde regelmäßig ohne Rechnung gearbeitet. Das Phänomen ist weit verbreitet: Jeder fünfte Deutsche hatte bei einer Umfrage 2007 zugegeben, schon einmal selbst schwarz gearbeitet zu haben. Und fast jeder dritte Haushalt hat schon einmal einen Schwarzarbeiter beschäftigt.

Wer allerdings einen regulären Job hat, arbeitet nach Feierabend nur selten schwarz, betonten die Tübinger Experten. Deshalb dürfte der Wirtschaftsaufschwung in diesem Jahr noch einmal zu einem Rückgang der Schattenwirtschaft in Deutschland um 1,8 Milliarden Euro führen, prognostizieren das IAW und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz.

Dabei machen die Experten folgende Rechnung auf: Das Bruttoinlandsprodukt steigt in diesem Jahr voraussichtlich um rund 2 Prozent. Weil dadurch mehr Menschen einen regulären Arbeitsplatz finden, sinkt das Volumen der Schattenwirtschaft um 2,95 Milliarden Euro. Ferner gehen die Experten davon aus, dass in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn von 6,65 Euro in Ost- und 7,60 Euro in Westdeutschland eingeführt wird. Weil eine reguläre Beschäftigung also teurer wird, wächst die Schwarzarbeit nach den Berechnungen um 300 Millionen Euro.

Die Beitragserhöhungen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen zum 1. Januar 2011 lassen die Schattenwirtschaft laut Berechnung um 650 Millionen Euro steigen, die höhere Arbeitslosenversicherung noch einmal um 200 Millionen Euro. Insgesamt ergebe das einen Rückgang der illegalen Tätigkeiten um 1,8 Milliarden Euro auf 345,8 Milliarden Euro oder 13,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Welche Auswirkungen die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen EU-Staaten ab dem 1. Mai 2011 haben werde, lasse sich im Moment kaum abschätzen, schreiben die Experten. Denkbar sei, dass bislang illegale Tätigkeiten etwa in der Pflegebranche legalisiert würden.

Unter den Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) steht Deutschland mit einer Schattenwirtschafts-Quote von 13,7 im Mittelfeld. In den USA ist der Modellrechnung zufolge die Schattenwirtschaft mit 7,0 Prozent am niedrigsten, in Griechenland mit 25,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts am höchsten. Allerdings war es Deutschland zuletzt besser als anderen Ländern gelungen, die Schattenwirtschaft einzudämmen.

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