Schottlands Regierungschef Salmond spricht mit Unterstützern der Unabhängigkeitsbewegung. Foto: Teresa Dapp
Schottlands Regierungschef Salmond spricht mit Unterstützern der Unabhängigkeitsbewegung. Foto: Teresa Dapp

Schottlands Regierungschef Salmond spricht mit Unterstützern der Unabhängigkeitsbewegung. Foto: Teresa Dapp

dpa

Schottlands Regierungschef Salmond spricht mit Unterstützern der Unabhängigkeitsbewegung. Foto: Teresa Dapp

Frankfurt/London (dpa) - Die Finanzmärkte schauen gebannt nach Schottland. Umfragen lassen ein denkbar knappes Ergebnis bei der Abstimmung über die Unabhängigkeit erwarten.

Sollte es am frühen Freitagmorgen nach der Auszählung der Stimmzettel tatsächlich eine Mehrheit für eine Abspaltung von Großbritannien geben, könnten die Märkte heftig reagieren - vor allem, weil die meisten Anleger ein Nein bei dem Referendum erwarten. Eine in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichte Umfrage zeigte zuletzt eine knappe Mehrheit für die Unionsbefürworter.

Investoren sind beunruhigt, da im Fall einer Abspaltung auch elementare wirtschaftliche Fragen ungeklärt sind - wie zum Beispiel diejenige der Währung. Die Schotten wollen bei Unabhängigkeit das britische Pfund behalten, die Regierung in London lehnt dies strikt ab. Die Aufteilung bestehender Schulden ist ebenfalls ungeklärt.

«Ein Erfolg der schottischen Unabhängigkeitsbefürworter würde vor allem für eines sorgen: fundamentale Unsicherheit - und zwar für einen langen Zeitraum», warnt Frank Engeld von Union Investment. «Unsicherheit aber ist Gift für die Kapitalmärkte.» Aus einer möglichen Unabhängigkeit würden nur Risiken entstehen, keine Chancen.

Schottland will zudem in jedem Fall EU-Mitglied bleiben. Dem müssten allerdings alle Mitgliedsländer zustimmen. Spanien, dessen nordöstliche Region Katalonien auch nach Unabhängigkeit strebt, fordert ein langwieriges Aufnahmeverfahren. Außerdem könnte ein Austritt des restlichen Vereinigten Königreichs aus der EU wahrscheinlicher werden, wenn die vergleichsweise proeuropäischen Schotten bei einer möglichen Abstimmung 2017 nicht mehr dabei wären.

Nachdem am vorletzten Wochenende erstmals eine Umfrage eine Mehrheit für die Trennungsbefürworter ermittelt hatte, fiel das britische Pfund gegenüber dem Dollar auf ein Zehn-Monats-Tief. «Es besteht sogar die denkbare Möglichkeit, dass das Pfund 10 bis 20 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verlieren könnte», glaubt die Saxo Bank.

Auch zum ansonsten schwächelnden Euro geriet das Pfund unter Druck. Dieser Trend würde sich laut Bankvolkswirten nach einer Abspaltung verstärken. Bei einer Loslösung von London sollten die Reaktionen an den Märkten insgesamt aber nicht nachhaltig sein, da viele britische Großunternehmen ihre Geschäfte vor allem im Ausland betreiben.

Stark unter Druck geraten könnten jedoch die Kurse der beiden schottischen Banken Royal Bank of Scotland und Lloyds. Die Ungewissheit, ob die britische Notenbank weiter hinter ihnen steht, dürfte den Aktienwert belasten.

«Sollte es zu einer Abspaltung kommen, steht zunächst eine Phase längerer Verunsicherung bevor», erwartet Dekabank-Expertin Marina Lütje. Diese sollte sowohl in Schottland als auch im Rest des Vereinigten Königreichs eine Zurückhaltung bei den Investitionen zur Folge haben. Bereits jetzt haben aus Furcht vor dem Schotten-Ausstieg etliche Anleger Kapital aus Großbritannien abgezogen.

Verantwortlich für die möglichen Kursausschläge sind auch die erwarteten Konsequenzen für die Geldpolitik. Angesichts der zuletzt guten Konjunkturentwicklung rechnen Experten derzeit mit einer ersten Leitzinsanhebung im Frühjahr 2015 - diese könnte sich bei einer Abspaltung Schottlands aber schnell in Luft auflösen.

Sollten die Schotten hingegen Großbritannien treubleiben, dürfte sich in der Wirtschaft Erleichterung breitmachen. «Aber auch eine Erholungs-Rally im Fall eines negativen Ausgangs der Wahl könnte nur von kurzer Dauer sein», sagt Nick Beecroft, Analyst bei der Saxo Bank. «Schließlich stehen 2015 Unterhauswahlen und ein mögliches Referendum über die EU-Mitgliedschaft in Großbritannien an.»

Zudem hat die britische Regierung den Schotten kostspielige Versprechen gemacht, wenn sie Teil des Königreichs bleiben. Wie das Referendum auch ausgeht: Es dürfte eine hohe Rechnung geben.

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