Kraft testet bei Milka neue Packungsgröße: 87 statt 100 Gramm. Rohstoffpreise stark gestiegen.

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Düsseldorf. Bei Schokolade gibt es in Deutschland einen Standard – und der heißt 100 Gramm. Doch ein Vorstoß des Lebensmittelkonzerns Mondelez (Kraft Foods) mit seiner Marke Milka legt nahe, dass die 100-Gramm-Marke in Gefahr ist.

Die neueste Milkatafel mit Vollmilchschokolade und salzigen Keksen (Foto) bringt nämlich bei gleicher Größe und gleichem Preis nur noch 87 Gramm auf die Waage. Ist dies nach jüngst gemeldeten Mogelpackungen bei Keksen und Knabberzeug das Ende der verlässlichen Größen bei Schokoladentafeln?

Fakt ist, die Hersteller haben mit teils massiven Preissteigerungen bei den Rohstoffen zu kämpfen. Etwa beim Zucker (seit Januar 2010 ein Anstieg von 480 Euro pro Tonne auf 730 Euro pro Tonne im Oktober 2012) und beim Kakao, der bei steigender Nachfrage weltweit ins Visier von Spekulanten gerät. Das Ergebnis: Preise zwischen 2000 und 3500 Euro pro Tonne seit 2008.

Gleichzeitig kratzen die großen Marken in Deutschland schon lange an psychologisch wichtigen Preisobergrenzen. Bei Schokolade den Preis über die 99-Cent-Schwelle zu heben, könnte vom Verbraucher bestraft werden. Heißt die Strategie nun: Weniger Schokolade zum gleichen Preis also?

Preiserhöhungen sorgen in der Regel für heftige Kritik

Auf Nachfrage wiegelt der Milka-Mutterkonzern ab. „Wir wollen in keinster Weise etwas an den klassischen Tafeln ändern“, sagt Sprecherin Heike Hauerken unserer Zeitung. Bei der 87-Gramm-Tafel handele es sich um ein neues Produkt. Wie die Preissteigerungen bei den Rohstoffen aufgefangen werden, dazu möchte man sich beim Konzern mit Deutschland-Sitz in Bremen nicht äußern.

Beim Mitbewerber Alfred Ritter (Ritter- Sport) ist man gesprächiger. „An den Rohstoffen sparen wir nicht“, sagt Sprecherin Elke Dietrich. Man versuche, bei der Produktion zu sparen. „Rohstoffpreiserhöhungen muss man aber auch weitergeben“, sagt sie. Zuletzt geschah das Anfang 2012, als der Preis von 95 auf 99 Cent pro 100 Gramm erhöht wurde. Zudem hatte auch Ritter in der Vergangenheit mit Kritik an der Preispolitik zu kämpfen. Als das Unternehmen einen 65 Gramm schweren Bio-Ableger seiner 100 Gramm Quadrattafel auf den Markt brachte, hieß es, man würde dem Kunden weniger Schokolade zum gleichen Preis verkaufen.

„Das ist aber eine völlig andere Produktsparte“, sagt Dietrich. Bei Bio als neuem Produkt habe man eben die 65 Gramm als Packungsgröße ausgewählt – wohl auch, um unter dem Schwellenpreis zu bleiben. Die klassische Tafel Ritter Sport soll aber auch weiterhin 100 Gramm wiegen, sagt sie.

Verbraucherschützer befürchtet einen Tabubruch

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg ist skeptisch. „Ich denke, dass es ein Testlauf ist“, sagt er mit Blick auf die 87 Gramm-Tafel. Seit acht Jahren sammeln die Hamburger Verbraucherschützer Beispiele für weniger Inhalt bei gleichem Preis; „Schrumpfkur“ haben sie ihre Liste getauft. Dass nun „auch die Schokolade dran ist, sieht Valet als Tabubruch“. „Mittelfristig könnte die 100-Gramm-Tafel fallen“, befürchtet er.
 

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