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Stromkunden denken zunehmend um: Auch in den kommenden Monaten rechnet der Eon-Vertrieb mit einer hohen Nachfrage nach Ökostrom.

Stromkunden denken zunehmend um: Auch in den kommenden Monaten rechnet der Eon-Vertrieb mit einer hohen Nachfrage nach Ökostrom.

dpa

Stromkunden denken zunehmend um: Auch in den kommenden Monaten rechnet der Eon-Vertrieb mit einer hohen Nachfrage nach Ökostrom.

Berlin (dpa) - Nach der Atomkatastrophe in Japan und neuen Zweifeln an der Sicherheit der Kernenergie reißen sich die Verbraucher um Ökostrom aus alternativen Energiequellen. Die auf solche Tarife spezialisierten Anbieter, aber auch viele klassische Energieversorger stellen einen drastischen Anstieg der Kundenzahlen fest.

Das ergab eine bundesweite dpa-Umfrage. Unklar bleibt, ob auch die Preise für Ökostrom in nächster Zeit anziehen werden. «Im aktuellen Umfeld sind die Nachfragen deutlich gestiegen», erklärte Deutschlands größter Energiekonzern Eon, der auch Atomkraftwerke betreibt, in München. Der Anteil der Kunden mit Ökostrom-Tarifen liege aber erst im einstelligen Prozentbereich. Auch für die kommenden Monate sei mit hohem Interesse zu rechnen.

Beim nach eigenen Angaben größten deutschen Ökostromanbieter, dem unabhängigen Hamburger Unternehmen Lichtblick, wurden in den vergangenen beiden Wochen rund 800 Neuverträge täglich abgeschlossen, etwa dreimal so viele wie vor den Ereignissen in Japan. Lichtblick hat bereits mehr als eine halbe Million Kunden.

«Das Restrisiko hat plötzlich leider eine ganz konkrete Bedeutung bekommen - das wird nicht so leicht aus dem Bewusstsein verschwinden», sagt Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth. Japan habe «das Fass zum Überlaufen» gebracht, heißt es bei Naturstrom in Düsseldorf. Ein weiterer reiner Ökostrom-Anbieter, die Genossenschaft Greenpeace Energy, berichtet von einer Verachtfachung der Kundenzahl seit Beginn der Nuklear-Katatrophe. Eine Fortsetzung des Trends sei möglich, glaubt Unternehmenssprecher Martin Schaefer. «Aber die erste Erregungswelle ist langsam vorbei.»

Bei den konventionellen Energieversorgern fällt das Interesse der Kunden gemischt aus. Anders als Eon sieht die deutsche Nummer zwei RWE bei seinen Haushaltskunden keinen «signifikanten Anstieg» der Nachfrage nach Ökostrom. Bisher liegt der Anteil des entsprechenden Tarifs auch erst im Promillebereich - nur 1300 von insgesamt 3,5 Millionen Kunden haben ihn gebucht.

Andere klassische Versorger zeigen sich enthusiastisch: «Exorbitant» sei das Interesse, bei Neuabschlüssen liege der Ökotarif-Anteil zwischen 40 und 50 Prozent, heißt es bei den Flensburger Stadtwerken. Bei einem Tarif wird für die Kunden jedes Jahr ein Baum gepflanzt, fünf Jahre lang - eine Werbeaktion, die allerdings nur entfernt mit dem Thema Ökostrom in Verbindung steht.

Einen längerfristigen Anstieg der Nachfrage beobachtet das Verbraucherportal toptarif.de: 2008 entschieden sich nur 10 Prozent der Verbraucher, die über das Portal ihren Stromanbieter wechselten, für Ökostrom - 2009 waren es 20 Prozent, 2010 dann gut 30 Prozent, und seit Fukushima liegt der Anteil bei 65 Prozent, wie eine Sprecherin berichtete.

Die Preise, die Stromkunden für die grünen Tarife bezahlen, sind unterschiedlich. Portale wie toptarif.de oder verivox.de bieten Vergleichsrechner an. Häufig liegen die Angebote sogar unter den klassischen Tarifen des Grundversorgers. Oder es werden einige Cent aufgeschlagen, die direkt in neue Anlagen zur alternativen Stromerzeugung fließen.

Über die künftige Preisentwicklung, auch angesichts eines schnelleren Ausstiegs aus der Atomkraft, kann man nach offizieller Einschätzung der Stromunternehmen aber nur spekulieren. Eine wichtige Rolle spielen die schwer vorauszusagenden Preise an der Strombörse sowie die Netzentgelte. «Mittelfristig wird der Strompreis nicht mehr groß steigen», glaubt Lichtblick-Sprecher Kampwirth. Wind, Sonne und Wasser seien kostenlos, anders als Rohstoffimporte. Voraussetzung sei aber zunächst ein erfolgreicher Umbau der Stromerzeugung zugunsten regenerativer Energien.

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