Nach Angaben des Bundesagrarministeriums ist der Fleisch-Export aus Deutschland in zehn Jahren um fast 250 Prozent gestiegen. Foto: Marc Tirl/Symbolfoto
Nach Angaben des Bundesagrarministeriums ist der Fleisch-Export aus Deutschland in zehn Jahren um fast 250 Prozent gestiegen. Foto: Marc Tirl/Symbolfoto

Nach Angaben des Bundesagrarministeriums ist der Fleisch-Export aus Deutschland in zehn Jahren um fast 250 Prozent gestiegen. Foto: Marc Tirl/Symbolfoto

dpa

Nach Angaben des Bundesagrarministeriums ist der Fleisch-Export aus Deutschland in zehn Jahren um fast 250 Prozent gestiegen. Foto: Marc Tirl/Symbolfoto

Berlin (dpa) - Kunden sollen regionale Lebensmittel im Handel künftig an einem einheitlichen Extra-Kennzeichen erkennen. Der Bund will dazu mit den Ländern ein «Regionalfenster» für Packungen entwickeln.

«Viele Menschen haben das Gefühl, hier nicht ausreichend informiert zu sein», sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in Berlin. Hersteller sollen die Kennzeichnung freiwillig nutzen können. Darauf solle stehen, aus welcher Region ein Produkt kommt und worin genau der Regionalbezug besteht - zum Beispiel bei Rohstoffen oder Verarbeitung. Kunden sollen auch erkennen können, wer die Regionalität geprüft hat, wie Aigner am Rande der Agrarmesse Grüne Woche ankündigte.

Dort fachten die wachsenden Fleischexporte aus Deutschland die Debatte über Massenproduktion und die Folgen für Mensch und Tier weiter an. Die Exporte haben sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt - von 1,5 Millionen Tonnen 2001 auf fast 3,7 Millionen Tonnen im Jahr 2010, wie das Agrar- und Verbraucherministerium auf eine Grünen-Anfrage antwortete. Aigner sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montag), vor allem in Schwellenländern mit wachsendem Wohlstand äßen die Menschen mehr Fleisch. «Wir können weder das Bevölkerungswachstum stoppen, noch anderen Staaten den Speiseplan diktieren.» Deutschland könne aber mithelfen, eine nachhaltige Produktion durchzusetzen.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisierte indes, Deutschland habe sich zur «Mastfabrik Europas» entwickelt. «Das System der Massentierhaltung in immer größeren Betrieben basiert auf Antibiotika-Missbrauch, schlechten Tierhaltungsbedingungen und dem Import gentechnisch veränderter Futtermittel.» Die Regierung müsse die Förderung an artgerechte Haltung und höhere Umweltstandards knüpfen. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger beklagte: «Das Fleisch geht in den Export, die Gülle bleibt hier.»

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mahnte dagegen Augenmaß an. «Mit drei Kühen, drei Schweinen und drei Hühnern sind nicht ausreichend Lebensmittel zu erzeugen.» Zugleich warnte er davor, dass Deutschland sich nicht in einen Wettbewerb um die billigsten Lebensmittel begeben dürfe. «Unser Ziel sollte nicht sein, die billigsten Schweinehälften zu produzieren.» Der Export von Schweinefleisch ist der Ministeriumsantwort zufolge kräftig gestiegen und erreichte 2010 knapp 1,6 Millionen Tonnen (2001: 433 000 Tonnen). Die Ausfuhr von Geflügelfleisch erhöhte sich im selben Zeitraum von 155 000 Tonnen auf 393 000 Tonnen. Der Export von Rindfleisch ging allerdings von 540 000 Tonnen auf 417 000 Tonnen zurück. Hinzu kommen sogenannte Schlachtnebenerzeugnisse wie Pfoten, Ohren und Speck vor allem vom Schwein.

Die Einfuhren von Fleisch und Fleischwaren nach Deutschland stiegen binnen zehn Jahren von 1,7 Millionen auf 2,4 Millionen Tonnen. Rechnerisch produziert Deutschland 13 Prozent mehr Fleisch, als es für die eigene Versorgung benötigt.

Laut einer Umfrage im Auftrag des Ministeriums achten 48 Prozent der Verbraucher beim Einkauf darauf, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region stammen. Nur 17 Prozent fühlen sich aber demnach auch verlässlich darüber informiert. Motive für regionale Käufe sind etwa Vertrauen zu Landwirten aus der Umgebung, kurze Transportwege und Arbeitsplätze in der Heimat. Die Verbraucherorganisation Foodwatch nannte es überfällig, dass bei Werbung mit regionalem Bezug angegeben wird, wo die Hauptzutaten herkommen. Dies müsse vorne auf der Packung stehen.

Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kritisierte die Marktmacht der großen Handelsketten. «Es gibt immer noch ganz wenige Einkäufer, die darüber entscheiden, was bei der deutschen Hausfrau auf den Tisch kommt.» So kämen in Süddeutschland kaum sächsische Produkte in die Regale. «In Norddeutschland fällt es uns wesentlich leichter.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer