Russland will die Lieferungen an Westeuropa sicherstellen. Der Transport erfolgt über Weißrussland und die Türkei.

Moskau/Kiew/Berlin. Im Gas-Streit mit der Ukraine hat Russlands Regierungschef Wladimir Putin eine Teilversorgung von Westeuropa über alternative Routen veranlasst. Der frühere Kremlchef wies Gazprom an, 65,3 Millionen Kubikmeter Gas nicht durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch die Türkei und Weißrussland zu pumpen, meldete die Agentur Interfax.

Es handele sich um die Menge, die die Ukraine aus Transitleitungen illegal abzapfe, sagte Putin bei einem Gespräch mit Gazprom-Chef Alexej Miller. Kiew bestreitet dies. Miller sicherte Westeuropa erneut zu, dass sein Unternehmen alles für eine störungsfreie Versorgung tue.

Russland fordert von Europa ein schärferes Vorgehen gegen die Führung in Kiew. Der Westen solle mit aller Kraft den ungestörten Transit von russischem Gas sichern, sagte der Vizechef des Monopolisten Gazprom, Alexander Medwedew, in Paris. Die EU lehnte bei einem Botschaftertreffen in Brüssel jedoch eine Vermittlerrolle ab. Allerdings soll es am Dienstag in Berlin ein Treffen von Medwedew mit einer EU-Delegation in Berlin geben.

In der Auseinandersetzung geht es um die Bezahlung bereits gelieferten Erdgases und den Preis für 2009. Russland will die bislang relativ niedrigen Preise für die Ukraine langsam auf Marktniveau anheben.

Deutschland und die EU wollen keine Vermittlerrolle

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) rief beide Länder zu einer sofortigen Wiederaufnahme ihrer Gespräche auf. Wichtig wäre ein mehrjähriger Vertrag, in dem nachvollziehbar die wichtigsten Punkte geregelt seien, wie Gaspreise, Transitmengen und Transitgebühren, sagte er der "FAZ". Glos sieht die Bundesregierung nicht als Vermittler: "Deutschland und die EU sind Abnehmer des durch die Ukraine geleiteten russischen Gases, aber sie sind weder Vermittler noch gar Partei in diesem Streit."

Abhängig Diverse Staaten in Europa sind von russischem Gas abhängig. Deutschland bezieht 43 Prozent seiner Gasversorgung aus Russland, Österreich 73 Prozent, Griechenland 82Prozent sowie Finnland und die drei baltischen Staaten 100 Prozent. Letztere sind jedoch nicht vom Transit durch die Ukraine abhängig.

Gefüllt Ein unmittelbares Risiko, dass Haushalte in den meistbetroffenen EU-Ländern angesichts des Konflikts plötzlich kein Gas mehr zum Heizen haben, schätzt EU-Kommissionssprecher Tarradellas derzeit als gering ein: "Die Gasspeicher in der EU sind weitreichend gefüllt, zu 70 bis 90 Prozent", sagte er.

Der Gazprom-Vize Medwedew warb in Paris für die geplante Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland. Die Route an der Ukraine vorbei garantiere die Versorgung Europas. Russland pumpt 80 Prozent seines Gases für Westeuropa durch die Ukraine.

In Deutschland gab es trotz des Streits keine Lieferengpässe. "Die Gasversorgungsunternehmen bekommen zu 100 Prozent die Lieferungen, die sie bestellt haben", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Hingegen erhielten unter anderem Polen, Rumänien, Bulgarien und die Slowakei erneut bis zu 30 Prozent weniger russisches Gas aus der Ukraine.

Auch Ungarn, Serbien und Bosnien fürchten nach Angaben aus Kiew eine Reduzierung. Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Versorgung europäischer Erdgas-Kunden vorläufig gesichert. Die Lage könne sich aber ändern, warnte ein Sprecher.

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