Die Zahl der Plagiate steigt rasant an. Imitierte Medikamente sind meist extrem gefährlich.

Brüssel. Die angebliche Blend-a-med-Zahnbürste ist täuschend echt. Die vermeintlichen Beruhigungstabletten sehen so aus, wie man sich Beruhigungstabletten eben vorstellt. Und die kopierten Gillette-Rasierklingen fallen allenfalls auf, weil sie extrem leicht sind. In der Tat ist es für Verbraucher so gut wie unmöglich, illegal nachgemachte Produkte von originaler Markenware zu unterscheiden - zumal immer mehr Artikel raubkopiert werden.

"Uns überrascht gar nichts mehr, denn eigentlich werden heutzutage alle möglichen Markenartikel kopiert", sagt ein ernüchterter EU-Beamter. Die Zollbehörden in der EU haben im vergangenen Jahr 178 Millionen illegale Kopien sichergestellt - das ist ein Plus von 126 Prozent. Besonders beunruhigt die Fahnder, dass immer häufiger Medikamente gefälscht werden. Der Zoll in Europa hat 2008 fast neun Millionen Pillenschachteln abgefangen, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Diese Imitate sind hochgefährlich, weil sie oft weniger oder gar keinen Wirkstoff enthalten - oder sogar andere Substanzen, die für Patienten bedrohlich sein können.

Verbraucher können sich zwar nicht hundertprozentig davor schützen, dass ihnen unechte Ware angedreht wird. Schließlich sind auch schon kopierte Produkte in etablierten Geschäften und Supermärkten aufgetaucht. Die Masse der Kopien wird allerdings auf anderen Vertriebswegen verschachert - zum Beispiel auf Flohmärkten oder im Internet. Das heißt: Wer darauf verzichtet, verdächtig günstige iPods am Straßenrand zu kaufen, sich die Stange Marlboro zu halbem Preis in der U-Bahn-Station zu besorgen oder Viagra zu Schnäppchenpreisen im Internet zu bestellen, hat zumindest eine faire Chance, von den Fälschungen verschont zu bleiben.

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