Einkaufen als Erlebnis: Was die irische Billigmode-Kette auch in Deutschland so erfolgreich macht.

Maike Langer (v. li.), Vivienne und Geraldine Teraser hatten ihre Tüten schnell gefüllt.
Maike Langer (v. li.), Vivienne und Geraldine Teraser hatten ihre Tüten schnell gefüllt.

Maike Langer (v. li.), Vivienne und Geraldine Teraser hatten ihre Tüten schnell gefüllt.

Melanie Zanin

Maike Langer (v. li.), Vivienne und Geraldine Teraser hatten ihre Tüten schnell gefüllt.

Düsseldorf. Es dauert nur eine Viertelstunde, dann ist der graublaue Einkaufskorb voll – und in den geht bei Primark eine Menge rein. T-Shirts für 3 Euro, eine Leinenjacke mit Lederärmeln für 35 Euro, ein Pullover für 13 Euro, eine Jeans für 15 Euro, Winterschuhe für 15 Euro bietet der irische Textil-Discounter an

Zur Eröffnung des Primark-Ladens in Düsseldorf, dem elften in Deutschland, drängelten sich am Dienstag um elf Uhr auch zahlreiche Schülerinnen auf der Schadowstraße, die den Vertretern des Ordnungsamtes treuherzig versicherten, sie hätten eine Freistunde. Das Zielpublikum spielt also auch am Rhein prima mit, schließlich passen die Preise der modisch aufgemachten Klamotten zum Taschengeld.

Neue Ware: Der Anreiz zum Wiederkommen ist dauernd da

Das will Primark abschöpfen, denn Kinder und Jugendliche hatten 2012 bundesweit rund fünf Milliarden Euro zur Verfügung, von denen viel für Kleidung ausgegeben wird. Da fast jede Woche neue Ware eintrifft, ist der Anreiz zum Wiederkommen dauernd da, wird die Anprobe zur Session mit Freundinnen. Hier funktioniert Einkaufen als Erlebnis besser als bei vielen Konkurrenten.

Lehramtsstudentin Nadine Walter (22) aus Köln ist bisher in die Essener Filiale gefahren und weiß, wie der Einkauf läuft. „Wenn alle volle Körbe haben, dann will man sich selbst nicht mit drei Teilen zufrieden geben.“

Die Kunden präsentieren ihre Einkäufe im Internet

„Wir kalkulieren mit sehr niedrigen Margen“, sagte George Weston, der Vorstandschef von Primark-Eigentümer AB Foods, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der günstige Preis kurbele den Verkauf aber so stark an, dass am Ende mehr in der Kasse lande.

Primark ist ein irisches Tochterunternehmen des britischen Konzerns Associated British Foods. Im Juni 1969 eröffnete der erste Laden in Dublin.
 

Der Textil-Discounter hat derzeit 266 Filialen in acht westeuropäischen Ländern. Die gesamte Verkaufsfläche beträgt 836 100 Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Kik-Kette hat rund 2600 Filialen in Deutschland, Österreich sowie sechs osteuropäischen Ländern.
 

Die Modekette beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland 4365 und insgesamt 51 116 Mitarbeiter.
 

Im Wirtschaftsjahr 2012/2013 machte Primark nach eigenen Angaben einen Umsatz von 4,3 Milliarden britischen Pfund (5,1 Milliarden Euro). Das sind 22 Prozent mehr als im Jahr davor. Der operative Gewinn lag mit 514 Millionen Pfund (613 Millionen Euro) um 44 Prozent über dem des Vorjahres.

Fürs Frühjahr plant Primark Eröffnungen in Köln und Berlin. Auch eine Filiale am Ostwall in Krefeld ist vorgesehen, ein Laden in Wuppertal in der Diskussion. Bei Mönchengladbach wurde bereits ein großes Logistikzentrum gebaut.
 

Maike Langer (20) aus Düsseldorf ist früher sogar nach London gefahren, um bei Primark billig einzukaufen. Denn die Mode sei schon sehr cool – wie der rotkarierte Wintermantel für 35 Euro. Danach präsentiert Maike ebenso wie ihre Freundinnen Vivienne (20) und Geraldine Teraser (25) aus Duisburg die Einkäufe in ihrem Mode-Blog. Andere stellen sie in Youtube-Filmclips vor.

Das ist der wahre Marketing-Coup der Iren. Während der Konkurrent H & M Heidi Klum, Gisèle Bündchen und Lana del Rey für Hochglanzplakate verpflichtet hat, spart Primark viel Geld: Die Kette wirbt fast gar nicht, denn das übernehmen die Kunden selbst. Dass die Kleidungsstücke nicht viele Wäschen überstehen, ist im Erlebnis-Charakter inbegriffen: Man kann sich ja billig etwas Neues kaufen.

Ins Gerede gekommen ist der Textil-Discounter, weil auch er in den Fabriken in Bangladesch nähen ließ, bei deren Einsturz mehr als 1000 Menschen starben. Dass die Ware bei diesen Preisen nur aus einem Billiglohn-Land kommen kann, wo Näherinnen 40 Euro im Monat verdienen, ist Maike Langer bewusst – aber „wo hat man das heutzutage nicht“.

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