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Lebensmittelhändler wie Aldi versuchen den Anbietern von Drogeriewaren wie Schlecker die Kunden abzujagen.

Lebensmittelhändler wie Aldi versuchen den Anbietern von Drogeriewaren wie Schlecker die Kunden abzujagen.

dpa

Lebensmittelhändler wie Aldi versuchen den Anbietern von Drogeriewaren wie Schlecker die Kunden abzujagen.

Düsseldorf (dpa) - Zahncreme statt Zucker, Toilettenpapier statt Tomaten: Der Preiskampf der Lebensmittelhändler hat sich zum Jahresanfang auf Drogeriewaren verlagert. Der führende Billiganbieter Aldi läutete mit Anzeigen eine Preissenkungsrunde ein, bei der Körperpflegeartikel im Mittelpunkt stehen.

Lebensmittel wie Dosengemüse spielen nur eine Randrolle. Noch am selben Tag zogen bei der Preissenkungsrunde andere Discounter mit und sogar Rewe, eine der beiden großen Supermarkt-Gruppen.

Experten sehen angesichts anziehender Rohstoffpreise kaum noch Spielraum für Preissenkungen bei Lebensmitteln, im Gegenteil: Die Preise steigen tendenziell. Die Preisattacke zielt auf Drogeriewaren und damit auf Drogeriemärkte. Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung GfK sieht verschiedene Gründe. So dürfte der Filialumbau bei Schlecker eine Rolle spielen. Andere könnten versuchen, diesen zu nutzen, um Marktanteile zu gewinnen. Umbauphasen gelten in der Wirtschaft als Schwächephasen, die die Konkurrenz häufig nutzt.

Auch preisgünstige neue Produkte von Markenartikel-Herstellern dürften für Bewegung sorgen, meint der GfK-Experte. Jahrelang waren die Eigenmarken des Handels, die auch No-Name-Produkte genannt werden, auf dem Vormarsch. Inzwischen ist der Trend gestoppt, eine Reihe von namhaften Markenartikelherstellern hat Produktvarianten zu einem besonders günstigen Preis auf den Markt gebracht. Dieser Trend geht von der Haarpflege bis zu Windeln. Warum sollten Kunden auf No- Name-Produkte ausweiche, wenn Markenartikel nicht viel mehr kosten? Außerdem werden Markenartikel in Preisaktionen billig angeboten.

Der Angriff von Aldi und Co umfasst mit den wenigen Lebensmitteln insgesamt nur 15 bis 20 Artikel. Aber dabei sind mit Damenbinden und Toilettenpapier gleich mehrere Produkte, die mit hohen Umsätzen verbunden sind. «Aldi liefert sich ein Kräftemessen mit den großen Drogerieketten wie dm», beobachtet Discountexperte Matthias Queck.

Bereits im vergangenen Herbst habe es ein Preisgerangel gegeben. Wobei aus seiner Sicht nicht ganz klar ist, wer angreift und wer sich verteidigt: Auch dm habe in den vergangenen Monaten Aldi-Preise unterboten und damit den Discount-König offen herausgefordert.

«Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, wird umso härter um die einzelnen Stücke gekämpft», beschrieb ein Handelsmanager vor kurzem die Problematik der Discounter. Ihr Umsatzanteil an den Lebensmitteln stagniert in Deutschland bei etwa 40 Prozent. Aldi werden in seinem Heimatmarkt von Experten sogar Umsatzrückgänge nachgesagt. Da liegen die Nerven bei dem einen oder anderen blank. In den Anzeigen betont Aldi Nord, dass die Preissenkungen von Dauer seien: «Denn wir halten nichts von Preis-Aktionismus, nichts von Preissenkungen nur für wenige Tage». Queck vom Wirtschaftsinformationsdienst Planet Retail deutet das als Hieb auf Lidl und dessen Angebote zum Wochenende.

Wie es der Zufall so wollte, gab der Aldi-Konkurrent Penny am Donnerstag nicht nur Preissenkungen, sondern gleich auch noch ein weiteres Stühlerücken in der Chefetage bekannt. Einkaufschef Alfred Glander verlässt nach Unternehmensangaben die Kette, nachdem 2010 bereits sein Chef den Hut genommen hatte. In Medienberichten wurde damals vermutet, dass der Handelsriese Rewe mit der Geschäftsentwicklung bei seiner Discounttochter Penny im vergangenen Jahr nicht zufrieden war.

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