Für vergleichbare Produkte wird oft deutlich mehr verlangt. Das zeigen eine Studie aus New York und eine Stichprobe aus Hamburg.

Drogeriemarkt-Kette dm
Augen auf im Drogeriemarkt – Frauen werden für vergleichbare Produkte oft mehr zur Kasse gebeten.

Augen auf im Drogeriemarkt – Frauen werden für vergleichbare Produkte oft mehr zur Kasse gebeten.

Daniel Naupold

Augen auf im Drogeriemarkt – Frauen werden für vergleichbare Produkte oft mehr zur Kasse gebeten.

Düsseldorf. Der Kinderroller in roter Farbe kostet 24,99 Dollar. Das gleiche Modell in pink hingegen 49,99 Dollar. Dieses besonders augenfällige Beispiel für ein „Gender Pricing“ – vom Geschlecht des Käufers abhängige Preisfindung – findet sich in einer aktuelle Studie. Die hat der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio vorgestellt. Titel: „Von der Wiege bis zur Geh-Hilfe – was es kostet, ein weiblicher Verbraucher zu sein.“

Schon im Kindesalter geht es los mit der Ungleichbehandlung

800 Produkte in 24 New Yorker Geschäften, für die es „männliche und weibliche Versionen“ gibt, wurden verglichen. Ergebnis: Im Durchschnitt kosten Produkte für Frauen acht Prozent mehr als vergleichbare Angebote für Männer. Schlussfolgerung der Studie: Eine Frau zahlt in ihrem Leben Tausende Dollars mehr als ein Mann, um ähnliche Produkte zu kaufen. Und das geht eben schon mit dem ersten Tretroller los.

So verteilt sich dieses auch Pink Tax – Rosa Steuer – genannte Phänomen auf die einzelnen Bereiche: Mädchen zahlen acht Prozent mehr für Spielzeuge, bei der Kleidung liegt der Aufschlag im Kindesalter bei vier und im Erwachsenenalter bei acht Prozent. Bei der Körperpflege kosten die Artikel für Frauen schon 13 Prozent mehr.

Die Pink Tax ist freilich kein US-amerikanisches Phänomen. Auch in Deutschland wurde schon eine Erhebung zu dem Thema gemacht. Die Verbraucherzentrale Hamburg ermittelte bei Stichproben im vergangenen Jahr teilweise deutliche Unterschiede bei verschiedenen Produktgruppen. Beispiel: Eine Fünferpackung Einwegrasierer für Männer kostete beim Drogeriemarkt Rossmann 79 Cent, eine gleiche Menge Damen-Einwegrasierer hingegen 99 Cent. Einen Frauenaufschlag von 25 Prozent stellt die Verbraucherzentrale hier fest. Beim Konkurrenten DM liegt dieser Aufschlag beim Produkt Einwegrasierer bei 17 Prozent.

Verbraucherschützer Armin Valet: „Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum ein baugleicher Rasierer, der sich nur in der Farbe unterscheidet, für Frauen deutlich mehr kosten soll.“

Rossmann-Pressesprecher Stephan-Thomas Klose kann nichts Verwerfliches daran finden: „Angebot und Nachfrage regeln in der freien Marktwirtschaft nun einmal den Preis. Und niemand hindert Frauen daran, auch mal Männerprodukte zu kaufen, wenn sie denn tatsächlich günstiger sein sollten als vergleichbare Frauenprodukte.“ Dafür könne es 1000 Gründe geben, wie Auslistung, Aktion, Preisreduzierung, Qualitätsunterschiede, etc. Im Übrigen kauften bei Rossmann überwiegend Frauen ein. Da müsse man die Männer manchmal schon mit einer kleinen Preisaktion locken.

Holzig-orientalische Düfte und ein rosa Kugelschreiber

Auch bei Düften gibt es erhebliche Preisunterschiede. Allerdings fällt hier die Vergleichbarkeit schon schwerer. Aktueller Blick auf die Verkaufsplattform von Douglas im Internet: Hier wird das Eau de Toilette Hugo Boss Orange Man für 99,98 pro 100 Milliliter angeboten. Der entsprechende Frauenduft kostet für die gleiche Menge 126,63 Euro. Bei beiden wird als Duftnote „holzig-orientalisch“ angegeben. Doch der „lässig-zwanglose Charakter“ des Männerdufts kostet den Herrn deutlich weniger als das Pendant, das der umworbenen Dame dieses Potenzial verspricht: „Verzaubert mit Temperament und unwiderstehlich spontaner Weiblichkeit“.

Preisunterschiede hat die Verbraucherzentrale auch beim Friseur festgestellt. Das sei nachvollziehbar, wenn die Haargestaltung aufwendiger ist, gesteht Verbraucherschützer Valet zu. Das rechtfertige aber nicht, dass Frauen bei einem einfachen Kurzhaarschnitt bis zu 40 Prozent mehr zahlen sollen als Männer. Und in der Reinigung kosteten einfache Frauenblusen zwischen 60 und 80 Prozent mehr als Männerhemden.

Eine Gegenwehr, so beklagt Valet, sei für Frauen kaum möglich. Bei Einwegrasierern, bei denen man leicht auf das Männerprodukt umsteigen kann, funktioniere das zwar. Aber etwa bei Düften gehe das kaum. Seinem Appell, Preisdiskriminierung von Frauen zu unterlassen, wird wohl weiterhin entgegenhalten werden: Der Markt wird es regeln.

Zum Markt gehört freilich auch Verbraucheraufklärung und Transparenz. Erst vor ein paar Tagen wurde in einem Fachmedium ein Anbieter hochwertiger Kugelschreiber aufgespießt. Der edle Stift „unisex“ in blau sollte 42,63 Euro kosten. Das gleiche Modell in Pink für die Frau hingegen 60,03 Euro. Wer aktuell die Anbieterseite im Netz aufruft, stellt fest, dass nun Gerechtigkeit herrscht. Beide kosten nun den selben Preis. Zu dumm nur: Jetzt muss auch für den blauen Stift 60,03 Euro bezahlt werden. Damit ist nun auch niemandem geholfen – außer dem Anbieter.

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