Larry Ellison
Oracle-Chef Larry Ellison: Zum ersten Mal seit zwei Jahren verfehlt der SAP-Rivale Oracle die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer. Foto: John G Mabanglo

Oracle-Chef Larry Ellison: Zum ersten Mal seit zwei Jahren verfehlt der SAP-Rivale Oracle die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer. Foto: John G Mabanglo

dpa

Oracle-Chef Larry Ellison: Zum ersten Mal seit zwei Jahren verfehlt der SAP-Rivale Oracle die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer. Foto: John G Mabanglo

Redwood Shores/Frankfurt (dpa) - In der Technologiebranche geht die Angst vor einem Abschwung um. Enttäuschende Geschäftszahlen des amerikanischen Software-Schwergewichts Oracle lösten selbst im fernen Deutschland einen Kursrutsch aus.

Die Aktien des Walldorfer Rivalen SAP verloren bis Mittwochnachmittag mehr als 4 Prozent an Wert, die kleinere Software AG büßte 3 Prozent ein. Die Börsianer fürchten, dass die grassierende Schuldenkrise sich letztlich auch auf das Geschäft von SAP auswirkt, des Marktführers bei Unternehmenssoftware. Die von Oracle als Erklärung für das eigene schlechte Abschneiden ins Feld geführte Nachfrageschwäche in Europa tangiere auch SAP, erklärte Analyst Mirko Maier von der LBBW. Der Konzern, so seine Befürchtung, könnte sogar noch stärker leiden, da Europa der Heimatmarkt sei.

Oracle legt seine Geschäftszahlen einen Monat früher als die Rivalen vor und gilt deswegen als Richtungsanzeiger der Branche. Der vom streitbaren Milliardär Larry Ellison geführte Konzern hatte im zweiten Geschäftsquartal von September bis November deutlich die Erwartungen der Analysten verfehlt. Nach der Zahlenvorlage am Dienstag nach Börsenschluss brach das Papier im frühen New Yorker Handel am Mittwoch um 13 Prozent ein.

Der Umsatz hatte um magere 2 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zugelegt (6,7 Mrd Euro). Börsianer sind hier von Oracle Sprünge im zweistelligen Prozentbereich gewohnt. Doch der Konzern konnte die Verkäufe von Software-Lizenzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum kaum noch steigern; das zugekaufte Geschäft mit leistungsstarken Firmenrechnern schrumpfte sogar. Unterm Strich stieg der Gewinn dank Einsparungen noch um 17 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar.

Oracle hat als weltgrößter Anbieter von Datenbanken viele Kunden in der gebeutelten Finanzwelt. Doch auch Regierungen und andere Firmen nutzen die Produkte. Bereits im November hatte der große US-Computerbauer Dell von einer schwachen PC-Nachfrage berichtet. Bislang geht SAP davon aus, dass Umsatz und Gewinn in diesem Jahr kräftig steigen. Der Konzern legt seine Zahlen am 25. Januar vor.

DZBank-Analyst Oliver Finger kommentierte, dass er eine Abschwächung der Nachfrage im IT-Sektor für den Rest des laufenden und das kommende Jahr bereits erwartet habe. SAP sieht er allerdings weniger betroffen, da die Walldorfer nicht so stark vom Finanzsektor und der schuldengeplagten öffentlichen Hand abhängig seien. Mit SAP-Software verwalten Unternehmen ihre Aufträge oder regeln ihre Buchführung.

Oracle und SAP gehören zu den schärfsten Rivalen, seitdem Oracle-Chef Ellison mit Dutzenden Zukäufen immer stärker in das angestammte Feld der Deutschen vorgestoßen ist. SAP hatte sich nach langer Enthaltung ebenfalls mit Zukäufen gestärkt. Zuletzt legte SAP ein 3,4 Milliarden Dollar schweres Angebot für das US-Unternehmen SuccessFactors vor, das auf Software zur Personal-Verwaltung spezialisiert ist.

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