Larry Ellison
Mehr als 35 Jahre führte Larry Ellison die Geschäfte des amerikanischen SAP-Konkurrenten Oracle. Foto: John G. Mabanglo

Mehr als 35 Jahre führte Larry Ellison die Geschäfte des amerikanischen SAP-Konkurrenten Oracle. Foto: John G. Mabanglo

dpa

Mehr als 35 Jahre führte Larry Ellison die Geschäfte des amerikanischen SAP-Konkurrenten Oracle. Foto: John G. Mabanglo

Redwood Shores (dpa) - Beim SAP-Rivalen Oracle endet eine Ära: Gründer Larry Ellison gibt die Führung des Software-Konzerns ab. Der 70-Jährige übernimmt den Vorsitz im Verwaltungsrat und will zugleich als Technikchef im operativen Geschäft bleiben.

Seine bisherigen Stellvertreter Mark Hurd und Safra Catz sollen Ellison in einer Doppelspitze ersetzen. Ellison war bisher der einzige Chef von Oracle seit der Gründung im Jahr 1977.

Der 57-jährige Hurd soll sich um Verkauf, Marketing und Strategie kümmern, wie Oracle nach US-Börsenschluss am Donnerstag mitteilte. Catz (52) bleibt zuständig für Finanzen und übernimmt die Bereiche Recht und Produktion. Ellison, der kürzlich 70 Jahre alt wurde, wolle sich weiterhin in Vollzeitarbeit dem Unternehmen widmen, hieß es in der Mitteilung. «Safra und Mark werden jetzt an den Verwaltungsrat statt an mich berichten», erklärte Ellison. Alles andere bleibe unverändert.

Ellison hatte die auf Datenbanken für Unternehmensbuchhaltung spezialisierte Firma zu einem internationalen IT-Riesen gemacht. Oracle ist an der Börse über 180 Milliarden Dollar schwer und macht fast 40 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Ellison übergibt das Unternehmen aber mit diversen Herausforderungen an Hurd und Catz. Hohe Kosten auf dem Weg ins Cloud-Geschäft machten dem Konzern zuletzt zu schaffen. Außerdem entwickelte sich die Übernahme des Server-Spezialisten Sun Microsystems für Oracle zu einem teuren Unterfangen: Solche Hardware-Geschäfte sind gerade nicht besonders lukrativ.

So fielen die zeitgleich zum Personalwechsel veröffentlichten Zahlen für das Ende August abgeschlossene erste Geschäftsquartal durchwachsen aus: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um rund drei Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar (6,7 Mrd Euro) und blieb damit unter den Erwartungen der Analysten. Der Netto-Gewinn trat mit 2,2 Milliarden Dollar auf der Stelle.

Der deutsche Oracle-Konkurrent SAP hatte in den vergangenen Jahren ebenfalls eine Doppelspitze gehabt, bis der Amerikaner Bill McDermott vor einigen Monaten die alleinige Führung übernahm.

Oracle kündigte mit dem Chefwechsel Aktienrückkäufe von 13 Milliarden Dollar (10 Mrd Euro) an. An der Börse fielen die Reaktionen trotzdem negativ aus - nachdem die Nachricht von Ellisons Rücktritt die Runde machte, rutschte die Oracle-Aktie im nachbörslichen Handel deutlich ab. Am Freitag lag das Papier vorbörslich um gut zwei Prozent im Minus.

Ellison hatte das Wachstum von Oracle mit vielen zum Teil milliardenschweren Übernahmen vorangetrieben. Zu den größeren Zukäufen gehörten der Spezialist für Programme für Kundenmanagement Siebel Systems und der Entwickler von Personalsoftware PeopleSoft. In den vergangenen Jahren lieferte sich Oracle einen Wettlauf mit SAP um Übernahmen im Cloud-Geschäft, bei dem Programme, Dienste und Daten direkt aus dem Netz bereitgestellt werden.

Hurd war einst Chef des Computerkonzerns Hewlett-Packard. Er ging dort im Streit mit dem Verwaltungsrat: Das Kontrollgremium fand zwar kein Fehlverhalten nach den Vorwürfen einer externen PR-Mitarbeiterin, Hurd habe sie belästigt. Der Verwaltungsrat bezog sich aber auf Unregelmäßigkeiten bei Spesenabrechnungen. Ellison kritisierte den HP-Verwaltungsrat scharf und holte Hurd 2010 in die Oracle-Spitze. Davor galt Catz, die seit 1999 bei Oracle ist, als wahrscheinliche Nachfolgerin Ellisons.

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